Mittwoch, 15. September 2010

Im Bett mit Lotta


Angeblich hält der Hund das Bett seines Menschen für den sichersten Platz im Haus. Wenn das stimmt, hat Lotta unbestreitbar ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis, denn sie versucht, möglichst viel Zeit in unseren Betten zu verbringen. Das war von Anfang an so. Schon als kleiner Welpe kletterte sie heimlich in mein Bett, wenn ich aus dem Haus ging. Beim ersten Mal löste sie damit eine große Suchaktion aus, denn niemand vermutete sie dort. Als mein Mann sie endlich fand, ließ er sich zu dem Ausruf: "Da ist ja die kleine A....geige!" hinreißen. Meine Töchter erwarteten mich abends kichernd an der Haustür und riefen mir bereits von weitem entgegen: "Mama, Mama, weißt du, was Papa heute gesagt hat?", denn das Wort kannten sie bis dahin noch nicht und darüber, dass sie es ausgerechnet von ihrem Vater zuerst gehört hatten, amüsierten sie sich königlich.
Ich gehöre zu den Menschen, die ihr Bett nicht mit einem Hund teilen mögen, schon gar nicht mit einem, der so viele Haare verliert wie Lotta. Doch was Lotta auszeichnet, ist ihr Mut zur Lücke. Wenn ich nachts vergesse, die Schlafzimmertür zu schließen, bekomme ich prompt Hundebesuch. Da Lotta natürlich genau weiß, dass sie dort nicht erwünscht ist, wartet sie, bis ich eingeschlafen bin, um dann aufs Bett zu hüpfen. Sie schafft es immer wieder, mich damit halb zu Tode zu erschrecken. Ich brauche jedes Mal mehrere schockstarre Sekunden, bis ich realisiere, dass nicht ein Einbrecher an meinem Bein rüttelt, sondern der Hund versucht, auf der Bettdecke eine bequeme Liegeposition einzunehmen.
Den Kindern verbot ich, Lotta mit ins Bett zu nehmen und bestand darauf, dass der Hund die Nächte in seinem Korb verbringt. Dieses Verbot wurde im Laufe der Jahre immer weiter aufgeweicht, die Töchter hielten sich einfach nicht mehr daran (wie an viele andere Verbote, die sich im Laufe der Zeit erübrigten). Nachts fand Lotta also mal bei der einen, mal bei der anderen Unterschlupf, wobei das wörtlich zu nehmen ist, denn sie liegt tatsächlich gern unter der Decke.
Auch tagsüber müssen wir während unserer Abwesenheit die Türen zu den Schlafzimmern geschlossen halten, denn sonst tauscht Lotta sofort Korb gegen Bett. Sie lässt sich nur nicht mehr in flagranti ertappen, denn wenn sie die Haustür hört, kommt sie sofort die Treppe hinunter. Kleine Kuhlen in der Bettdecke und weiße Hundehaare verraten uns allerdings ihren bisherigen Aufenthaltsort. Seit sie nicht mehr so gut hört, kann es aber auch vorkommen, dass sie nicht merkt, wenn jemand nach Hause kommt. Dann bleibt sie einfach im Bett liegen. Sie ist der Ansicht, dass ihr hohes Alter ihr gewisse Privilegien garantiert. Darunter fällt ihrer Meinung nach auf jeden Fall die freie Wahl des Ruheplatzes. Bei geschlossener Schlafzimmertür nimmt sie auch mal mit dem Wohnzimmersofa Vorlieb. Leider müssen wir unser Sofa dann erst mal absaugen, bevor wir uns wieder darauf setzen können, denn sonst ist unsere Sitzfläche mit weißen Hundehaaren übersät, was nicht wirklich kleidsam aussieht.
Als Lotta während unseres Urlaubs einmal bei meinen Eltern war, nächtigte sie dort auch lieber auf dem weißen Wohnzimmersofa als in ihrem Körbchen. Meine Eltern legten zum Schutz ihrer Couch Zeitungspapier auf die Sitzfläche. Lotta zog das Papier einfach hinunter und legte sich wieder in die Polster. So leicht gibt sie nicht nach.
Zu Hause haben wir inzwischen einen Kompromiss gefunden. Da die Töchter nicht mehr bei uns wohnen, muss Lotta nachts im Körbchen schlafen. Wenn ich aber früh morgens meine erste Tasse Kaffee und die Zeitung mit ins Bett nehme, darf Lotta sich dazu gesellen und sich auf meiner Decke einrollen.
In unbeobachteten Momenten entschwindet sie inzwischen immer öfter ins Obergeschoss, um sich auf einem der Betten breit zu machen. Neulich fanden wir sie auf dem Bett des Mannes, gemütlich in ein Nest aus Krawatten gekuschelt, die er nach einer Dienstreise beim Kofferauspacken eilig aufs Bett geworden hatte. Mein Mann, inzwischen in seiner Wortwahl vorsichtiger geworden, murmelte nur „Wie süß!" hinter zusammengebissenen Zähnen und rettete seine Krawatten. Aber ganz vorsichtig, um Lottas Nachmittagsschlaf nicht zu stören. Beharrlichkeit zahlt sich eben aus.

1 Kommentar:

  1. wie süß :-)
    Hast nur nicht erwähnt wie sie sich auch allen allen vorbeischleicht um abends ins Bett zu gehen. Außerdem, wenn sie frisch geschoren ist, haart sie doch gar nicht so doll ;-)

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