Mittwoch, 17. November 2010

Zielsicher auf den weißen Teppich

Meine Hunde sind kleine Speiwunder. Sie speien immer ins Haus. Noch nie ist einer von beiden auf die Idee gekommen, dafür den Garten aufzusuchen. Die Abfolge ist immer gleich: Draußen Gras fressen, drinnen speien. Und immer auf den weißen Teppich.
Wenn es sie überkommt, verlassen sie sofort den pflegeleichten Fliesenboden und begeben sich direkt auf den einzigen hellen Teppich im Haus. Es ist mir wirklich ein Rätsel, was sie dazu antreibt. Werden sie heimlich von der Putzmittelindustrie mit Wiener Würstchen bestochen? Ich habe inzwischen bestimmt schon jedes freiverkäufliche Polsterreinigungsmittel ausprobiert und von den wirkungsvollsten Mittelchen immer einen großzügigen Vorrat im Haus. Sollte in der letzten Zeit ein Polsterreinigungsmittelhersteller Umsatzeinbußen erlitten haben, so lag es nicht an uns!
Unglücklicherweise handelt es sich bei unserem weißen Teppich um einen Schurwollteppich. Wenn man den Teppich shampooniert, wird er natürlich nass und die Schurwolle riecht dann nach altem Schaf. Und zwar heftig. Vielleicht ist es das, was die Hunde so schätzen? Der Geruch von nassem Schurwollteppich kann wirklich atemberaubend sein. Man glaubt, es stünde eine nasse Schafherde im Haus. Scheint ein Raumduft zu sein, den meine Hunde mögen.
Vielleicht wollen sie mir auch mit der Auswahl des hellen Teppichs einen Gefallen tun, denn nirgendwo sonst, sieht man die Flecken so deutlich. „Sparen wir doch Frauchen das lange Suchen, hier sieht sie es sofort!“, können Hunde soweit denken? Eher unwahrscheinlich.
Natürlich habe ich mir auch Sorgen um die Gesundheit der Hunde gemacht, aber unser Tierarzt hält sowohl Lotta als auch Karlsson für kerngesund. Es scheint vielmehr so zu sein, dass beide Schwierigkeiten mit langer Nüchternheit haben und darauf mit dem Erbrechen von Magensäure (hartnäckige gelbe Flecken!) reagieren. Dagegen hilft einfach mehr essen. Diese Therapie finden beide Hunde sehr gut. Sie bekommen nun abends einen großen Hundekuchen, damit der Magen während der Nacht nicht sich selbst überlassen bleibt. Hilft meistens, außer wenn einer von beiden den abendlichen Hundekuchen morgens auf den Teppich speit. In der Regel ist das eher Karlsson. Das liegt dann daran, dass er am Vortag heimlich irgendwelche interessanten Abfälle auf der Straße aufgesammelt und vertilgt hat. Oft verdirbt er sich daran einfach den Magen. Neulich konnte ich ihm gerade noch eine ganze (!) Mettwurst abnehmen, die er am Wegesrand aufgelesen und neben mir her getragen hat. Dabei benahm er sich so betont unauffällig, dass ich tatsächlich erst nach einer Weile merkte, dass er keinen Stock im Maul hat, sondern eine Wurst, noch dazu unbekannter Herkunft.
Warum die Flecken aber immer auf dem weißen Teppich landen, bleibt weiter ungeklärt. Eine Zeitlang dachte ich, dass meine Hunde eine besondere Marotte haben, aber dann las ich den Erfahrungsbericht eines Mopsbesitzers, der außer dem Mops noch einen teuren Designerteppich sein eigen nennt. Dieser Teppich hat ein Muster aus bunten Farbfeldern. Rote, blaue, gelbe, grüne und weiße. Raten Sie mal, was passiert, wenn dem Mops übel wird. Genau - immer auf die weißen Quadrate! Das nenn ich zielsicher.

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