Mittwoch, 8. Dezember 2010

Mit Hund auf den Weihnachtsmarkt

Ich rate dringend davon ab, Hunde mit auf den Weihnachtsmarkt zu nehmen. Im Ernst. Es ist laut, an jedem Stand dudelt andere Weihnachtsmusik und die konkurriert obendrein mit dem Instrumentaltrio, das sich am Rande des Marktes an ‚White Chrtistmas‘ versucht. Es ist voll, selber hat man schon genug damit zu tun, heil durch die Reihen zu kommen, ohne dass einem jemand Glühwein über die Jacke kippt oder die gefüllten Einkaufstüten in die Kniekehlen rammt. Wie geht es dann erst den Vierbeinern, die schließlich noch eine Etage tiefer als wir unterwegs sind? Eingezwängt zwischen fremden Hosenbeinen, können sie höchstens darauf hoffen, dass jemandem das Nackensteak aus dem Brötchen genau vor die Hundenase fällt. Und das passiert auch nicht so oft.
Es ist gewiss nicht lustig für den Hund, sich in dieser Kakophonie aus Geräuschen und Gerüchen zurechtzufinden, wenn einem obendrein noch dauernd jemand auf die Pfoten tritt und man von seinem Menschen permanent daran gehindert wird, die runtergefallenen Gyrosstückchen aufzusammeln. Trotzdem waren wir neulich mit Karlsson auf einem Weihnachtsmarkt.
Allerdings sind wir dazu weit über Land gefahren, zu einem idyllisch mitten im Wald und an einem See gelegenen alten Gutshof, auf dem eben ein Weihnachtsmarkt stattfand. Dort waren wir zwar auch nicht die einzigen Besucher, auch andere schätzten die ländliche, weihnachtliche Idylle, doch das Gelände war großzügig und das Gedrängel hielt sich in Grenzen. Auf das Abspielen von Weihnachtsmusik hat man dort dankenswerterweise ganz verzichtet. Dafür standen zwischen verschneiten Hütten Feuerkörbe, an denen man sich zwischendurch mal die Hände wärmen konnte und es gab einen Spazierweg um den zugefrorenen Gutsteich, an dem überhaupt kein Budenzauber stattfand.
Mit dem aufgeregt an der Leine ziehenden Karlsson betraten wir das Gelände. Natürlich wollte er zuerst am liebsten überall gleichzeitig sein, um nur ja nichts zu verpassen. Doch die Aufregung legte sich, nachdem er merkte, dass hier zwar viel los war, aber im Grunde gar nichts passierte. Wir suchten uns immer mal wieder ruhige Orte am Rande des Trubels und ließen ihn einfach gucken und beobachten. Irgendwann entspannte sich der Hund und begleitete uns einigermaßen beruhigt auf unserem Rundgang. Mit seiner Ruhe war es erst vorbei, als wir einen Zwischenstopp am Bratwurststand einlegten. Dass von uns keine Wurstspende zu erwarten war, wusste er. Aber den neu hinzugekommene Gästen, die sich an unseren Stehtisch gesellten, lief er auf zwei Beinen entgegen und reckte die Nase hoch in die Duftfahne der frisch eingetroffenen Wurst. Das Paar war von Karlssons Vorstellung so beeindruckt, dass sich die Dame vielmals entschuldigte, weil sich nun ausgerechnet heute keine Hundeleckerli in der Tasche habe, sonst ja eigentlich immer, aber heute gerade nicht. So was Dummes! Und von der Wurst könne sie ja nichts abgeben, die sei ja sicher zu stark gewürzt für Hunde. Der Ansicht waren wir auch und Karlsson ergab sich tapfer in sein wurstloses Schicksal und wartete einfach artig, bis wir aufgegessen hatten.
Für einen kleinen, temperamentvollen Terrier wie Karlsson war der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt eine gute Übung im entspannten Umgang mit menschlichem Trubel. Aus demselben Grund gehe ich auch ab und zu mal mit ihm durch ein Einkaufszentrum oder über den Wochenmarkt. Man muss nur darauf achten, den Hund dabei nicht zu überfordern und immer wieder Pausen einzubauen, in denen der Hund (wie auch der Mensch) abschalten und das Gesehene und Erlebte verarbeiten kann. Stadthunde sind an belebte Orte gewöhnt, für ein kleines Landei wie Karlsson stellen sie eine echte Herausforderung dar. Dafür habe ich schon Stadthunde mit eingeklemmter Rute vor einer Kuh flüchten sehen. Das würde Karlsson natürlich nie passieren. Aber genauso wie kein Kind schwimmen lernt, wenn man es nicht ins Wasser lässt, lernt kein Hund den Umgang mit ungewohnten Situationen, wenn man ihn nie mitnimmt. Karlsson war am Ende unseres Weihnachtsmarktbesuches zwar müde, aber immerhin fühlte er sich in der ungewohnten Umgebung so sicher, dass er im Kuchenzelt unter unseren Stühlen eindöste. Dass die ältere Dame an unserem Tisch gerade ihren Bienenstich in mundgerechte Stücke zerteilte und von uns erst in letzter Minute daran gehindert werden konnte, den Kuchen an Karlsson zu verfüttern, bekam er schon gar nicht mehr mit. Wie gut! Sonst wäre es mit der adventlichen Besinnlichkeit bei Kaffee und Kuchen sicher ganz schnell vorbei gewesen.

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