Donnerstag, 13. Januar 2011

Karlsson als Sicherheitsbeauftragter

Ich hab alles im Blick!
Was soll ich sagen? Einer muss es ja tun. Lotta ist alt und gebrechlich, klar, braucht sie Schutz. Also kümmere ich mich um sie. Sie war ja schließlich auch nett zu mir, als ich hier ankam. Hat gleich das Haus, das Futter und die Menschen mit mir geteilt. So von Terrier zu Terrier, obwohl ich noch ein kleines Baby war und das war echt anständig von ihr. Mich jetzt ein bisschen erkenntlich zu zeigen, ist ja wohl das Mindeste, was ich tun kann. Und mein Frauchen Silke ist nett, aber völlig harmlos. Die streichelt sogar fremde Hunde, das muss man sich mal vorstellen. Was da alles passieren kann!


Um dem Schlimmsten vorzubeugen, mache ich schon morgens, wenn ich das erste Mal in den Garten gehe, eine klare Ansage: „Wau, wau, wau! An alle Hunde! Karlsson ist wieder da, ihr müsst mit mir rechnen! Und natürlich an alle Katzen! Verschwindet ihr Mistviecher und lasst euch bloß nicht von mir erwischen!“ Nicht, dass ich in der Nachbarschaft ernsthaft mit Komplikationen rechne, aber sicher ist sicher. Das kleine Havanesermädchen rechts von uns finde ich sogar ganz süß, aber ich zeig das natürlich nicht so. Die schwarze Emma links von uns macht sowieso, was ich ihr sage. Das haben wir schon öfter ausdiskutiert, das dürfte jetzt klar sein. Und der Labrador gegenüber ist ein bisschen schwer von Kapee. Typisch Labrador eben. Dem muss man jeden Morgen wieder sagen, wer hier der Oberbestimmer ist, scheint er über Nacht immer wieder zu vergessen. Aber ich hab’s im Griff.

Nur manchmal ist es wirklich nicht einfach, die Kontrolle zu behalten. Lotta ist schwach, das ist altersbedingt, das kann ich ja verstehen. Aber Silke bringt mich manchmal zur Verzweiflung, sie begreift die einfachsten Sicherheitsregeln nicht. Neulich zum Beispiel, wir waren gerade draußen am See zu dritt in das allerschönste Spiel vertieft, da rennt doch ein Schäferhund mitten in unser Spielfeld. Natürlich bin ich gleich auf den los und hab ihn angeblafft: „Verpi….äh, verschwinde, du Blindgänger, hier spielen wir! Unsere Wiese! Unsere Dummies!! Du hast hier nix zu suchen!“ Und was macht der Schäferhund? Setzt sich hin und fängt an zu heulen! „Ich habe meine Mammi verloren und weiß nicht mehr, wo ich wohne, buhuhu.“ Und was macht Silke? Statt mir zu helfen, den Typen zu vertreiben, geht sie gleich auf den Hund zu und sagt: „Ach du Armer, komm doch mal her.“ Und dann fasst sie ihn sogar an! Da kann ich doch keine Haftung dafür übernehmen, dass nichts passiert! Hab ich mich natürlich gleich dazwischen geworfen, da kenn ich nix. Wenn Gefahr im Verzug ist, muss man sofort handeln. Und statt mir das zu danken, leint sie mich an. Das muss man sich mal vorstellen. Da musste dann sogar Lotta in die Bresche springen und den fremden Typen ordentlich anknurren und ihm die Zähne zeigen. Dass Silke so was zulässt, spricht doch Bände. Hat einfach keinen Überblick. Einem alten Hund das zuzumuten, geht doch gar nicht. Dann wurde Lotta auch angeleint und Silke betüdelt den Schäferhund. Hab ich mich aufgeregt! Am Ende will sie diese Memme noch mit zu uns nach Hause nehmen. Was sollen wir denn mit dem Looser? Weiß noch nicht mal, wo er wohnt! Als ob ich nicht auch so schon alle Hände voll zu tun hätte mit meinem Rudel.

Na, glücklicherweise kam noch ein betagter Jack Russell mit seinem Menschen vorbei. Der Mensch natürlich auch gleich: „Was hat er denn, der Arme?“ und so weiter, denn der Schäferhund, dieses Weichei, heulte  immer noch. „ Schwächling, Waschlappen, Null!“ brüllte ich zu ihm herüber, während sich die Menschen darauf einigten, dass der neu dazugekommene Mann den Schäferhund mitnehmen sollte. Silke meinte, sie hätte sonst Probleme, die Ordnung in ihrem Rudel herzustellen. Na, die Frau hat Nerven! Die Probleme hab ja wohl ich! Trotzdem war ich erleichtert. Der alte Jack Russell blickte sorgenvoll in die Runde, aber er war einfach zu alt und schwach, um etwas gegen die Entwicklung der Dinge unternehmen zu können. „Tja, Pech gehabt, Kumpel“, flüsterte ich ihm mitleidig zu. Aber ich konnte nichts für ihn tun, außer zu hoffen, dass er zu Hause vielleicht eine Möglichkeit finden würde, den Schäferhund die Kellertreppe runter zu stoßen.

Ich war heilfroh, dass ich mein kleines Rudel retten konnte, trotzdem Silke sich wieder völlig außer Stande gezeigt hatte, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Bei Lotta hab ich auf jeden Fall einen weiteren Stein im Brett. Ohne mich hätte sie mit Sicherheit diese Tranfunzel von Schäferhund an der Backe gehabt. Konnte sie ja nun genau sehen, wie es ausgeht, wenn man als alter Jack Russell keinen Sicherheitsterrier an seiner Seite hat!

Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass Silke aus der ganzen Sache was gelernt hat. Ihr Leichtsinn macht mir Sorgen. Manchmal finde ich sie Umgang mit fremden Hunden geradezu fahrlässig. Wir werden bis auf weiteres auf mein Sicherheitskonzept angewiesen sein. Ich muss bei jedem entgegenkommenden Köter erst mal einen Bodycheck machen, bevor ich Frauchen vielleicht da ran lasse. Natürlich nur in geprüften Ausnahmefällen! Dass sie besser die Finger von fremden Hunden lassen sollte, geht ja anscheinend nicht ihrem Kopf.

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