Freitag, 7. Januar 2011

Winter


Vogelhaus gucken ist schöner als Fernsehen!
Der Winter ist eine tolle Jahreszeit für Hunde, besonders wenn es schneit. Lotta und Karlsson mögen Schnee. Sie springen darin herum, beißen hinein und wälzen sich darin. Lotta ist jetzt fast fünfzehn und springt seit zwei oder drei Jahren nicht mehr ganz so hoch und wälzt sich nicht mehr ganz so enthusiastisch, setzt sich aber immerhin noch freudig in Bewegung, wenn ein Spaziergang im Schnee bevor steht. Nachdem Karlsson in seinem ersten Winter der weißen Pracht etwas skeptisch gegenüber stand, pflügt er heute durch den Schnee wie ein kleiner Schneepflug. Dabei verwandelt er sich schnell in einen kleinen Eisbären, weil der Schnee in dicken Klumpen in seinem Fell hängen bleibt und dort festfriert. Lotta friert auch ohne Schneeklumpen im Fell sehr schnell und ihre altersmüden Gelenke protestieren ob der Kälte. Abhilfe soll ein Hundemantel schaffen.

Vor jedem Aufenthalt im Freien muss ich Lotta aufs Neue davon überzeugen, den Mantel anzuziehen, damit sie nach dem Spaziergang nicht lahmt. Karlsson wartet derweil ungeduldig, dass es endlich losgeht. Dafür muss der kleine Eisbär mitunter nach dem Spazierengehen in der Badewanne mit dem Fön abgetaut werden. Ich weiß nicht, wie ich die Eisklumpen sonst aus dem Fell bekommen soll, ohne dass er stundenlang das Haus voll tropft. Den Fön mag er nicht so gerne. Da verwandelt sich der Eisbär in der Wanne ganz schnell in einen begossenen Pudel und ist froh, wenn die Prozedur endlich vorbei ist.

Lottas Meinung zum Thema „Mantel für Hunde“ ist sehr differenziert. Wir haben eine ganze Sammlung unterschiedlicher Mäntel und wissen inzwischen, was sie gerne mag. Es gibt Modelle, die sie mit Fassung (er)trägt, in anderen bewegt sie sich keinen Millimeter. Sie steht da wie eingegipst. Einmal zwang ich sie mit so einem Mantel auf die Straße. Mir fiel eine Windhundebesitzerin ein, die zum Thema Mantel stets zu sagen pflegt: „Da habe ich keine zwei Meinungen, das Ding wird angezogen!“ Nach der Devise kamen wir wenigstens ein paar Schritte vor die Haustür. Prompt begegnete uns und eine Spaziergängerin, die die steifbeinige Lotta mitleidig anguckte. „Der arme Hund kann sich in dem Mantel ja gar nicht bewegen!! Was hat dein Frauchen denn da mit dir gemacht?“ rief die Frau mitleidig aus. Schnee hin, Minusgrade her – bevor hier noch der Tierschutz alarmiert wurde, zog ich Lotta den Mantel aus. Sie sprang sofort fröhlich in den Schnee, wälzte sich, steckte die Nase in die nächste Schneewehe und benahm sich wie ein junger Hund. Jedenfalls so lange ihre Retterin noch zufrieden zuguckte. Kaum war die Dame gegangen, kam mein Hund aus dem Schnee und blieb zitternd vor mir stehen. War eben doch ganz schön kalt.
In diesem Moment tauchte der nächste Spaziergänger auf, ein Herr aus der Nachbarschaft, der Lotta seit Jahren kennt. Er beugte sich zu dem zitternden Hund hinunter und sagte mit Seitenblick auf mich: „Lotta, du frierst ja. So eine böse Mutti! Hat sie dir heute gar keinen Mantel angezogen?“

Man erntet oft Kommentare, wenn man mit einem bemantelten Hund unterwegs ist. Das Spektrum reicht von entzückten Ausrufen (Oh, wie süß!) bis hin zu abfälligen Bemerkungen über übertriebene Tierliebe. In nahezu jedem Entgegenkommenden scheint sich ein Spezialist zum Thema „Mantel für Hunde“ zu verstecken. Das finde ich wirklich erstaunlich. Es hagelt Ratschläge von „Der muss nur richtig bewegt werden, dann friert der auch nicht“ bis „Wenn Sie den früher richtig gepflegt hätten, wär der heute auch nicht krank“ auf meinen Einwand, dass der Hund fünfzehn Jahr alt ist und an Arthrose beziehungsweise Spondylose leidet. Lotta ignoriert sämtliche Kommentare und trabt in ihrem kleinen Mäntelchen durch den norddeutschen Winter. Ich bewundere sie dabei für ihre Contenance. Mir entgleisen bei solchen Gelegenheiten schon öfter mal die Gesichtszüge.

Karlsson kann dem Winter -bis auf die lästige Abtauzeremonie in der Badewanne- eigentlich nur gute Seiten abgewinnen. Er mag Schnee und Eis und als besonderes Winter-Highlight empfindet er die Futterplätze für Wildvögel in unserem Garten. Er bohrt mit seiner Nase so lange unermüdlich Löcher in den Schnee, bis er jede einzelne runtergefallene Erd- und Haselnuss aufgespürt (und natürlich aufgefressen) hat. Damit kann er sich stundenlang beschäftigen. Ich glaube, dass ist sowieso sein Wintertrick: Er ist einfach immer so beschäftigt, dass er die Kälte gar nicht spürt. Deshalb ist frieren überhaupt kein Thema für ihn. Trotzdem hole ich ihn bald ins Haus. Erstens wird es sonst auch für ihn zu kalt und zweitens sollen die Vögel auch mal eine Chance am Vogelhaus bekommen. Dann sitzt Karlsson hinter der Scheibe und beobachtet fasziniert die Vogelschar, die sich nun um die Nüsse balgt. Er scheint mit dem Unterhaltungsprogramm, dass der Winter ihm bietet, rundum zufrieden zu sein.
 
Ich mach einfach Winterschlaf und wenn ich aufwache, ist hoffentlich schon wieder Frühling!
 

1 Kommentar:

  1. Du Tierquälerin! =;-)
    Unterhaltungen mit anderen Hundehaltern empfinde ich inzwischen meist als vertane Zeit und meide sie, da ich mich sonst nur aufrege!
    Nadine

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