Montag, 14. Februar 2011

Brettspiele mit Wurst


Nach drei Tagen Dauerregen steht Karlsson auf jeder Wiese bis zum Bauch im Wasser und hat langsam keinen Spaß mehr, zumal er von unten und oben gleichermaßen nass wird und nicht besonders gern nach seinem Dummy taucht. Der Regen hört einfach nicht auf. Überall schwimmende Landschaften! Lotta macht mir bei dem Wetter jeden Morgen aufs Neue klar, dass sie überhaupt nicht raus muss und sehr gut im Bett bleiben kann. In meinem natürlich. Sie meint, sie hätte damit kein Problem.

Und ich habe auch langsam keine Lust mehr auf einen weiteren Spaziergang, bei dem ich mich fühle, als stünde ich komplett bekleidet und mit zwei Hunden an der Leine unter der voll aufgedrehten Dusche. Der einzige Unterschied zur Badezimmerdusche ist, dass ich draußen zusätzlich bis zu den Knöcheln im Matsch stecke und nachher schmutziger bin als vorher. Von den Hunden ganz zu schweigen. Die sind von oben nass und von unten dreckig. Meine schlammverschmierten Gummistiefel kann ich wenigstens im Windfang ihrem Schicksal überlassen, aber die Hunde muss ich erst mal in der Badewanne waschen, bevor ich sie im Haus laufen lassen kann, ohne dass sie sichtbare Spuren hinterlassen. Danach muss ich dann nur noch nasse Jacken, Hosen und Hundehandtücher im Keller zum Trocknen aufhängen und das Bad und den Windfang putzen, wo die Hunde sich natürlich nach dem Spaziergang, aber vor dem Baden geschüttelt und die weißen Einbauschränke mit reichlich Dreckspritzern verziert haben. Und das alles zweimal täglich.

Deshalb lassen wir den Spaziergang heute mal ausfallen. Lotta ist erleichtert. Karlsson kaut missmutig an den Teppichfransen. Auf überschwemmte Wiesen hat er keine Lust, aber hier drinnen ist ihm langweilig. Also hole ich die Brettspiele aus dem Schrank. Die Hunde können zwar weder zählen noch würfeln, müssen sie aber auch gar nicht. Es gibt spezielle Brettspiele für Hunde, bei denen Geschicklichkeit und Intelligenz eingesetzt werden müssen, um an die versteckten Leckerbissen zu kommen.

Wir besitzen zwei Spiele, die wir schon sehr oft gespielt haben. Bei dem einen muss der Hund kleine Hütchen aus einer Holzplatte ziehen, um an die darunter versteckten Leckerli zu gelangen. Die Hütchen müssen angehoben werden, man kann sie nicht umstoßen oder wegstupsen. Das andere Spiel besteht aus vier Holzkästen, die auf unterschiedliche Weise geöffnet werden müssen. Entweder muss der Deckel hochgeklappt, weggeschoben oder angehoben werden. Karlsson und Lotta lieben die Spiele. Immer wieder. Ständige Wiederholungen machen ihnen absolut nichts aus. Wenn ich an einem regnerischen Nachmittag in der Küche stehe und Fleischwurst in kleine Würfel schneide, setzt Karlsson sich sofort erwartungsvoll vor die Schublade, in der die Brettspiele liegen. Für ein kleines Wurstspiel unterbricht sogar Lotta gern ihr Nickerchen. Damit es nicht zu Streit kommt, sind die Hunde abwechselnd an der Reihe, Hütchen anzuheben und Holzkistchen zu öffnen. Ist Karlsson gerade dran, muss Lotta warten. Das passt ihr gar nicht und sie heult erst leise und dann laut. Während Karlsson warten muss, grummelt er leise vor sich hin. Ich habe keine Ahnung, woher diese riesige Motivation kommt. Schließlich haben wir das alles schon tausend Mal gespielt. Fleischwursthäppchen ohne Brettspiel lösen nicht halb so viel Begeisterung aus. Ich hab’s ausprobiert. Meine Hunde scheinen Spielernaturen zu sein. Alle beide. Wahrscheinlich liegt es daran, dass man bei diesen Spielen nicht verlieren kann. Lotta und Karlsson finden die Fleischwurststückchen immer. Womöglich ist das ein ähnliches Gefühl, als wenn wir beim Roulette immer auf die richtige Zahl setzen würden? Nur, dass ich  in dem Fall nicht mit einem Fleichwursthäppchen abgespeist werden möchte.

Woran man mal wieder sehen kann, wie leicht man seinem Hund eine Freude machen kann. Man braucht dazu noch nicht einmal die Brettspiele aus dem Fachhandel. Drei alte Dosen aus der Küche tun’s auch. Einfach alle aufstellen, unter einer Dose das Fleischstück verstecken und dann –rien ne va plus!- den Hund herausfinden lassen, wo es liegt. Mit der Zeit kann man den Schwierigkeitsgrad auf fünf oder sieben Dosen steigern, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lustig sind auch Röhren (ein Stück Fallrohr oder eine Posterröhre), in denen man verpackte Leckerli versteckt, die der Hund an einer Schnur herausziehen muss und dann auspacken und auffessen darf. Während man in den hinteren Küchenschränken und im Keller nach Dingen sucht, aus denen man Hundespiele kreieren kann, Fleischwurst würfelt und sich neue Spielregeln ausdenkt , ist so ein Regentag auch ganz schnell vorbei. Nebenbei findet man in Küche und Keller Dinge, die man schon lange gesucht hat oder die man jetzt doch mal entsorgen sollte ( eine Packung Linsen mit Verfallsdatum von 2003 und die Zubehörteile von Küchenmaschinen, die sich schon längst nicht mehr in unserem Besitz befinden), so dass sich am Ende des Tages das Haus in einem tadellos aufgeräumten Zustand befindet und die Hunde satt und rundum zufrieden in ihren Kissen schnarchen. Da soll sich noch mal einer über das Wetter beschweren!


1 Kommentar:

  1. Total lustig wie Lotta über das erste Hütchen steigt, nachdem sie es bei Seite gelegt hat. Hat ein bißchen den Anschein als würde sie sich denken: Wieso hat das denn noch keiner weg geräumt?! :-)

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