Dienstag, 22. März 2011

Aus dem Gröbsten raus

Gäste? Kommen am besten gar nicht erst ins Haus!
Es gibt Momente, da denke ich, dass wir mit den Hunden aus dem Gröbsten raus sind. Neulich hatten wir wegen einer Geburtstagsfeier jede Menge Besuch im Haus und konnten uns tatsächlich fast ungestört unseren Gästen widmen, ohne dauernd darauf achten zu müssen, ob Lotta gerade einem Gast auf den Schoß springt, während Karlsson das als Ablenkungsmanöver nutzt, um mit der dazugehörigen Damenhandtasche im Maul abzuhauen. Ein völlig neues Gefühl der Leichtigkeit stellte sich ein. Lotta warf nur einmal einen Blick in unser vollbesetztes Wohnzimmer, um dann auf dem Absatz kehrt zu machen und sich in ihre Gemächer zurück zu ziehen. Na ja, eigentlich war es mein Bett, in das sie sich verzog, aber so feine Unterschiede macht Lotta ja schon lange nicht mehr.

Sie hält die freie Wahl ihres Ruheplatzes bekanntermaßen für ein Vorrecht des fortgeschrittenen Alters und ich erkenne darin bisweilen sogar einen Vorteil. Früher wurde jeder Gast enthusiastisch von ihr begrüßt, indem sie dem Betreffenden mit Anlauf auf den Schoß sprang, um das Gesicht des Besuchers besser mit feucht-nassen Hundeküssen bedecken zu können. Dabei war es ihr auch ziemlich egal, ob der Mensch gerade eine Kaffeetasse oder ein Sektglas in der Hand hielt oder wohin das Getränk bei ihren stürmischen Übergriffen schwappte. Komischerweise fühlten sich die derart überschwänglich Begrüßten eher geehrt als genervt, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir eigentlich immer sehr nette und hundefreundliche Besucher haben, die erst beim Abschied unauffällig versuchen, mit sorgenvoll gerunzelter Stirn die Hundehaare von den Kaffeeflecken in ihren Designerjeans zu wischen, dabei aber tapfer versichern, dass ihnen das alles gar nichts ausmacht. Wirklich absolut überdurchschnittlich nette Besucher, wenn man bedenkt, wie sehr Lotta haart.

Unter diesen Umständen wundert es doch nicht, wenn ich erleichtert bin, dass Lotta angesichts eines mit Besuchern rappelvoll besetzten Wohnzimmers nur mein Bett vollhaart. Wie angenehm entspannend.

Karlsson war die sehr hohe Anzahl von mehr oder weniger Fremden in unserem Heim eher etwas unheimlich. Er verfolgt -was Besuch im in seinem trauten Heim angeht- eine ganz andere Strategie als Lotta. Während die sich laut „Hurra“ schreiend ins Getümmel stürzte und froh war über die Abwechslung, wirft sich Karlsson einzelnen Eindringlingen (und für solche hält er generell erst mal jeden Besuch) todesmutig in den Weg, um sie ein bisschen pöbelig anzukläffen. Mal gucken, ob die sich nicht doch vertreiben lassen. Wenn nicht, kann man zu einem späteren Zeitpunkt unauffällig die Nase in die fremden Taschen stecken. Mal gucken, ob was Interessantes drin liegt. Womöglich auch noch essbar?

Aber ein knüppelvolles Wohnzimmer? Karlsson wollte es mit dieser Überzahl an Gästen gar nicht erst aufnehmen und hielt sich dezent im Hintergrund. Das machte schon mal einen guten Eindruck. Erst als ein Gast seinen Kuchenteller auf dem Fußboden abstellte, pirschte er sich vorsichtig heran. Er war dann sehr enttäuscht, weil er entdeckt wurde, bevor er den Kuchenrest erreicht hatte und der Teller rechtzeitig eine Etage höher befördert werden konnte. Daraufhin fand Karlsson Besuch erst recht blöd. Und das war gut für uns, denn was er doof findet, ignoriert er. Sprich: Er stört auch nicht. Erst, als er den einen oder anderen Gast dazu überreden konnte, ihm die Ohren zu kraulen, wurde er etwas versöhnlicher.

Alles in allem war es ein Tag ganz ohne Katastrophen. Und das lässt doch hoffen, dass aus Karlsson mittelfristig doch noch ein ganz manierlicher Hundejunge werden wird. Klar gibt es Hunde, die mit einem halben Jahr schon mehr Kommandos beherrschen, als er vermutlich je lernen wird. Aber was nützt das, wenn der Hund beim Anblick eines mit Geburtstagsgästen gut gefüllten Wohnzimmers auf der Stelle die Nerven verliert? Charakterstärke kann man nicht lernen, die muss eben reifen. Der Prozess scheint immerhin in Gang gekommen zu sein. Hat ja bei Lotta auch nur so zwölf bis fünfzehn Jahre gedauert, bis sie ihr inneres Gleichgewicht gefunden hatte. Und ein bisschen wild darf so ein Terrier lebenslang sein. Wenn Karlsson morgens nach seinem ersten Rundgang im Freien mit frischer Gartenerde an den Füßen die Treppe hoch stürmt und im vollen Galopp auf mein Bett springt, um mich wach zu küssen, möchte ich das gar nicht anders haben. Ich bin ja schließlich kein Gast in meinem Hause.

Besuch ist mir doch egal. ich schlaf einfach so lange, bis der wieder weg ist.

1 Kommentar:

  1. Ach, liebenswert sind sie doch - mit all ihren Eigenheiten! =:-)
    Ich frage mich auch oft, ob Jojo sich ihrer Größe bewusst ist, wenn ich sie mal wieder im letzten Moment daran hindere, einem Gast (bevorzugt werden von ihr Männer) auf den Schoß zu kriechen!

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