Montag, 11. April 2011

In Eile



Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung
Woher wissen meine Hunde eigentlich immer, wann ich es eilig habe? Und warum versuchen sie dann, mit allen Mitteln zu verhindern, dass ich rechtzeitig zu meinem Termin komme? Wenn ich um zehn Uhr das Haus verlassen muss, gehe ich um neun Uhr mit den Hunden an den See.  Eine Stunde Zeit, um sich zu lüften, ein paar Löcher zu graben, an Laternenpfählen zu schnuppern, den Inhalt aller Abfalleimer am Weg zu kontrollieren, alle Geschäfte zu erledigen und ein bisschen Spiel und Spaß auf unserer Lieblingswiese zu haben. Soweit der Plan.

Kaum aus der Haustür, verschwinden Karlsson und Lotta in unterschiedliche Richtungen. Lotta entscheidet sich dafür, einer in der Nachbarschaft als besonders zickig verschrienen Hündin die Nase in den Allerwertesten zu stecken und Karlsson liefert sich ein wildes Jagdspiel mit seinem Freund Hugo (um neun gehen eben ALLE mit ihren Hunden raus!), wobei sie sich mit doppelter Terriergeschwindigkeit von uns entfernen. Normalerweise alles kein Problem. Ich ermahne mich zur Ruhe, aber in mein gewohntes Rückrufsignal schleicht sich prompt so ein gestresster Unterton, bei dem Kinder und Hunde erfahrungsgemäß auf Durchzug schalten. Ich verliere wichtige Minuten, bis ich wieder Ordnung in mein kleines Rudel gebracht habe.

 Wir umrunden den See mit planmäßigem Halt an Papierkörben und Laternenpfählen und können die Verzögerung vom Anfang nahezu wieder gut machen, aber zu Hause angekommen, muss ich feststellen, dass beide Hunde völlig verschlammte Pfoten haben. Wie es dazu gekommen ist, bleibt rätselhaft. Meine Schuhe sind sauber. Karlsson und Lotta müssen zwischenzeitlich irgendwann vom Weg abgekommen sein. Wahrscheinlich während ich den Blick starr auf die Zeiger meiner Uhr statt auf meine Hunde geheftet habe. Ich putze ein bisschen halbherzig mit einem feuchten Lappen an acht tiefschwarzen Hundepfoten herum, muss aber schnell einsehen, dass die davon nicht wirklich sauber werden. Da hilft nur ein Fußbad.
Also schleppe ich zuerst Karlsson in die Badewanne und beginne, seine Pfoten abzubrausen. Mein Handy klingelt. Während ich in der Hosentasche nach dem Telefon angele, springt der halb gewaschene Karlsson aus der Wanne. Ein halb gewaschener Hund ist schlimmer ist als ein ganz schmutziger, weil er nicht nur dreckig, sondern auch nass ist. Mein halb schmutzig-nasser Karlsson läuft –eine Schlammspur nach sich ziehend- durchs Badezimmer und putzt sich die Pfoten an meiner neuen flauschig weißen Duschmatte ab, die ich mir erst nach längerem Zögern geleistet hatte, weil ich sie für einen Duschvorleger doch recht kostspielig finde. Mein Mann , der meine Vorliebe für weiße Teppiche, Badematten und Bettlaken bei gleichzeitiger Hundehaltung problematisch findet, meinte kürzlich, animal pads als Muster auf Textilien seien doch gerade sehr in Mode und warum ich nicht gleich Bettlaken mit dem Aufdruck von Tierpfoten kaufen würde, dann würden Karlssons Pfotenabdrücke gar nicht mehr so auffallen. Ich werde mich beim nächsten Einkauf von Heimtextilien danach erkundigen. Und außerdem darauf achten, dass an den Dingen eine Waschanleitung hängt. An meiner Duschmatte finde ich nur das Schild mit dem Namen der dänischen Designerin.
Während ich darüber nachdenke, ob sich die neue Badezimmermatte im Vollwaschgang bewähren wird, bugsiere ich Karlsson zurück in die Wanne, mache seine Pfoten sauber und reinige anschließend das Badezimmer. Fliesen mit animal pads wären auch nicht schlecht. Auf die Uhr gucke ich vorsichtshalber schon gar nicht mehr. Lottas Pfoten brauche ich nicht mehr zu putzen, das hat sie schon selbst erledigt. Leider auf meinem weißen Teppich, denn ich habe die Tür vom Windfang nicht richtig geschlossen, so dass sie, während ich mit Karlsson, meinem Telefon und der Badezimmermatte beschäftigt war, unbeobachtet ins Wohnzimmer gelangt ist und sich dort in aller Seelenruhe die Füße abgewischt hat. Wenigstens ist sie nicht nass. Also hole ich den Staubsauger, um die Erdspuren vom Teppich zu saugen. Nun muss ich nur noch Hundehaare und Schlammspritzer von meiner eigenen Kleidung bürsten und schon kann ich los. Der Blick auf die Uhr verheißt nichts Gutes und im Radio wird ein Stau angekündigt. Lotta ist die morgendliche Hektik mittlerweile auf den Magen geschlagen und als letzten Sabotageakt kotzt sie mir ihr Frühstück kurzerhand vor die Füße. Also noch mal schnell den Wischeimer geholt…
Ich bin dann doch noch pünktlich zu meinem Termin gekommen. Dafür wurde ich unterwegs aber einmal geblitzt. Falls die versaute Badezimmermatte den Schleudergang nicht übersteht, kann ich sie vielleicht noch als Entlastungsmaterial bei der Verkehrsbehörde einreichen. Vielleicht hilft es.

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