Mittwoch, 27. April 2011

Mit Hunden auf Reisen


In fremden Betten schläft es sich nochmal so gut

Lotta hält die freie Wahl ihres Schlaf- und Ruheplatzes für ein Privileg des Alters. Sie meint, den freien Zugang zu sämtlichen Sofas, Sesseln und Betten des Hauses hätte sie sich in den vergangenen fünfzehn Jahren redlich verdient. Und meistens drücken wir alle Augen zu, wenn sie sich mal wieder Zugang zum Schlafzimmer verschafft und sich in unsere Betten kuschelt. Wer mit den arthritischen Gelenken noch den Sprung aufs Bett schafft, verdient unserer Ansicht nach eher Anerkennung als Schimpfe, die Lotta im Übrigen sowieso nicht mehr hören kann. So lassen wir den Dingen ihren Lauf und saugen brav die Hundehaare vom Sofa und schütteln die Betten aus dem Fenster bevor wir unsere Sitz- und Liegeplätze einnehmen.

Zu Hause üben wir Nachsicht mit dem alten Hund und haben uns mit Lottas Eigenheiten arrangiert. Schwierig wird es auf Reisen. Unsere Hunde dürfen uns nach Möglichkeit gern begleiten und wir bemühen uns nach Kräften, aufmerksame und reizende Gäste zu sein, wenn man uns schon mit zwei Hunden im Gepäck aufnimmt. In der letzten Zeit mussten wir allerdings feststellen, dass Lotta keineswegs gewillt ist, sich den Gepflogenheiten der Gastgeber anzupassen und auch in fremden Wohnungen nicht auf ihre Privilegien verzichten will. In fremder Umgebung werden lieb gewonnene Gewohnheiten aber plötzlich lästig…
Während wir die neue Wohnung unserer Tochter besichtigen, fällt zunächst Karlsson aus der Rolle, der nach der langen Autofahrt erstmal einen Haufen auf den Zierrasen hinter der Terrasse setzt. Während wir noch mit der Beseitigung des Mahlheurs beschäftigt sind, rennt Karlsson ins Wohnzimmer und speit einen quittegelben Kleks auf die himmelblaue Auslegware. Erneuter Aufruhr. Wir bemühen uns, sowohl die Auslegware als auch unser Ansehen als aufmerksame und reizende Gäste wieder in Ordnung zu bringen. Das gelingt so leidlich.  Als endlich alle außer Karlsson wieder auf dem Sofa sitzen, vermissen wir Lotta. Nach kurzer Suche, denn eigentlich wissen wir ja schon, wo wir nachgucken müssen, finden wir sie im Bett wieder, wo sie es sich zu allem Überfluss nicht auf der Bettdecke unserer Tochter gemütlich gemacht hat, sondern auf der des Freundes, der Tieren im Bett eher ablehnend gegenüber steht, zumal solchen, die so viele Haare verlieren wie Lotta. Unsere Tochter wirft geistesgegenwärtig einen Pullover (leider gehört der auch ihrem Freund) über den Hund, so dass Lotta im Bett nicht weiter auffällt.  Lotta stört der Pullover gar nicht, sie wird nämlich gern zugedeckt. Wir tun einfach so, als hätten wir nichts gesehen und laden am Ende des Besuchs alle ins Restaurant ein, denn gutes Essen und ein Glas Wein stimmen versöhnlich.
Kurz darauf erhalten wir eine Geburtstagseinladung meiner Eltern und mir kommt die großartige Idee, die Hunde vorher an Hundeboxen zu gewöhnen. Darin, so denke ich mir, sind sie gut und sicher aufgehoben und können weder fremde Betten vollhaaren noch auf fremde Teppiche speien. Ich lasse Lotta und Karlsson zu Hause probeweise ein paar Nächte in den Boxen schlafen und beide scheinen sich durchaus wohl in ihren kleinen Häuschen zu fühlen. Bei meinen Eltern bauen wir die Boxen auf und verbringen eine ganz entspannte Zeit. Außer dass Karlsson den kleinen Zierbrunnen im Garten als seinen persönlichen Wasserspender ansieht, gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Und das fällt kaum auf, weil Karlssons Füße immer schon fast wieder trocken sind, wenn er zurück ins Wohnzimmer kommt. Als wir tagsüber das Haus verlassen, um den Geburtstag im Restaurant zu feiern, sperren wir Lotta und Karlsson ohne schlechtes Gewissen in ihre geräumigen Boxen. Stunden später kommen wir zurück und finden Karlsson friedlich schlummernd in seiner Box vor, aber wo ist Lotta? Sie schlummert auch friedlich, jedoch im Gästebett. Es ist ihr gelungen, den Reißverschluss, mit dem ihre Box verschlossen war, von innen zu öffnen und sich zu befreien. Mir fehlen die Worte.
Die Osterfeiertage verbringen wir in einem Hotel an der Ostsee. Meinem Wunsch, zwei kleine, wohlerzogene Hunde mitbringen zu dürfen, wird gern entsprochen. Bei dem Wort „wohlerzogen“ räumt uns die nette Dame, bei der wir die Reservierung tätigen, sogar einen Hunderabatt ein. Wir dürfen zwei Hunde mitbringen und müssen nur für einen bezahlen. Oha, denke ich, nun dürfen wir uns aber auf keinen Fall blamieren und packe sofort die Hundeboxen ins Auto.
Lotta und Karlsson begeben sich abends in ihre Boxen und wir gehen ins Bett, allerdings sichern wir vorm Schlafengehen den Reißverschluss an Lottas Box. Am nächsten Morgen gegen halb fünf beginnt Lotta sich zu beschweren, weil sie die Box nicht aufmachen kann. Das hat sie sich aber anders vorgestellt! Ihr Missfallen teilt sie uns lautstark mit. Sie fiept uns um den Schlaf. Gegen halb sechs Uhr morgens meint der Mann, es könne sich ja vielleicht doch um einen Notfall handeln und wirft sich ein paar Klamotten über den Schlafanzug, um mit den Hunden den kleinen Buchenwald hinter dem Hotel aufzusuchen. Dort umrundet er am Karfreitagmorgen die Kirche, die in dem Buchenhain steht und fühlt sich müde, mühselig und beladen. Den Hunden gefällt es dagegen morgens im Wald ganz gut und der Mann muss feststellen, dass er mit dem Notfall wohl doch falsch lag.
Der tritt erst am nächsten Morgen ein. Lotta unterhält uns auch in der nächsten Nacht mit ausdauerndem Fiepen, weil sie einfach nicht einsehen will, dass sie die Kiste nicht mehr auf bekommt. Als Karlsson im Morgengrauen in das Gejaule einstimmt, stopfen wir uns genervt die Kissen in die Ohren und merken zu spät, dass er Durchfall hat. Also wieder ab in den Buchenhain. Ich muss zugeben, dass ich trotz Hundefiepen noch einen ganz gesunden Schlaf habe, während der Mann dieses Ostern ausreichend Gelegenheiten hat, die Auferstehung mit anschließendem Ostermarsch rund um die Kirche zu proben, denn Lotta ist auch in der nächsten Nacht nicht bereit, sich mit den Gegebenheiten abzufinden und setzt weiter alles daran, gegen ihre Gefangenschaft in der Kiste zu protestieren.
Zu Hause will der Mann aus verständlichen Gründen nur noch eins, nämlich in Ruhe schlafen. Deshalb räumt er die Hundeboxen weit nach hinten in den Keller. Doch noch ist nichts entschieden. Nächsten Monat verreisen wir wieder.
Da soll ich rein?

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