Dienstag, 24. Mai 2011

Tage, an denen nichts klappt

Es gibt Tage, an denen wache ich schon mit Kopfweh und mieser Laune auf. Ich habe gehört, dass es Hunde gibt, die dann besonders reizend zu ihren Menschen sind. Sie bemühen sich, ihrem Menschen tröstlich und mitfühlend zur Seite zur stehen, bringen ein Taschentuch, wenn der Mensch weint oder spielen den Clown, um für gute Stimmung zu sorgen. Karlsson gehört nicht dazu. Wenn ich mich elend fühle, ist er meistens sogar besonders unausstehlich. Wahrscheinlich versucht er, meinen angeschlagenen Zustand auszunutzen, um die Rudelführung an sich zu reißen.

Heute ist so ein Tag. Ich würde morgens am liebsten im Bett bleiben und mir die Decke über den Kopf ziehen. Ich fröstele, fühle mich ungesund und mein Nacken schmerzt. Natürlich stehe ich trotzdem auf und gehe mit den Hunden los. Karlsson beginnt sofort mit seinem Umsturzversuch. Er zerrt wie verrückt an der Leine -dabei hatte ich ihm das gerade mühsam abgewöhnt- um mir mitzuteilen, dass es ihm heute völlig wurscht ist, dass ich am anderen Ende hänge. Wenn ich ihn zurück ziehe, kläfft er mich an und springt mit Anlauf gegen meine helle Sommerjacke, als ob ich nicht auch schon so gemerkt hätte, dass ihm die eingeschlagene Richtung nicht passt. Er benimmt sich ganz und gar unausstehlich. Entnervt breche ich den Spaziergang ab. Er guckt etwas irritiert, weil wir schon wieder heimwärts laufen, aber nach einer kleinen Schrecksekunde tut er zumindest so, als sei es ihm ganz egal. Halb zerrt Karlsson mich, halb ich ihn wieder nach Hause. Auf dem Heimweg versucht er noch ein paar Mal mit allen Kräften, mich in Nachbars Hecke zu werfen, weil er darunter nach Katzen sucht. Schließlich kommen wir alle wieder zu Hause an. Nur Lotta hatte Spaß an der kleinen Spazierrunde, sie beteiligt sich grundsätzlich nicht an unseren Machtkämpfen. Schlaues Mädel.
Für mich wird es jetzt Zeit loszufahren. Ich habe einen Termin im Nachbarort, zu dem ich nicht zu spät kommen will. Beim Verlassen unserer Wohnsiedlung, bemerke ich, dass der Weg auf die Hauptstraße unter Wasser steht und von Baufahrzeugen versperrt ist. Kein Durchkommen. Ich muss einen ellenlangen Umweg fahren. Im Nachbarort kenne ich mich nicht so gut aus will mich deshalb vom Navigationsgerät an mein Ziel bringen lassen. Aber der Bildschirm bleibt nach dem Einschalten schwarz. Ich schüttele das Gerät eine Weile, aber es ändert sich nichts. Also klaube ich mein bisschen Orientierungssinn zusammen und finde meine Zielstraße tatsächlich, jedoch ist die Einfahrt gesperrt – Baustelle! Kann doch nicht wahr sein. Ich finde schließlich eine gelb ausgeschilderte Umleitung und komme auf Umwegen an mein Ziel.
Anschließend in der Kassenschlange im Supermarkt fährt mir mein Hintermann seinen Einkaufswagen in die Hacken. „Aua!“, rufe ich aus und füge zugegebenermaßen etwas uncharmant hinzu: „Haben Sie keine Augen im Kopf?“ „Na, entschuldigen Sie vielmals“, murmelt mein Hintermann, „War ja nicht persönlich gemeint!“ Ich renne mit schmerzenden Hacken durch den mittlerweile einsetzenden strömenden Regen mit meinen Einkäufen zum Auto und fahre nass nach Hause.
Zu Hause stelle ich fest, dass ich die verflixte Glühbirne, die ich schon seit zwei Wochen besorgen will, wieder nicht gekauft habe und beschließe, mich mit einem Wärmekissen im Nacken auf die Couch zu legen. Ich gehe ins Wohnzimmer, wo es sich beide Hunde bereits auf dem Sofa bequem gemacht haben. Karlsson hebt nur gelangweilt den Kopf als ich näher komme und deutet mit einem Brummen an, dass er keine Lust hat, für mich zur Seite zu rücken.
Ich fege ihn vom Sofa, so dass er unsanft auf dem Teppich landet. „Nichts für ungut“, sage ich, „Aber das ist persönlich gemeint!“ Ich lasse mich auf die Couch fallen und schlafe sofort ein. Als ich wieder aufwache, scheint draußen die Abendsonne und Karlsson bohrt mir aufmunternd seine feuchte Nase ins Ohr. Lotta hat in der Zwischenzeit alle gebrauchten Papiertaschentücher, die sie im Papierkorb finden konnte, ans Sofa gebracht. Beide sitzen artig vor mir und schauen mich erwartungsvoll an. Ich raffe mich auf und wir gehen wie jeden Abend eine Runde durch den Park. Schlechte Tage haben auch was Gutes: Sie gehen vorbei.

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