Mittwoch, 13. Juli 2011

Morgens am See

Die perfekte Idylle - außer wenn zu viele Gassigänger auf einmal aufeinandertreffen!

Heute Morgen treffen wir am See einen jungen Labrador mit Herrchen, eine Riesenschnauzerin ebenfalls mit Herrchen und eine Mutter mit Kind im Kinderwagen nebst Chihuahua. Natürlich an der engsten Stelle, wo ausweichen praktisch unmöglich ist und alle irgendwie durch müssen. So scheppere ich, Lotta im Schlepptau und Karlsson voran, mitten in diese Versammlung hinein. Der Chihuahua kläfft bereits hysterisch, als wir ankommen.

Untermalt wird das schrille Gebell von den nicht weniger schrillen Rufen der Besitzerin. „Kira, Kira“, ruft sie immer wieder und meint damit offensichtlich den Hund, nicht das Kind, das friedlich im Buggy sitzt und an einem Brötchen kaut. Was sie mit den Rufen bezwecken will, bleibt vollkommen im Dunkeln. Karlsson macht sich sofort daran, den geifernden Chihuahua zu untersuchen. Er nähert sich für seine Verhältnisse recht vorsichtig, denn er weiß offensichtlich überhaupt nicht, was es mit diesem außer Kontrolle geratenen Fellknäuel auf sich hat, will sich aber dringend eine Meinung dazu bilden. Kaninchen oder Canide?
Die Riesenschnauzerin beschließt auf etwas ungestüme Art, mit Lotta Kontakt aufzunehmen. Lotta hat aber überhaupt kein Interesse mehr an jungen Wilden und versteckt sich hinter meinen Knien. Ich bin vollauf damit beschäftigt, die Riesenschnauzerin abzuwehren, Karlsson umkreist weiter den Chihuahua, die Mutter ruft immer noch „Kira, Kira“ und die beiden Herren Hundebesitzer verharren auf der Stelle und tun erstmal nichts. Das sieht der Labrador als einmalige Chance, dem Kind im Buggy das Brötchen aus der Hand zu klauen.

Die Mutter hört sofort auf, „Kira, Kira“ zu rufen und beginnt, dem Labradorbesitzer bittere Vorwürfe zu machen. Der ist mit der ganzen Situation sichtlich überfordert, verfällt in eine Art Schockstarre und sagt weiterhin gar nichts. Das Kind plärrt jetzt, die Mutter zetert, Kira bellt und Karlsson lässt im allgemeinen Aufruhr von dem Chihuahua ab, um sich darüber zu ärgern, dass der Labrador die grandiose Idee mit dem Brötchenklau zuerst hatte. Karlsson geht auf den Labrador los, um ihm mindestens eine Brötchenhälfte wieder abzunehmen. Ich kann dagegen nichts tun, weil ich immer noch die Riesenschnauzerin auf Armeslänge von Lotta weghalte. Das zur Riesenschnauzerin gehörende Herrchen bereichert die Situation endlich mit der Aufforderung an seinen Hund: „Lass mal, der kleine Hund hat doch Angst.“ Der kleine Hund hat aber gar keine Angst, sondern will nur seine Ruhe und so bringt uns das hier keinen Schritt weiter, denn die Riesenschnauzerin interessiert sich nicht die Bohne für die unmaßgebliche Meinung ihres Menschen und rückt uns weiter auf die Pelle.

Dafür lässt die Mutter überraschend von dem Labradorbesitzer ab und feuert nun Karlsson an, der immer noch damit beschäftigt ist, den Brötchenklauer zu vermöbeln. „Genau“, ruft sie, „Gib’s ihm! Böser Hund, der hat Anna-Louise das Frühstück weg genommen!“ Kira kläfft immer noch. Ich erinnere mich daran, dass mir eine Hundepfeife um den Hals baumelt und entscheide mich, einmal so fest ich kann, in die Seite mit dem Triller zu blasen. Alle erstarrten vor Schreck bis auf den Labradorbesitzer, der wieder zum Leben erwacht und schnellstens den Rückzug antritt, um weiteren mütterlichen Vorhaltungen zu entgehen. Sogar Kira hört sekundenlang auf zu kläffen. Ich nutze die Atempause, um die Flucht nach vorn anzutreten. Karlsson und der Labrador, die ihre Menschen in diametral entgegengesetzte Richtungen davon laufen sehen, lassen voneinander ab, um zu folgen. Nix wie weg hier!

Wer jetzt glaubt, ich hätte mir das alles ausgedacht, irrt! So was Verrücktes kann man nämlich gar nicht erfinden.
Kommt da etwa noch jemand?

1 Kommentar:

  1. Oje...ein Erlebnis der Sorte "überflüssig"...

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