Dienstag, 9. August 2011

Klein, aber Ida!

Ich bin klein und süß, ich darf das...
Vor kurzem kam Klein Ida in unsere Familie, ein spanischer Mini-Struwwel-Mix, den meine Tochter adoptiert hat. Dem wuscheligen Charme dieses dreieinhalb-Kilo-Hündchens ist sofort die ganze Familie erlegen – einschließlich Karlsson! Klein Ida, gerade einer spanischen Tierauffangstelle entronnen, per Schiff, Flugzeug und Auto in eine deutsche Pflegestelle  gelangt und dort von uns abgeholt, war anfangs noch etwas schüchtern, was man ihr nach dieser aufregenden Reise im zarten Alter von vier Monaten kaum verdenken kann. Karlssons stürmischen Versuchen, Kontakt mit ihr aufzunehmen, stand sie anfangs eher skeptisch gegenüber. Wer wird schon gern zur Begrüßung von der neuen Verwandtschaft einfach über den Haufen gerannt? Ida konnte ja nicht ahnen, dass dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein würde.

Karlsson merkte sehr schnell, dass er mit dieser eher grobmotorischen Spielaufforderung bei Ida nicht landen konnte und legte sich ihr dann buchstäblich zu Füssen. Er warf sich vor ihr auf den Rasen und ließ sich von Ida am Schwanz und an den Ohren ziehen und versuchte, nur ein bisschen zu jammern, wenn sie ihn an den Barthaaren ziepte. Bald jagten die beiden fröhlich durch Haus und Garten und Ida lernte von Karlsson, dass es in unserem Haushalt anscheinend von großer Wichtigkeit ist, laut kläffend in den Wintergarten zu rennen, wenn man draußen irgendwo eine Katze vermutet. Lotta brachte ihr bei, morgens zu mir ins Bett zu hüpfen und an meinem großen Zeh zu schlecken, damit ich aufwache und Lotta auf die Bettdecke helfen kann. In letzter Zeit hat sie es etwas im Kreuz und kann nicht mehr so gut selber springen.
Ida verlor schnell ihre anfängliche Schüchternheit und wickelte uns bald alle um die Kralle. Sie gewann zusehends an Selbstvertrauen und bald führte sie uns vor, wozu sie fähig ist. Als wir den See umrundeten, erregte eine kleine Schar schnatternder Enten in der Uferböschung die Aufmerksamkeit der Hunde. Ich gab einen Warnlaut von mir und Karlsson kam zu mir gelaufen, doch Ida hielt den Moment für gekommen, uns von ihrem Wagemut zu überzeugen, nahm Anlauf und sprang mit einem Bauchklatscher in den See, um die Verfolgung der inzwischen schwimmenden Enten aufzunehmen. Ich sah mich unter diesen Umständen veranlasst, Idas Verfolgung aufzunehmen. Gut, dass ich Gummistiefel an hatte. Ida ließ schließlich von den Enten, von denen jede übrigens ungefähr eineinhalb mal so groß war wie sie selber, ab und folgte uns triefend nass, aber mit vor Stolz geschwellter Brust.
Wieder zu Hause schaffte sie es sogar, Karlsson seine geliebte Kaustange abzuluchsen, indem sie sich so lange weinend vor ihn legte, bis er ihr den Kauartikel überließ. Sofort zog sie mit beiden Kaustangen ab, sie hatte natürlich auch eine eigene, und Karlsson lag unter dem Esstisch und brauchte einen Moment, bis ihm klar war, dass er soeben übers Ohr gehauen wurde. Als er bei Ida dann noch einmal zaghaft nachfragte, wie das denn nun mit den Kaustangen gemeint wäre, knurrte sie ihn drohend an und er merkte zum ersten Mal, wie trügerisch Frauenherzen sein können.
Am nächsten Tag beim Spaziergang zeigte Karlsson Ida alle Mauselöcher, die er kennt und Ida revanchierte sich, indem sie ihm die tote Maus zeigte, die sie im Gebüsch gefunden hatte. Während ich hinter den beiden her trottete, wurden mir zwei Dinge ganz klar. Erstens: Hunde lernen sehr gut voneinander. Aber nie das, was wir Menschen für nützlich halten. Zweitens: Bei so viel Eintracht unter den Hunden, wird man als Mensch schnell das dritte Rad am Wagen. Ich wollte doch mal testen, ob die beiden, die da so lustig vor mir her hopsten, überhaupt noch einen Gedanken an mich verschwendeten und schlüpfte schnell durch ein Loch in der Hecke am Wegesrand auf die benachbarte Wiese. Ich drehte mich unauffällig um und siehe da: Karlsson und Ida tollten hinter mir über das gemähte Gras. Aber wo war Lotta? Ich sah einen weißen Schatten auf der anderen Seite der Hecke flink davon laufen. Oh nein, sie hatte nichts von meinem Schlenker mitbekommen. So rannte ich sehr schnell auf der einen Seite der Hecke hinter Lotta auf der anderen Seite der Hecke her und konnte mich nicht mehr darum kümmern, wo Karlsson und Ida jetzt blieben. Ich musste Lotta einholen, bevor sie irgendwo verloren ging. Schließlich ist sie schon alt und auch oft etwas desorientiert. Ich lief und lief, Lotta konnte ich gar nicht mehr sehen. So drehte ich mich um, um wenigstens nach dem Rest der Mannschaft Ausschau zu halten. Da waren alle drei hinter mir! Sogar Lotta hatte es irgendwie geschafft, sich wieder hinten anzuschließen. Trotz ihres Alters steckt sie immer noch voller Überraschungen! So hüpften wir kreuz und quer über die Wiese, ich voran und mein kleines Rudel folgte mir voller Zuversicht, aber auch voller Erwartung. Eigentlich ein schöner, einträchtiger Moment, aber was sollte ich jetzt tun, um das in mich gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen? Bitte, bitte, lass mich wenigstens gleich eine tote Maus finden….
Deine Kaustange krieg ich auch noch...

Ich mag's am liebsten, wenn Karlsson mir zu Füssen liegt!

Im Bett mit Lotti

1 Kommentar:

  1. Zufällig haben wir euren Blog gefunden. Frauchen lacht gerade Tränen. Sie meint, wir wären hier genau richtig. Wir sind auch zwei Hunde, die von einander gelernt haben, was Frauchen nicht immer gefällt. Uns gefällt es hier prima. Wir haben uns als regelmäßige Leser eingetragen, damit wir nicht´s verpassen.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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