Dienstag, 15. November 2011

Und abends mit Licht

Es ist November. Es ist Nachmittag. Es ist neblig. Es ist dunkel. Die Hunde müssen mal raus. Karlsson, Ida und Lotta scharen sich im Windfang und ich beginne drei Hunden drei Leuchthalsbänder anzulegen. Moderne Leuchthalsbänder oder Anhänger können nicht nur leuchten, sie können auch blinken, sogar in unterschiedlichen Intervallen. Als ob das jemand bräuchte! Karlsson hat einen blauen Leuchtanhänger an seinem Halsband und wenn der blinkt, sieht es aus, als wäre der Hund mit Blaulicht unterwegs. Also drücke ich so lange auf allen Anhängern und Idas Halsband mit dem Leuchtstreifen herum bis sie dauerleuchten. Dann gehen wir los.

Draußen merke ich, dass ich auf Idas Halsband offenbar falsch gedrückt habe, denn es blinkt trotzdem. Das ist aber eigentlich nicht so schlimm, denn Ida trägt ihren Fellkragen über dem Halsband, so dass nur ein schwaches blaues Glimmen durch den Pelz dringt. Lotta leuchtet rot, Karlsson blau. Ida glimmt.

Von unserem Haus bis zum Park ist es nicht weit, ein Fußweg von höchstens hundert Metern. Doch die reichen aus, um einen schier unentwirrbaren Knoten in drei Hundeleinen zu zaubern. Bei drei Hunden (zwei davon an fünf-Meter-Leinen) ergibt sich automatisch so eine Art Makramee für Gassigänger: Einfach losgehen und die aufregendsten Flechtmuster entstehen wie von selbst. Am Parkeingang gebe ich auf. Ich löse die Leinen und widme mich der Entwirrung des entstandenen Knotenkunstwerkes. Das ist nicht so einfach, denn im Park ist es stockdunkel und ich versuche, den Verlauf der Leinen zu ertasten. Natürlich behalte ich dabei die Hunde im Auge. Rote Leuchte, blaue Leuchte, blaues Glimmen – alle da. Ha! Ich habe ein loses Ende gefunden, wenn ich das durch dieses Loch ziehe….ja, das sieht doch schon ganz gut aus. Ein Blick in die Runde: Blaue Leuchte, blaues Glimmen, aber wo ist Lottas rote Leuchte?  Du meine Güte, da ganz hinten, noch hinter dem großem Rhododendron. Das ist gar kein Fahrradrücklicht, das ist Lotta. Ich spurte los, um sie wieder auf den rechten Weg zurückzubringen. Mit Lotta im Schlepptau zurück zu den anderen beiden. Wo sind die denn nun geblieben? Dieser Nebel wird auch immer dicker. Ich sehe es weder blau leuchten noch glimmen. Wahrscheinlich haben sich die beiden in die Büsche geschlagen, um wichtige Geschäfte zu erledigen.
Ich denke darüber nach, ob man im Dunkeln von der Beseitigungspflicht für Hundehaufen befreit ist. Ich habe zwar die Taschen voller Plastikbeutel, aber wie soll ich denn die Haufen zum Beseitigen finden, wenn ich  nicht mal die Hunde leuchten sehe? Geschweige denn die Haufen...  Ein moralisches Dilemma tut sich auf. Ich tröste mich damit, dass die wenigsten Spaziergänger so weit abseits der Wege und noch dazu unter den Büschen unterwegs sein werden und überlasse das Problem der Witterung, dem Regen, den Nacktschnecken oder wer immer in der Natur sich dafür zuständig fühlt.
Es dringen immer noch keine zwei blauen Leuchten durch die Dunkelheit und den Nebel. Aber da ist doch was! Es glimmt nicht blau, sondern orange und auch in der falschen Höhe. Mir ist etwas unheimlich, als sich aus dem Nebel plötzlich eine Gestalt mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze materialisiert und zwar kaum auf Armeslänge von mir entfernt. Ich hab grad noch das Glimmen der Zigarette gesehen und sonst gar nicht gemerkt, dass ein Fremder so dicht neben mir ist. Als ich überlegen will, ob ich das nun bedrohlich finden soll, schießen in einer Wolke aus trockenem Laub zwei blaue Lichtlein an mir vorbei und laut bellend auf den Fremden zu. Der verschwindet ganz schnell und genauso lautlos wie er aufgetaucht ist. Na, siehe da: Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Oder auch zwei. Gut, dass ich von  so furchtlosen und unerschrockenen Terriern begleitet werde. Der Hund von Baskerville hätte es nicht besser machen können. Der Kapuzenmann hat sich bestimmt mindestens so erschrocken wie ich.
Vorsichtshalber befestige ich Karlsson und Ida wieder an unserem schönen Makrameekunstwerk. Um den Knoten zu entwirren, brauche ich Licht. Richtiges helles Licht. Und das gibt es nur zu Hause. Meine kleinen Wach- und Schutzterrier leuchten mir Heim. Lotta rot, Karlsson blau. Ida glimmt.

1 Kommentar:

  1. Hallo Silke,
    dieses Makrameekunstwerk schaffen Emma und Lotte schon ehe es richtig los geht. Während ich noch die Tür zuschließe, geht es vor lauter Ungeduld drunter und drüber. Manchmal bewundere ich andere Hundebesitzer, deren Hunde artig im Gleichschritt nebeneinander laufen. Das wird meine Rasselbande wohl nie schaffen. Im Dunkeln sind die beiden sehr wachsam. Es hätte kein Fremder eine Chance auch nur nach dem Weg zu fragen.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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