Dienstag, 27. Dezember 2011

Zwischenfall

Das Leben mit Hund ist immer für Überraschungen gut. Manchmal leider auch für unangenehme. Nicht immer verläuft das Zusammentreffen mit anderen Hunden und deren Besitzern harmonisch. Es kommt vor, dass sich die Hunde nicht leiden können und sich das gegenseitig mitteilen, was nicht selten zur Folge hat, dass auch die Hundebesitzer aneinander geraten. In der Regel sind aber auch in solchen Fällen die Wege breit und die Wiesen groß genug, dass man letzten Endes aneinander vorbei in verschiedene Richtungen gehen und sich seinen Teil denken kann, ohne dass es zum Einsatz von Kampfmitteln kommt.

Ausgerechnet zu Weihnachten musste meine Tochter, die mit Karlsson und ihrem Freund einen Spaziergang unternahm, andere Erfahrungen machen. Es gibt bei uns am Ortsausgang einen asphaltierten Feldweg, der äußerst beliebt für alle Arten der Freizeitgestaltung ist. Dort tummeln sich an schönen Tagen Jogger, Skater, Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen und kleinen Kindern und natürlich Gassigänger. Normalerweise geht man freundlich grüßend aneinander vorbei oder bleibt für einen kleinen Schnack stehen, während die Hunde auf einer angrenzenden Wiese miteinander toben. Da in unserem kleinen Ort ohnehin nahezu jeder jeden kennt (wenigstens vom Sehen), herrscht im Allgemeinen eine freundliche, familiäre Atmosphäre und gegenseitige Rücksichtnahme ist selbstverständlich.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag während des Spaziergangs spielte Karlsson gerade noch mit einem kleinen Jack-Russell-Welpen, der aber schließlich seinen Menschen folgen musste. Da entdeckte Karlsson einen entgegenkommenden Collie. Dass dieser angeleint war, interessierte Karlsson eher weniger und er steuerte auf seinen nächsten potenziellen Spielgefährten zu.
Anschließend müssen sich die Ereignisse überschlagen haben, wie ich später den höchst erregten Schilderungen meiner Tochter und ihres Freundes entnehmen konnte. Da der andere Hund angeleint war, wurde Karlsson von meiner Tochter zurück gerufen. Ihre Rufe gingen aber anscheinend schon im Gezeter der Colliebesitzerin unter, die sich lauthals über unangeleinte Hunde beschwerte. (Leinenpflicht besteht dort meines Wissens nach nicht.) Passiert war bis dahin eigentlich noch gar nichts, außer dass Karlsson ein Stück auf den fremden Hund zugegangen war. Hätte er das mal besser gelassen, denn er konnte nicht mehr rechtzeitig den Rückweg antreten, da hatte die fremde Colliebesitzerin schon eine Spraydose aus der Tasche gezogen und sprühte deren Inhalt großzügig auf Karlsson, leider auch in Augen und Nase. Der arme Hund war nun vollends verwirrt. Eingesprüht mit ätzendem Zeug und lautes Geschrei ringsum! Meine Tochter fing Karlsson erst einmal ein. Leider geriet sie dabei noch einmal in Reichweite der Colliebesitzerin und machte dabei ebenfalls mit dem Inhalt der Spraydose Bekanntschaft. Was immer in der Dose war, roch durchdringend nach Zitrone und brannte höllisch in den Augen. Meine Tochter war sehr froh darüber, dass sie Brillenträgerin ist! Anschließend tat sie meiner Ansicht nach das einzig Richtige: Sie brachte sich und Karlsson in Sicherheit, indem sie auf schnellstem Wege nach Hause kam.

Karlsson haben wir dann erstmal gründlich gebadet, bis der letzte Rest von dem ätzenden Zitronenzeug im Abfluss verschwunden war und anschließend bekam er einen großen Kauknochen, den er an einem sicheren Platz (unter unserem Esstisch) weggeknabbert hat. Anscheinend hat er die Attacke relativ gut verkraftet. Wir konnten bislang weder körperliche noch seelische Spätfolgen feststellen. Allerdings haben wir seitdem die Colliebesitzerin noch nicht wieder getroffen. Könnte gut sein, dass ich sie dann in die Wade beiße, wenn Karlsson mich nicht schnell genug anleint.

Hattet Ihr schon einmal Begegnungen mit „Hundeabwehrspray“? Wie habt ihr Euch verhalten?

Kommentare:

  1. Ähh, wir sind erst mal sprachlos. Sowas ist uns noch nicht passiert. Armer Karlsson. Bestimmt hat auch deine Tochter einen Riesenschreck bekommen. Ich glaub ja fast mit so einer Furie kann man nicht reden.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  2. Wie hilflos muss diese Frau sein, dass sie zu solchen Mitteln greift? Und was für eine Hundeliebhaberin ist diese Frau? Es ist wirklich unglaublich, was für Menschen rumlaufen...und dann auch noch mit Hunden!!!
    Ist uns zum Glück noch nicht passiert, so etwas! Armer Karlsson!

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