Freitag, 6. Januar 2012

Die Entdeckung der Gemütlichkeit

Regen und Sturm. Sturm und Regen. Jeden Morgen beim Blick aus dem Fenster begrüßen uns neue Schauer. Ein Sturmtief nach dem anderen braust über uns hinweg. Karlsson und ich stehen in der geöffneten Haustür und gucken uns an, wie der Wind Hagel und Graupel an uns vorbei fliegen lässt. „Wollen wir wirklich da raus?“, frage ich. „Na sicher“, sagt mein stets unerschrockener Terrier, „Komm schon!“

Wir wagen einen Ausflug in den Park auf der anderen Straßenseite. Der Wind heult unheimlich in den Baumkronen. Als direkt neben uns armdicke Äste auf die Erde knüppeln, treten wir den Rückzug an. Die wollen wir doch lieber nicht auf den Kopf kriegen.

Zuhause biete ich Karlsson an, statt des ausgefallenen Spaziergangs an seiner Karriere als Haushaltsterrier weiter zu arbeiten. Er guckt skeptisch. Ich habe ihm bereits beigebracht, eine Schublade zu öffnen. (Er hat mir beigebracht, dass er die Schublade nur öffnet, wenn etwas Lohnendes drin liegt.) Jetzt zeige ich ihm, wie man die Schublade wieder schließt. „Es ist ganz einfach“, doziere ich, „du musst nur mit der Schnauze oder der Pfote einmal dagegen stupsen.“ Karlsson guckt immer noch skeptisch. Ich mache es vor. Karlsson legt sich vor der Schublade in Positur. Er starrt sie lange an. Vermutlich versucht er, die Lade kraft seiner Gedanken zu schließen. Das klappt nicht. Dann knurrt er die Schublade an. Auch das hat nicht den gewünschten Effekt. Dann knurrt er mich an. Ich verstehe. Die Weiterbildung zum Servicehund ist für heute beendet.

Da Karlsson eindeutig die Spiele im Freien vorzieht, machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zu unserer Lieblingswiese. Es wird eine Wanderung durch knöchelhohen Matsch und knietiefe Pfützen. An mir gemessen. Karlsson versinkt bis zum Bauch und weiter. Trotzdem arbeiten wir uns bis zur Wiese vor. Dort müssen wir feststellen, dass dort, wo einst eine Wiese war, heute ein See ruht. Alles ist überschwemmt. „Wie wär’s mit ein wenig Wasserarbeit?“ frage ich. „Manno, ich bin doch kein Seehund!“, murrt Karlsson.
Auf dem Grunde dieses Sees liegt unsere Lieblingswiese

Ein Stück hinter unserem Haus liegt ein kleiner See. Den wollen wir nun umrunden. Aber schon von weitem sehe ich rot-weiße Barken, die den Weg zum See versperren. Das städtische Bauamt warnt vor der Benutzung des Wanderwegs, der ohnehin nur noch eingeschränkt vorhanden sei. Betreten auf eigene Gefahr! Wir geben auf und gehen heim. Wenn sich die Natur gegen einen verschworen hat, kann man nichts machen.

 Vom Regen durchnässt und vom Sturm zerzaust kommen wir zu Hause an. Ach wie schön sind doch ein warmer Ofen und ein weiches Sofa! „Hätt‘ ich euch gleich sagen können“, meint Lotta, die sich bereits vor Stunden in die Sofaecke gekuschelt hat. Ich tue es ihr gleich und lasse mich in die Kissen sinken. Karlsson guckt eine Weile nachdenklich auf unser Sofaidyll, dann hüpft er zu mir unter die Decke und rollt sich zufrieden seufzend auf meinem Bauch zusammen. Ausnahmsweise ist er mal ganz meiner Meinung, dass man bei dieser Großwetterlage die Zeit am besten damit verbringt, gemütlich zusammen gekuschelt auf den Frühling zu warten. Einmal muss die Sonne doch wieder scheinen….

Bei dem Wetter geh ich höchstens vom Bett aufs Sofa, aber sonst nirgend wohin!

Die Sache mit dem Sofa ist gar nicht so schlecht, hier liegt man wenigstens trocken!

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