Dienstag, 28. Februar 2012

Fette Beute!

Am Ende einer Reise sind wir immer ein bisschen traurig, weil der Urlaub so schnell vergangen ist, freuen uns aber doch auch auf Zuhause. Unsere Hunde, die uns auf unserer letzten Reise nicht begleitet haben, sind dagegen kein bisschen traurig, dass unser Urlaub vorbei ist und sind außer sich vor Freude, wenn sie endlich wieder in ihren heimischen Körbchen liegen. Dabei müssen sie natürlich keineswegs in fragwürdigen Hundepensionen vor sich hin darben, während wir es uns gut gehen lassen. Natürlich haben Karlsson und Lotta die netteste und liebevollste Urlaubsbetreuung bei den hinreißendsten und hundeliebsten Menschen, die ich kenne. Nur nicht gemeinsam. Karlsson und Lotta sind diesmal getrennt untergebracht.

Lotta nimmt das sehr schwer. Sie macht ihrer Umwelt unmissverständlich klar, dass sie kein Einzelhund sein möchte. Ohne ihren persönlichen Unterhalter, Begleiter und Bewacher Karlsson möchte sie eigentlich gar nichts mehr. Nicht laufen, nicht essen und nicht schlafen. Ihr Strohwitwendasein schlägt ihr schwer auf den Magen und zum Leidwesen ihrer Urlaubsbetreuerinnen (meiner Töchter) speit sie alles, was sie vorher nicht fressen wollte, hinterher wieder aus. Es sind leidvolle Tage für alle Beteiligten. Auch die Verabreichung diverser Magenmittel bringt nicht wirklich die erwünschte Besserung. Nur Ida, der kleine Hund meiner Tochter, wird von Lotta gelegentlich als Ersatz-Security akzeptiert und sorgt für Linderung.

Karlsson hingegen erscheint uns frisch und munter, als wir ihn aus seinem vorübergehenden Exil abholen. Zuhause angekommen, verfällt er aber umgehend in Depressionen, als er fest stellt, dass Lotta nicht da ist. Er muss noch einen langen Tag lang warten, bis auch Lotta nach Hause kommt. Karlsson und Lotta genießen es sichtlich, wieder zusammen zu sein. Sie wälzen sich ausgiebig auf allen Liegeplätzen, besonders auf denen, die eigentlich verboten sind. Lotta liegt stundenlang in unserem Bett und Karlsson schmuddelt hingebungsvoll den weißen Duschvorleger ein. Lottas Magenprobleme lösen sich umgehend in Luft auf und beide machen einen ungeheuer erleichterten Eindruck, dass jetzt alles wieder ist wie vorher. Sie springen munter durch den Park und freuen sich sichtlich ihrer Zweisamkeit.

Als sich beide wieder häuslich eingerichtet haben und die erste Wiedersehensfreude verflogen ist, bemerke ich, dass sie sich mir gegenüber deutlich reserviert verhalten. Sie streifen mich mit vorwurfsvollen Blicken und fragen, wozu diese ganze Aufregung und Unordnung in ihrem Leben denn nun bloß gut gewesen sein soll.  Meine langatmigen Ausführungen über Flugreisen und Quarantänebestimmungen fremder Urlaubsländer quittieren sie mit müden Blicken, in denen ich einen Hauch von Verachtung spüre. In bin ein bisschen ratlos.

Die Situation bessert sich erst, als ich unsere Koffer auspacke und das Rentierfell, das wir aus dem hohen Norden mitgebracht haben, im Wohnzimmer ausbreite. Verstohlen schleichen beide Hunde um das Fell herum und schnuppern ausgiebig an allen Ecken. Dabei werfen sie sich gegenseitig wissende Blicke zu. Nachdem sie das Fell mehrmals gemeinsam und auch einzeln ausgiebig untersucht haben, gucken sie mich bewundernd an: Fette Beute! So war das also! Ihre Menschen haben einen Jagdausflug gemacht. Und waren dabei offenbar auch noch erfolgreich. Dafür haben Karlsson und Lotta volles Verständnis. Beide hören umgehend auf, mich mit Nichtachtung zu strafen, krabbeln morgens wieder zu mir ins Bett und lassen sich die Öhrchen kraulen. Da habe ich gerade nochmal Glück gehabt! Ich gucke unauffällig nach, ob ich auch bestimmt das Preisschild aus dem Souvenirshop vom Fell entfernt habe. Es gibt Irrtümer, die bleiben besser unaufgeklärt.
Schön ist es da, wo Zuhause ist.

Kommentare:

  1. Noch zum Thema, was Hunde so alles wissen:
    Ein Mann in New York ist total abgebrannt, möchte aber in einer Bar einen Drink abstauben. Er bietet dem Barkeeper an: „Mein Hund kann sprechen, stellen Sie ihm eine Frage, und wenn die Antwort zufriedenstellend ist, bekomme ich einen Drink.“ „Ok, was ist oben auf einem Dach?“ „Roof.“ „Nein, das reicht mir nicht. Wie fühlt sich Haut nach schwerer Arbeit an?“ „Rough.“ „So wird das nichts mit dem Drink. Der Hund kann ja gar nicht sprechen. Eine Chance noch, berühmter Komponist des 20. Jahrhunderts?” „Orff.“ Mann und Hund fliegen raus. Im Gehen fragt der Hund sein Herrchen: „Hätte ich besser ‚Igor Fjodorowitsch Strawinski’ sagen sollen?“
    Aktuelle Ergänzung:
    „Dümmster und ungeschicktester deutscher Politiker?“ „Wulff.“ Mann und Hund fliegen raus. Im Gehen fragt der Hund sein Herrchen: „Hätte ich besser ‚ Dr. Silvana Koch-Mehrin’ sagen sollen?“

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  2. Bestimmt war es für die beiden nicht einfach getrennte Urlaubsbetreuungen zu haben. Von den Zweibeinern getrennt zu sein ist ja schon schlimm und dann noch vom besten Kumpel. Habt ihr in Ruhe Urlaub machen können?;-) Zum Glück konntet ihr euch ja mit der fetten Beute wieder Respekt verschaffen.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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