Montag, 23. April 2012

Frühlinter

Eigentlich ist es nichts Besonderes. Schließlich passiert es jedes Jahr wieder. Und doch: Wenn erste wärmende Sonnenstrahlen auf vorwitzige grüne Blattspitzen treffen und sich erste Blüten von Krokus, Vergissmeinnicht und Forsythien ans Licht wagen, ist es immer wieder wie ein kleines Wunder. Nachdem wir monatelang durch eine traurig trübe Landschaft mit einem grauen Himmel darüber spaziert sind, sind die ersten Frühlingstage wie ein kleines Fest.

Ich beginne jeden Hundespaziergang mit freudiger Erwartung. Gespannt gucke ich nach, ob schon die Sternanemonen am See aufgeblüht sind und die ersten gelben Blütentupfen in der Wiese bestaune ich wie seltene Orchideen. Auch die Hunde springen gut gelaunt neben mir her. Die Blümchen sind ihnen zwar egal, aber meine frühlingshaft aufgeheiterte Laune färbt auf sie ab. Eine Reihe von sonnigen Tagen lässt uns aufleben. Ich motte meine Winterjacke ein und lasse die Mütze zu Hause. Lotta wird bei den milden Temperaturen merklich reger und Karlsson wagt gar ein erstes Fußbad im See. Ich setze mich auf eine Bank und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Eigentlich ein idealer Moment, um direkt von der Winterdepression in  die Frühjahrsmüdigkeit hinüber zu gleiten…
Karlsson wagt schon mal ein kleines Bad im See

Gelbe Blütentupfen am Ufer

Aber nur Füße baden, für den Rest ist es doch noch zu kalt!
Plötzlich frischt der Wind auf und dicke dunkle Wolken verdecken den eben noch so blauen Himmel. Eine kalte Brise weht um meinen mützenfreien Kopf und vertreibt die angenehm entspannte Müdigkeit. Ich wickle mich fester in meine dünne Frühjahrsjacke und schon klatschen mir ein paar Schneeflocken ins Gesicht. Lotta schaut mich beleidigt an. Sie glaubt offenbar, ich wäre für dieses Wetter verantwortlich, genauso wie ich für alle anderen Dinge in ihrem Leben schließlich auch verantwortlich bin. Sie hält diese Wetterkapriole nur für eine neue Schikane, die ich mir ausgedacht habe. Meine Unschuldsbeteuerungen verhallen ungehört. Missgelaunt macht sie sich auf den Heimweg. Ich trabe frierend hinterher. Nur Karlsson zeigt sich vom Wetterumschwung einigermaßen unbeeindruckt und wundert sich höchstens, warum wir so schnell nach Hause wollen. Er war am Seeufer gerade damit beschäftigt, sich mit Matsch zu panieren und hätte damit gerne noch ein bisschen weiter gemacht.
Es folgen Tage, an denen mir ohne Mütze die Ohren abfrieren und mir in den drei Pullovern, die ich unter meiner dünnen Jacke trage, der Schweiß ausbricht. Wie man es macht, ist es falsch. Wir gehen bei strahlendem Sonnenschein los und stehen draußen im strömenden Regen. Natürlich ohne Gummistiefel. Lotta guckt mich strafend an und weigert sich, bei dem Sauwetter draußen zu pinkeln. Sie verlangt, dass ihre Runde durch den Park gefälligst während der sonnigen Wetterphasen statt zu finden hat. Karlsson verlangt, dass überhaupt was stattfindet und nicht jeder Spaziergang hektisch bei einsetzendem Regen, Hagel, Graupel oder Schnee zitternd abgebrochen wird. Ist doch schließlich nicht seine Schuld, dass ich meine Winterjacke schon gereinigt in den Schrank gehängt habe und sie nun nicht wieder rausholen will.
Lotta mag es warm und trocken.
Ich besorge massenweise kleine Verkehrshütchen und baue aus den Leitkegeln lange Parcours durch unseren Garten, der sich schrittweise in einen Hundespielplatz verwandelt. Dort beschäftige ich Karlsson. Bei drohenden Schauern können wir schnell ins Haus flüchten. Wenn die Sonne wieder hinter den Wolken hervor kommt, gehen wir unverzüglich mit Lotta in den Park. Bei lang anhaltendem Regen fällt es mir schwer, Termine pünktlich wahrzunehmen. Ich muss erst warten, bis kurz die Sonne scheint, damit meine Hunde-Oma ihre Runde drehen kann, bevor ich losfahre. Ich hoffe einfach, dass alle, die in der letzten Zeit auf mich warten mussten, dafür Verständnis entwickeln.
Als ich mich beim nächsten Graupelschauer unter dem Schleppdach unserer Gartenhütte flüchte und mich auf der Suche nach einer trockenen Stelle dicht an unser Brennholz lehne, während Karlsson unverdrossen um die Pylonen kurvt, frage ich mich, was das jetzt ist: Frühling? Winter? Frühlinter? Und welche Länder bieten ganzjährig angenehme Temperaturen und garantieren ausschließlich nächtliche Regenfälle und wie sind dort die Einreisebestimmungen für Hunde???
Dieser Hundespielplatz in unserem Garten hat den Vorteil....

....dass wir bei Regen ganz schnell ins Trockene kommen!

1 Kommentar:

  1. Hallo Silke,
    auch bei uns ist dieses unbeständige Wetter. Eben richtiges Aprilwetter. Lotte mag bei nasskaltem Wetter nicht raus und Emma ist dagegen nicht zu bremsen. Hoffen wir das aus dem Frühlinter endlich ein richtiger Frühling wird. Deine Bilder sind sehr schön.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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