Freitag, 8. Juni 2012

Bellende Hunde


Karlsson ist kein Kläffer. Wenn ihm etwas nicht passt, ist er aber durchaus in der Lage, seine Meinung zu sagen. Er bellt dann schrecklich viel, schrecklich lang und schrecklich laut. Das kann ganz schön nerv tötend sein, denn meistens sagt er seine Meinung öffentlich. Zu Hause haben wir für fast alle Lebenslagen Kompromisse gefunden, bei denen wir beide das Gesicht nicht verlieren, so dass er sich nur sehr selten beschwert. In der Hundeschule sieht das aber ganz anders aus.

Ein Grund zur Beschwerde ist sich nach Karlssons Ansicht schon allein die Tatsache, dass er nicht dauernd dran ist. Neulich saßen wir auf alten Autoreifen auf der Wiese im Kreis und beschäftigten uns mit einem ruhigen, kleinen, konzentrierten Apportierspiel. Nun sind ruhige, kleine, konzentrierte Apportierspiele ohnehin schon nicht Karlssons Spezialität, und als im rückwärtigen Teil des Geländes andere Hunde mit Treibbällen oder Hetzangeln beschäftigt wurden, hatte er gar keine Lust mehr auf unseren Stuhlkreis. Laut bellte er mir seinen Protest direkt ins Ohr. Da ich auf einem Autoreifen hockte, hatte ich mein Ohr leider genau in der richtigen Höhe…

Es ist in solchen Momenten nicht möglich, Karlsson ruhig zu stellen. Zumindest kenne ich keine Möglichkeit und ich habe wirklich schon viel probiert. So blieb ich mit dröhnendem Kopf und einem laut protestierenden Terrier auf meinem Reifen hocken bis zum Schluss. Auch die anderen Mitspieler hielten tapfer durch, was ich ihnen hoch anrechne. Wer geht schon gern mit einem Hörschaden nach Hause? Am Ende zog ich ziemlich deprimiert mit einem immer noch laut grölenden Hundebengel vom Platz.  

Zu Hause fiel mir an diesem Nachmittag zufällig mal wieder das wunderbare Buch „Der wahre Jack Russell“ von Eddie Chapman in die Hände. (Eddie Chapman hat sein Leben dem Jack-Russell-Terrier gewidmet und betreibt in Dorset den Foxwarren Kennel. In Lottas Adern fließt Foxwarren Blut.) Ich blätterte durch das Buch und blieb tatsächlich an einer Stelle hängen, in der Mister Chapman von einem Hund berichtet, der wahrscheinlich der beste Arbeitsterrier in seinem Zwinger war, aber ein fürchterlicher Kläffer. Er kläffte oft so viel, dass er ganz heiser wurde. Der einzige Ort, an dem dieser Hund still war, war das Auto. Immer wenn er heiser war, wurde er deshalb für eine Weile ins Auto gesetzt, damit seine Stimme sich erholen konnte. Eines Tages hatte der Hund so viel gekläfft, dass seine Stimme komplett versagte. Mister Chapman nahm ihn mit in den Urlaub und zehn Tage lang fuhren die beiden im Auto durch den Lake District. Als sie wieder zu Hause waren, so berichtet Mister Chapman, „ klang seine Stimme wie der Donner! Es machte Freude ihm zu zuhören.“

Es ist eben alles Ansichtssache. Wenn Karlsson das nächste Mal einen Bell-Anfall bekommt, werde ich mich wie ein wahrer Terriermensch benehmen, ihm einfach voller Freude zuhören und mich an seiner kräftigen Stimme freuen. Ich habe ja auch allen Grund, stolz zu sein. Schließlich war er noch nicht ein einziges Mal heiser.


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