Montag, 2. Juli 2012

Abschied von Lotta

Am vergangenen Donnerstag musste ich unsere kleine Lotta einschläfern lassen. Sie litt unter Nierenversagen. Zum Schluss konnte sie fast gar nichts mehr essen. Ihr Blick wurde immer trüber und ihr Körper immer dünner. Die Lebenslust schwand aus ihren Augen und von Lebensqualität konnte man unter diesen Umständen gar nicht mehr sprechen. Es war eine herzzerreißende Entscheidung, aber schließlich musste ich unsere Tierärztin ins Haus bestellen, damit sie Lotta helfen konnte, in Würde zu sterben. Ich hielt Lotta in meinen Armen, bis ihr kleines Löwenherz aufhörte zu schlagen.

Karlsson und Ida blieben neben Lotta liegen, bis der Bestatter kam, um sie abzuholen. Auch für die beiden war es ein sehr bewegender und vor allem sehr trauriger Moment. Auch sie vermissen Lotta. Mir fehlt sie ganz schrecklich. Morgens kommt nun keine Lotta in die Küche getapst und verlangt ihre Tabletten in Leberwurst, auf meiner Bettdecke liegt niemand, wenn ich früh meinen ersten Kaffee im Bett trinke und im Park geht kein weißer Hund wie ein kleiner Schatten mit Tippelschritten hinter uns her. Und wenn ich Staub sauge, liegt noch nicht einmal eine halbe Stunde später das Haus wieder voller weißer Hundehaare.  
Lotta hat uns volle sechzehn Jahre begleitet. Im Nachhinein kommt es mir trotzdem viel zu kurz vor. Seit sie mit acht Wochen in unsere Familie kam, waren wir fast jeden Tag zusammen, von einigen Urlaubsreisen, auf denen sie uns nicht begleitet hat, mal abgesehen. Sie war ein lieber, fröhlicher Hund mit einer ungeheuer positiven Ausstrahlung. Sehr viele Menschen in unserem kleinen Ort haben sie gekannt und jeder hat sie gemocht. Sie unterhielt gute Beziehungen zur Geschäftswelt, sie durfte immer mit in den Teeladen, obwohl Hunde dort eigentlich verboten sind, im Blumenladen bekam sie stets im Hinterzimmer einen kleinen Imbiss serviert und in viele Läden ging sie einfach hinein, um die Inhaber zu begrüßen und sich ein wenig die Ohren kraulen zu lassen. Ihrem Charme konnte keiner widerstehen.

Einmal ließen wir Lotta während einer Urlaubsreise in unserem Hotelzimmer kurz allein. Bei unserer Rückkehr fanden wir sie in Gesellschaft einer schmierigen Kalbshaxe auf der Auslegware vor. Unsere Nachforschungen ergaben, dass sie den Leckerbissen vom Reinigungspersonal höchstpersönlich bekommen hatte. Die Damen wollten während unserer Abwesenheit das Zimmer sauber machen, dabei hat sie  der kleine Hund so geschickt um die Pfote gewickelt, dass sie schließlich auf die Sauberkeit und die Auslegware pfiffen und Lotta mit einem Knochen aus der Küche beschenkten. So war es mit Lotta. Wo auch immer wir mit ihr auftauchten, schaffte sie es, die Herzen zum Schmelzen zu bringen, allen voran natürlich unsere eigenen.
Unseren Töchtern war sie eine gute Freundin und unermüdliche Spielkameradin, sie ließ sich klaglos Puppenmützchen umbinden und fand es toll, im Puppenwagen spazieren gefahren zu werden. Später eroberte sie gemeinsam mit den Mädchen die Reiterhöfe, fuhr in der Schubkarre mit, amüsierte sich tagsüber in den Ställen und auf den Misthaufen und abends in den Kinderbetten und alle hatten Spaß dabei. Als unsere Tochter begann, Tiermedizin zu studieren, ließ Lotta sich als Übungshund benutzen und gestattete zukünftigen Veterinären, sie mit dem Stethoskop abzuhorchen und den Puls zu fühlen. Und als der kleine Karlsson in unsere Familie einzog, hat sie ihm großmütig einen Platz eingeräumt und ihn als täglichen Begleiter akzeptiert.
Sie war immer dabei. Jetzt nicht mehr. Ich bin froh, dass ich bis zur letzten Sekunde ihres Lebens für sie da sein konnte. Sie war ja auch immer für uns da. Nun müssen wir ohne sie auskommen. Sie fehlt uns so sehr.
 







Kommentare:

  1. Ich kann dich so gut verstehen und immer wenn ich so eine Lebensgeschichte lese kommen mir die Tränen. Aus Mitgefühl und aus tiefer Trauer um meine eigenen Hunde, die mich nach einem erfüllten Leben verlassen mussten.

    Lotta hatte ganz, ganz sicher ein tolles Hundeleben und sie hat es verdient, in Würde und ohne Leid zu sterben!

    Mein allergrößtes Beileid.

    - Lilly's Frauchen -

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  2. Oh nein, das tut uns so leid. Hier kullern grad die Tränen. Lotta hatte ein schönes erfülltes Hundeleben bei euch und wird stets in euren Herzen bleiben.
    Wir wünschen euch viel Kraft in dieser schweren Zeit und versichern euch unser aufrichtiges Mitgefühl.
    Traurige Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  3. Wir müssen sie irgendwann gehen lassen - das ist schwer zu ertragen, denn sie halten unser Herz in ihren Pfoten. Du hast Lotta in Würde und zu Hause in ihrer Umgebung gehen lassen - mehr, oder "besseres" kann man nicht tun. Liebe Grüße - Bente

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  4. Hallo,die geschichte mit Lotta berührt mich sehr.Hatte Tränen in den Augen-es hat mich so sehr an mein snoopy (Jack Russel) erinnert-es ist fast die gleiche geschichte auch er hatte im alter von 15 jahren mit den Nieren-habe ihn bis zum schluss begleitet-er verstarb nachts auf sein lieblinsplatz (mein Bett) in meinen armen-nachdem ich ihn ein küsschen auf seine Nase gab-und ich ihn gesagt habe das ich bereit bin-und ihn sehr liebe danke für die schöne zeit-er hat darauf gewartet das ich ihn loslasse :( werde ihn nie vergessen -Lotta wird immer bei Ihnen sein :)) alles alles liebe

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