Donnerstag, 19. Juli 2012

Wir Übriggebliebenen

Heute Morgen hat Karlsson sich zu mir ins Bett gelegt. Er hat sich am Fußende zusammengeringelt, da wo Lotta immer lag, wenn ich meinen ersten Kaffee getrunken und die Zeitung gelesen habe. Es war das erste Mal, dass er Lottas Platz eingenommen hat. Jeder von uns versucht, die Leere, die Lotta hinterlassen hat, irgendwie zu füllen.

Es ist fast nicht zu glauben, wie groß das Loch ist, das sich hinter ihr aufgetan hat. Wir vermissen sie. Und ich vermisse uns selber, als die, die wir mal waren. Als wir jung  und unsere Kinder klein waren und wir uns einen kleinen weißen Hund ins Haus holten. Als alles noch Anfang war. Aber die Zeit vergeht und wir können sie nicht halten. Und schon gar nicht zurück holen. So warte ich darauf, dass Fantasie und Erinnerung schließlich die Trauer besiegen.

Karlsson fühlt sich komisch als Einzelhund. Er war ja auch noch nie alleine. Er verkriecht sich oft und knabbert dann heimlich an seinen Pfoten. An den von mir eilig zur Ablenkung herbei geschafften Kauknochen kaut er ziemlich lustlos herum. Es macht offenbar nicht den rechten Spaß, wenn man sich dabei nicht gleichzeitig mit Ida darum streiten kann, wer den schönsten Knochen hat. Denn auch die kleine Ida ist inzwischen wieder bei uns ausgezogen und glücklich in ihrem eigenen Zuhause.
Karlsson hat einfach noch keine Übung als Einzelhund und die Vorteile (Der schönste Knochen ist immer meiner, ich habe immer den besten Liegeplatz und meinen Menschen ganz für mich allein) haben sich ihm wohl noch nicht recht erschlossen. Und wenn er öfter als sonst zu mir auf den Schoß krabbelt und gestreichelt werden will, weiß ich nicht so genau, wer hier eigentlich wen tröstet.
Zu allem Überfluss regnet es in diesem Sommer dauernd und die Tage sind so grau, dass sie man sie nicht einmal im Oktober als ordentliche Herbsttage akzeptieren würde, geschweige denn im Juli. Trübe Aussichten, auch noch beim Blick aus dem Fenster.
Aber verzagen gilt nicht. Schließlich taugt  alles übrig Gebliebene auch als Anfang für was Neues. Und ich bin zuversichtlich, dass bei der Resteverwertung unserer kleinen Wohngemeinschaft am Ende wieder etwas Gutes heraus kommen wird. Wir müssen uns eben so lange zurecht ruckeln, bis jeder wieder fest an seinem Platz steht. Auch wenn es regnet. Nützt ja nix.

Kommentare:

  1. Wirklich sehr schön geschrieben ...

    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr bald wieder nach vorne schauen könnt und jeder seinen neuen Platz gefunden hat.

    Liebe Grüße,
    - Lilly's Frauchen -

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  2. Ihr macht wirklich eine schwere Zeit durch und auch Karlsson trauert. Auch für ihn ist es eine vollkommen neue Situation, in die er sich erst hinein finden muss. Er braucht Zeit, genauso wie ihr. ich wünsche euch viel Kraft und Zuversicht.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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