Montag, 17. September 2012

Spaziergang ins Abenteuerland


„Sieh nur, wie schön das Laub sich schon färbt. Und diese Spinnennetze im Altweibersommerlicht! Die reinsten Kunstwerke!“, rufe ich begeistert. „Boah, ist das langweilig.“, mault Karlsson, der missmutig neben mir durch den Wald trottet. „Lass und Pilze suchen!“, schlage ich vor. „Ha! Wie willst du denn Pilze finden?“, fragt er zurück, „Du kannst ja noch nicht mal riechen, wer hier gestern lang gegangen ist. Eine ganze Wildschweinrotte! Lass mich mal in Ruhe schnüffeln, zwei Bachen, fünf Jungschweine….“ „Karlsson, Wildschweine jagen ist verboten!“, sage ich streng. „Boah, ist das laaaangweilig!“, stöhnt er.
Ich erinnere mich an meine Töchter, die, als sie noch klein waren, partout nicht wandern wollten, aber stundenlang laufen konnten, wenn wir ihnen glaubhaft weißmachten, dass wir unterwegs waren, um einen Picknickplatz zu suchen oder um Stöcke zum Schnitzen zu finden oder eine Feuerstelle, um Würstchen zu grillen. So ist es mit Karlsson auch. Spazieren gehen mag er nicht, aber um Abenteuer zu suchen, ist ihm kein Weg zu weit. Aber wo kriege ich jetzt schnell ein Abenteuer her, um ihn von der Wildschweinjagd abzulenken?
Da kommen wir an eine Schneise, die offenbar erst kürzlich in den Wald geschlagen wurde. Die Baumstämme sind bereits abtransportiert, aber die großen Baumwurzeln liegen noch eine an der anderen am Wegrand. Herrlich! Da kann man klettern, stöbern und suchen und Karlsson ist gleich bei der Sache. Ich verstecke unseren Beutedummy in allen erdenklichen Wurzelhöhlen und lasse ihn suchen. „Nochmal! Nochmal!!“, bellt er begeistert. Alle Wildschweine sind in diesem Moment vergessen.
Kuckuck, seht ihr mich?

.... und Absprung!

Oben bin ich!

Beute gemacht.

Bin ich nicht ein wilder Jäger?
Außer Atem vom vielen Klettern und Springen gehen wir schließlich weiter. „Und jetzt?“, fragt Karlsson nach einer Weile, „Kommen bald wieder Wurzeln?“ Nein, Wurzeln kommen nicht. Aber ich sehe in einiger Entfernung eine Lichtung, die wir ansteuern. Das Gras ist höher als der Hund. Ich schleudere den Dummy weit in die Wiese. Karlsson springt davon und sucht so lange im hohen Gras, bis er seine Beute gefunden hat. Enthusiastisch kommt er zu mir zurück. „Nochmal! Nochmal!!“ bellt er wieder. Hui, der Dummy fliegt in die Wiese und der Hund hinterher. Ganz hinten auf der Wiese springen plötzlich zwei Rehe auf. Alarmiert blicke ich auf. Doch Karlssons kleiner Kopf taucht an ganz anderer Stelle zwischen den Halmen auf. Vor lauter Eifer bei der Dummysuche hat er die Rehe gar nicht bemerkt. Da steht er auch schon wieder neben mir, ziemlich außer Atem übrigens. Klettern, springen, laufen und suchen zwischen Riesenwurzeln und Riesenhalmen macht ganz schön müde, deshalb machen wir uns auf den Heimweg.
Gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten.

Hier bin ich!

Beute gefunden!


Ich komme!

Gleich bin ich wieder da!
Wir laufen noch einmal querfeldein, um einen kleinen Zwischenstopp am Bach einzulegen, damit Karlsson sich ein wenig abkühlen und trinken kann. Nun ist er nicht nur schmutzig, sondern auch noch nass. Aber glücklich. Es ist gar nicht so schlecht, ab und zu mal vom Weg abzukommen, denke ich. Das Abenteuer liegt gleich um die Ecke. Es will nur entdeckt werden.

Kommentare:

  1. So, nach unserem Urlaub müssen wir uns erst einmal wieder einlesen - und haben nun dies hier gesehen und gelesen - köstliche schwarze Stiefelchen hast du wieder an - aber am allerbesten ist dein stolzer Blick beim Vorsitzen mit Beute - zu Recht.

    AntwortenLöschen
  2. Antworten
    1. Oh, ja gemeinsam! Nun fährst Du in den Urlaub - mein Fraule hat so viel Text dazu geschrieben, weil sie dich vom letzten Foto weg am liebsten geklaut hätte - weg isser - (wohin nur, wir wissen es nicht) - wir kommen nachher noch einmal zu Dir. Liebe Grüße - Bente

      Löschen
  3. haha, die Wiesenbilder sind niedlich :) Toller Hund! Richtig hübsch!

    Schau doch mal vorbei: golithegiant.blogspot.de

    AntwortenLöschen