Dienstag, 16. Oktober 2012

Irgendwo im nirgendwo


Hunde brauchen die Zivilisation nicht. Es ist ihnen egal, ob sich irgendwo in erreichbarer Nähe ein Geldautomat befindet oder ein Supermarkt. Sie kümmern sich nicht um Handyempfang oder Internetanschluss. Wenn sie jemanden etwas mitteilen wollen, bellen sie und ihr Essen würden sie sowieso nicht im Supermarkt einkaufen. Dass man Hundekekse nicht im Wald jagen kann, wissen sie ja nicht.

So war Karlsson sofort ganz entspannt und zufrieden, als wir unseren Urlaubsort erreichten: Ein kleines Dorf irgendwo im nirgendwo am Stettiner Haff direkt an der polnischen Grenze, umgeben von den weitläufigen pommerschen Wälder und ganz ohne Handynetz oder Einkaufsmöglichkeit. Während wir Menschen noch einen halben Tag brauchten, um einzusehen, dass es  hier völlig nutzlos war, auf den Tasten irgendwelcher Kommunikationsgeräte herumzudrücken und wir endlich einmal in Ruhe und abgeschnitten von der restlichen Welt im Einklang mit der Natur leben konnten, lag Karlsson bereits mit vorwurfsvollem Blick vor der Haustür: „Lasst uns endlich rausgehen und die Welt entdecken!“

Also packten wir iphone und laptop wieder in den Koffer und beschlossen, dass wir die zweifelhaften Privatsender, die eine Satelitenschüssel in den Fernseher unseres Ferienhauses einspeiste, ebenfalls nicht brauchen würden, um uns zu erholen. Stattdessen heizten wir den schönen alten Kachelofen ein, um unser Reetdachhäuschen aufzuwärmen. Dafür hatte sogar Karlsson Verständnis. Im kalten Haus mochte er auch nicht wohnen. Wir Menschen fragten uns, ob das einzige Gasthaus im Ort am Abend geöffnet und willens sein würde, uns eine warme Mahlzeit zu servieren. Diese Sorge interessierte Karlsson wenig, sein Hundefutter hatten wir schließlich im Gepäck. Soviel wusste er sicher. Und draußen lockte die Natur.

Haffstrände, Wälder und Wiesen lagen nur ein paar Schritte vor unserer Haustür. Die Wälder steckten voller Spuren und Gerüche und es war einer echten Herausforderung für einen kleinen Terrier nicht der Versuchung zu erliegen und einer der vielen, vielen Wildspuren in den Wald hinein zu folgen. Wir mussten uns schon große Mühe mit unserem Hunde-Unterhaltungsprogramm geben, damit Karlsson bei uns blieb und lieber seinen Dummy jagte als einen Keiler. Aber er widerstand tapfer allen Versuchungen, seien sie auch noch so „wild“ gewesen. Glücklicherweise war unser Showprogramm gut genug, um ihn von der Wilderei abzuhalten.

Das Dorfleben barg bei genauerer Betrachtung auch seine Tücken für einen Terrier. In den Gärten tummelten sich Hühner, Enten und Ziegen, die nur zum Angucken da waren, nicht zum Anfassen! Na gut, da ließ Karlsson mit sich reden, zumal das Federvieh immer durch einen Zaun von uns getrennt war. In anderen Gärten rasten Hofhunde hysterisch kläffend hinter dem Zaun entlang und wir mussten Karlsson bitten, seine ganze Contenance aufzubringen, um nicht laut und wild zurück zu kläffen. Und schließlich gab es noch den freilaufenden Dorfköter, der Karlsson beißen wollte und vom Herrchen mit einem gezielten Tritt in den Allerwertesten in die Flucht geschlagen werden musste. Du meine Güte, so viel Aufregung in der Idylle! Da können einem schon mal die Nerven durchgehen, meinte Karlsson und schoss hinter der nächstbesten Katze her, einmal quer durchs Dorf und mitten auf der Straße. Wie gut, dass hier fast nie ein Auto fuhr. Die Katze sprang über eine Mauer in die Sicherheit und Karlsson regte sich furchtbar über das Landleben auf. So hatte er sich das nicht vorgestellt!

Am Abend stellten wir befriedigt fest, dass der Dorfgasthof in der Lage war, uns Menschen mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen, mussten aber Karlsson eingestehen, dass wir seine Gute-Nacht-Kekse zu Hause vergessen hatten. Kaufen konnte man im Ort nichts und an einen Ausflug in den fünfzehn Kilometer entfernten nächsten Supermarkt war um diese Uhrzeit ohnehin nicht mehr zu denken. „Wenn Landleben bedeutet, ohne Betthupferl schlafen zu gehen, spiele ich nicht mehr mit!“, raunzte er uns daraufhin entnervt an. Das konnten wir keinesfalls riskieren, nicht bei diesen wildreichen Wäldern und dem Dorf voller Federvieh und freilaufender Katzen! Also boten wir ihm schleunigst ein bis zwei unserer mitgebrachten Schokoladenkekse an. Das ließ ihn schließlich vollkommen versöhnt mit der Idylle einschlafen. Der Urlaub war gerettet!
Urlaub! Yippieh - ich komme!

Mit dem Ruderboot übers Haff

Kleine Anlegestelle für Romantiker

Ich rette meinen Dummy aus dem Schilfversteck. Das kann ich gut!

Der kleine Bach trennt Deutschland und Polen.

Die deutsch-polnische Grenze kann überall problemlos überquert werden,
hier allerdings nur von Menschen mit Gummistiefeln.


Dummyspiele mag ich am liebsten.

Dörfliche Idylle

Federvieh, nur zum Angucken!

Schön restauriertes Fachwerkhaus

Endlose Schilfgraswiesen säumen den Haffstrand.

Guckt mal, ich hab uns einen Pilz gefunden!

Geht's weiter? Ich komme!

Blick auf das Stettiner Haff

Die Wälder konnten stellenweise ganz schön nass sein.

Büxwaschtag

Zum Baden war es leider schon zu kalt.

Wieder geht ein Tag zu Ende.

Mein Papa und ich müssen viel Sport machen.

Ein alter Bahndamm führt als Wanderweg durch den Wald.

Kommentare:

  1. Hach, da ist ja ein Urlaubsbericht - ganz herzlichen Dank dafür, ihr habt uns lustig und interessant unterhalten. Die Bilder haben sehr gut gefallen - besonders wie die Männer über den Stamm hoppen. Ein weißer Dummy ist in der Wildnis natürlich super praktisch und passt auch perfekt zu m Fellchen *grins*. Liebe Grüße und noch ganz viel Spaß - ohne Alles...

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  2. Na ein Glück das ihr die Schokokekse mit hattet, sonst wäre Karlsson womöglich noch ausgewandert und hätte sich an dem Federvieh vergriffen. Die Bilder sind sehr schön und ich stelle es mir herrlich ruhig vor, so ohne Handy und allem anderen.
    Liebe Grüße von Emma, Lotte und Frauchen

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  3. Ein sehr schöner Reisebericht und ich mache mich direkt auf die Suche etwas ähnliches für uns im nächsten Jahr zu finden :) Und die Bilder ... ja, die sprechen für sich ... wunderschön :)

    Liebe Grüße,
    - Lilly's Frauchen -

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  4. Liebe Lily und liebes Lily-Frauchen, falls es Euch interessiert, schaut doch mal hier: http://www.traumhaff.de/ War toll, wir empfehlen es gerne weiter!

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  5. Das war wohl trotz vergessener Kekes ein toller Urlaub. Die Fotos haben uns gut gefallen. So ein Dummy scheint ein tolles Spielzeug zu sein.
    ♥liche Wuffs
    Bella

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