Donnerstag, 13. Dezember 2012

Polly auf der Suche nach dem Unsinn


Aus dem Tagebuch eines Welpen
Wenn ich morgens aufwache, freue ich mich immer, dass wieder ein neuer Tag anfängt. Besonders morgens ist es sehr schön bei uns zu Hause. Frauchen trinkt eine Tasse Kaffee im Bett und liest die Zeitung. Dabei darf ich ihr Gesellschaft leisten. Ich kuschele mich in ihre Bettdecke und knabbere ein bisschen die Zeitungsecken an. Wenn Frauchen aufsteht, will sie mich meistens nochmal in meine Schlafbox sperren. Damit ich nicht so viel Unsinn anstelle, sagt sie. Unsinn? Ich weiß gar nicht, was das ist.
Ich habe aber gar keine Lust wieder in meine Schlafbox geschickt zu werden. Es ist doch nicht mehr Nacht! Darum stelle ich mich einfach schlafend, dann lässt Frauchen mich in Ruhe. Wenn sie die Badezimmertür hinter sich geschlossen hat, stehe ich auf. Ha, ha, Frauchen, ausgetrickst! Während im Bad das Wasser rauscht, gehe ich durch das Haus. Ich muss doch mal diesen Unsinn suchen, von dem Frauchen immer spricht. Zuerst schaue ich ins Arbeitszimmer. Da steht meist ein gut gefüllter Papierkorb. Ist aber kein Unsinn drin, sondern ein schöner großer Briefumschlag aus ganz festem Papier. Den nehme ich mir. Wo zerreiße ich den denn jetzt? Nicht im Arbeitszimmer. Das ist schon unordentlich genug, da liegen überall die Sachen vom Papa rum. Ich gehe lieber ins Gästezimmer, das ist ordentlich und aufgeräumt. Da zerfetze ich den Umschlag. Mit den vielen Papierschnipseln auf dem Boden gefällt mir das Zimmer gleich besser.
Beim Schneeflitz mit Karlsson...
Ich laufe die Treppe runter ins Esszimmer. Da liegt Karlsson und will nicht gestört werden. Im Vorbeigehen nehme ich schnell noch eine Rolle Toilettenpapier aus dem Gäste WC mit. Die lege ich auf mein Kissen. Für später. Die Tür zum Wintergarten steht offen. Das muss ja wohl ein Versehen sein. Die ist sonst immer zu. Damit ich dort nicht so viel Unsinn mache. Da haben wir ihn ja wieder, den Unsinn! Dort muss er zu finden sein. Oh, da stehen viele Packungen mit ganz wundervollen Schleifen, vielleicht ist der Unsinn da drin? Ich nehme mir ein Päckchen und ziehe an der Schleife. Das Band ist schon mal auf. Ich knabbere ganz vorsichtig ein Eckchen vom Papier an. Das fällt nachher bestimmt gar nicht auf. Da kommt noch mehr Verpackung zum Vorschein. Diesmal aus Plastik. Ganz schön hart, aber mit meinen spitzen Zähnen komme ich da schon durch. In der Plastikpackung liegt eine silberne Scheibe. Damit kann ich gar nichts anfangen.
... bin ich so beschäftigt...
 
Frauchen kommt die Treppe runter. Wie schön! Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen. Ich freue mich ganz dolle. Frauchen freut sich nicht so. Sie hat die Hände voller Papierschnipsel (der Briefumschlag!), klemmt sich die Toilettenpapierrolle unter den Arm (schade!) und sammelt die Silberscheibe mit der Plastikpackung ein. Dabei murmelt sie was von perforierten Weihnachtsgeschenken, die sie nun nochmal verpacken muss. Aha, das war also für dieses Weihnachten, von dem jetzt alle reden. Dann kann das kein Unsinn gewesen sein.
...dass ich glatt vergesse...
Draußen tobe ich mit Karlsson durch den Schnee. Das macht solchen Spaß, dass ich den Unsinn glatt vergesse. Als wir wieder reinkommen, ist es Zeit für ein zweites Frühstück. (Anmerkung von Karlsson: Kriegt die Schnepfe etwa schon wieder was zu essen???) Dann werde ich sehr müde von der anstrengenden Unsinnsuche und der Schneeflitzerei mit Karlsson und muss ein langes Schläfchen halten.
...weiter nach dem Unsinn zu suchen.
Am Nachmittag strenge ich mich weiter nach Kräften an, den Unsinn zu finden. Ich gucke nochmal in Frauchens Handtasche nach, aber die habe ich schon mehrmals ausgeräumt und heute ist auch nichts anderes drin als gestern und vorgestern. Da fällt mir die große Schale mit dem Kleinholz neben dem Ofen ein. Immer wenn ich die Holzstücke neu sortiere, spricht Frauchen auch von Unsinn. Hoffnungsvoll räume ich das Anmachholz aus der Schüssel, aber es kommt kein Unsinn zum Vorschein, dafür aber meine Kaustange! Toll! Die habe ich schon lange gesucht. Habe sie wohl beim letzten Mal hier vergessen. Oder versteckt? Egal. Schnell schleppe ich die Knabberstange in meine Box und kaue genüsslich darauf herum. Draußen wird es schon dunkel. Da höre ich Schritte vorm Haus. Jetzt merke ich, dass heute sogar der allerschönste Wochentag von allen ist! Der Papa kommt nach Hause! (Anmerkung vom Frauchen: Diese Riesenfreude, die manche Menschen durch bloßes Nach-Hause-Kommen verursachen, kann ich in einer ganzen Woche Hundebespaßung nicht auslösen. So viele Wiener Würstchen kann ich gar nicht verteilen! Irgendwie ungerecht...)
Da dreht sich der Schlüssel im Schloss und jemand ruft: „Karlsson, mein Dicker! Polly, mein Schnullibulli! Kommt bloß euren Papa nicht begrüßen, ich mag nämlich gar keine Hunde!“ Dann springe ich zu meinem Papa, schlecke ihm mitten durchs Gesicht und rufe: „Aber das ist doch Unsinn, Papa!“
 
 

Kommentare:

  1. Oh ist das süß geschrieben, Polly - du hast echt Talent und der letzte Abschnitt gefällt uns am Besten :-)

    Liebste Grüße,
    Lilly & ihr Frauchen

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    1. Mir gefällt es auch am Besten, wenn mein Papa nach Hause kommt :)))

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  2. Liebe Polly,
    wir glauben ja das der "Unsinn" eine Erfindung der Menschen ist. Blos wenn wir mal ein bisschen neugierig sind oder die Wohnung etwas umgestalten, ist das "Unsinn". Für uns ist es einfach schöner so.
    Eure Tobebilder sind toll. Frauchen findet das du riesengroße Pfoten hast, Polly. Tz, tz, tz
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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    1. Das mit den großen Pfoten sagen fast alle, wenn sie mich sehen. Entweder gehöre ich zu einer Rasse mit großen Pfoten oder ich wachse da noch rein. Mal sehen. Liebe Grüße, Polly

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  3. Haha, liebe Polly, du hast es faustdick hinter deinen hübschen dreieckigen Taschenöhrchen, trickst das Fraule gekonnt aus und bist clever - so clever, dass du ganz schnell herausfindest, dass der Unsinn erst mit dem Papa ins Haus kommt.
    Ach, euer schönes Papierschnipsel-Zuhause . . . es muss ein Traum sein.

    Ganz liebe Grüße an das Terrierhausen-Team - und genießt das lange Wochenende solange der Unsinn bei euch Zuhause ist!

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    1. Wir haben mit dem unsinnigen Genießen bereits begonnen und wünschen Euch auch ein schönes Wochenende!

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  4. ....hey Polly, mit Dir macht Unsinn-suchen Spass, da könnt ich glatt noch mal zum Welpen werden und stell dir vor heut Abend kommt MEIN Unsinn endlich nach Hause, nach drei langen Tagen, was meinst Du wie ich den begrüßen werde-grins- von Dir kann Airedale ja noch was lernen....
    schön kuschelig machst Du es Dir..
    liebe Grüße Jule
    Liebste Polly, es wird Zeit was zu lernen: auch Frauchen brauchen Liebe.....
    ernsthafte Grüße
    Renate , die weiß wovon sie spricht

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    1. Mein Frauchen habe ich schon auch lieb, aber mehr so breit geschmiert über die ganze Woche. Der Papa kriegt eben die volle Ladung, wenn er endlich kommt. Scheint bei euch nicht anders zu sein.... *grins* Liebe Grüße Polly

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  5. Ach Polly - diese Geschichte ist so herrlich und ich bin richtig froh, dass deine Suche nach dem "Unsinn" nicht erfolgreich war - so gibt es vielleicht noch eine Fortsetzung!
    Ich wünsche euch allen einen schönen 3. Advent!
    Liebe Grüße
    Sali und Chiru

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  6. Das Genie beherrscht das Chaos - ich hoffe das gilt auch für Deine Zweibeiner ... Bei Dir mache ich mir in der Hinsicht keine Sorgen:-) Ich knabbere übrigens auch immer noch gerne, obwohl ich schon aus dem Alter raus sein sollte ... Wenn Du genau hinsiehst, bemerkst Du, dass die Fußmatte auf meinem Blog-Profilbild auch nicht mehr ganz vollständig ist ... 1001 Grüße von Lucy

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