Dienstag, 8. Januar 2013

In unserem kleinen Rudel

Wer ist wer und wohin führt das?



Wenn man einen Hund hat, ist man ein Mensch mit einem Hund. Wenn man drei Hunde hat, ist man Teil eines Rudels. Das Zusammenleben bekommt plötzlich eine ganz andere Dynamik. Natürlich möchte man als Mensch gern eine gewisse Ordnung herstellen und zum Beispiel vermeiden, dass der Postbote täglich gefressen wird oder alle drei Hunde ungefragt mit Matschpfoten auf das Sofa hüpfen. Also besinnt man sich auf seine Stellung als Leithund und muss leider feststellen, dass in Wahrheit ein kleines Hündchen mit kaum 25 Zentimeter Schulterhöhe und fünf Kilogramm Lebendgewicht die Führung übernommen hat.

Wenn wir als Rudel das Haus verlassen, zerfällt die Welt spätestens an der Gartenpforte in zwei Teile. Es gibt uns – und die Anderen. Während ich noch versuche, das Geflecht aus drei Hundeleinen um meine Beine zu entwirren, übernimmt Ida ungefragt die Organisation unserer kleinen Mannschaft. Alle Entgegenkommenden werden blitzschnell gescannt und in Kategorien eingeteilt. Es gibt immer ein paar ungefährliche Luschen und andere Looser, die man kommentarlos passieren lassen kann. Ein verächtlicher Blick und vorbei sind sie. Blöde Stinker müssen angeknurrt oder besser noch angebellt werden. Das macht Ida natürlich nicht selber. Sie lässt bellen. Von Karlsson. Der bekommt dafür Ärger mit mir, weil ich es unmöglich finde, wenn er andere Hunde anpöbelt. Karlsson ist daraufhin zutiefst verstört, weil er entweder Ida gehorchen und Ärger mit mir bekommen kann oder mir gehorchen und dafür Ärger mit Ida bekommen kann. Als einzig mögliche Konsequenz suche ich die Konfrontation mit Ida.

Das ist gar nicht so leicht, weil Ida inzwischen die dritte Kategorie Hund gewittert hat: die gefährlichen Bestien. Gefährliche Bestien bekämpft Ida sofort und gnadenlos, indem sie sich ihnen mit voller Wucht entgegen wirft. Das erfordert natürlich sofortiges und unverzügliches Eingreifen meinerseits, um Ida aus der Gefahrenzone zu entfernen. Karlsson findet es eigentlich ganz gut, wenn ich das mache. Er muss ja inzwischen auf Polly aufpassen. Sollte Polly in Gefahr geraten, kennen wir allerdings alle drei keinen Spaß. Dann stehen wir auf der Stelle wie ein Mann äh… Hund vor ihr und hauen sie raus. Polly hat deswegen auch keine Sicherheitsbedenken und ist dementsprechend die einzige von uns vieren, die völlig unbekümmert durch die Landschaft tapst.

Auf diese Weise verlieren harmlose Ausflüge schnell ihre Unbeschwertheit. Ich versuche mit möglichst viel Weitblick jede Begegnung vorherzusehen, damit mir die Situation nicht entgleitet. Am sichersten ist es, wenn ich fremden Hunden, die sich unserem Rudel nähern, als erste entschlossenen Schrittes entgegen trete. Die allermeisten Hunde drehen dann lieber ab und bringen keine Unordnung in unser Rudel. Andere Menschen finden es oft befremdlich, wenn ich mich in die Hundebegegnungen einmische, aber darauf kann ich leider keine Rücksicht nehmen. Als Rudelmitglied hat man eben Pflichten. Und wer eine Alpha Bitch sein will, muss schließlich ein überdurchschnittlich hohes Maß an sozialer und kommunikativer Kompetenz beweisen. Das schaffe ich nicht, wenn ich abseits stehe und Ida das Feld überlasse.

 
Die Mädels gehören zu mir und an mir kommt keiner vorbei!
Die da hinten muss ich unbedingt im Auge behalten!
Wenn ich gebraucht werde, fliege ich herbei.
Folge mir, Polly. Mit mir kannst du übers Wasser gehen.
Ich weiß, wo die Steine liegen.
Ein Blick zurück.
Position beziehen.

Kommentare:

  1. Feinfühlig, informativ, professionell - bester Lesestoff mit allerliebsten Fotos. Besonders das letzte Bild hat es mir angetan - die beiden Herren haben die gleiche Hinterbeinstellung - zum Piepen schön ist das.
    Allerliebste Grüße nach Terrierhausen!

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    1. Was für nette Worte! *rot werd* Herr und Hund in gleicher Stellung? Na, die werden sich eben immer ähnlicher :) Allerliebste Grüße zurück!

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    2. *haha* klasse - Herr und Hund werden sich immer ähnlicher ;-)

      Auf jeden Fall kann ich deine Situation komplett nachvollziehen. Auch wenn Lilly nur ein Hund ist, benimmt sie sich manchmal wie drei ;-)

      Liebste Grüße,
      das Lillyfrauchen

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    3. Lilly als ihr eigenes Mini-Rudel - ja, Dalamatiner können recht kapriziös sein :)))

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  2. Herrlich geschrieben. Dieses Leinengeflecht schaffen Emma und Lotte schon während ich noch die Haustür zuschließe. Und während ich noch den ersten Knoten aus den leinen friemle haben die beiden schon den ersten Passanten aufgemischt. Ich bin jedesmal begeistert. Gerade das Losgehen ist für uns eine Hürde. Irgendwie müssen die beiden meinen, sie müssen mich beschützen, damit mir keiner den Schlüssel klaut. Denn danach geht es friedlich weiter.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Aller Anfang ist schwer, bei uns auch! Karlsson bellt gern nach Kräften sobald die Haustür aufgeht, um der Nachbarschaft mitzuteilen, dass man auch heute wieder mit ihm rechnen muss. Wir brauchen auch jedes Mal eine ganze Weile, bis wir geordnet los gehen können. Liebe Grüße auch von uns!

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  3. Ich kann mir die beschriebenen Rudelrunden nur zu gut vorstellen. Wär ganz witzig, dabei mal auf Jule zu treffen; die halte ich immer von kecken/vorwitzigen Welpen/Junghunden fern, sie kapiert so allmählich, dass Welpenerziehung zunächst Hundeamamasache, dann Frauchen/Herrchensache ist, und sie ja ausserdem gar nicht nicht fürs Erziehen bezahlt wird-grins- im Gegenteil.
    Die Fotos sind wirklich eine feine Illustration, ich finde die Haltung von Herr und Hund ganz herrlich: zwei furchtlose Musketiere und vorneweg die naseweise Polly...
    So schön.
    Liebe Grüße Renate

    grummel, zuppelnde Welpen am Bart kann ich nicht ab, (musst du aber doch nicht so laut verkünden, doofes Frauchen)- grummel aber eigentlich bin ich gaaanz freundlich liebe Polly
    versichert Jule

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    1. Jule, wenn wir dich treffen, werden wir auf gar keinen Fall an deinem Bart zuppeln, so was würden wir bei vornehmen jungen Damen niiiiieee tun - versprochen!

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  4. Karlssons Papa ergänzt: Die Position funktioniert auch im Meeting, heute gleich ausprobiert :-)

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    1. "...und die Ausarbeitung in einer Stunde auf meinem Schreibtisch!"

      Jawoll!

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  5. Ich hätte da noch eine Verständnisfrage - ist Ida jetzt immer dabei, oder "nur" Besuch?

    Liebe Grüße!

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    1. Ida gehört unserer Tochter und ist bei uns in Pension, während die Tochter im Urlaub weilt *neid* Das ist das Nette an Enkelhunden: Man kann sie auch wieder zurück geben... :)))

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  6. Genau so stelle ich mir das Leben im Hunderudel vor! Toll beschrieben! Die Kleinen haben halt immer das "Gewitter im Ranzen"
    ;-), aber Herrchen schent seine Position ja schon optimiert zu haben :-) Viele Grüße von Lucy, dem dackeligen Einzelhund aus guten Gründen, hi,hi

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  7. Wirklich wahr, Ida hat ihren Ranzen gut gepackt:)

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  8. Ein toller Bericht in dem man sich wunderbar "hineinfühlen" konnte. Drei Hunde an der Leine, das wäre für mich auch eine riesen Herausforderung, von der ich nicht wüsste, ob ich ihr gewachsen wäre. Wir hatten viele Jahre zwei Hunde die gerne an der Leine pöbelten und das war manchmal schon schwierig. Tipps wie mit Leckerchen oder Blickkontakt ablenken waren da echt nicht hilfreich und mir standen schon öfters die Haare zu Berge *grins*...
    Liebe Grüße
    Sali

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  9. Ha,das letzte Foto sagt ja wohl alles,wie der Herr so`s Gescherr.
    Leider hab ich auch einen PÖBELHUND,er riskiert immer draußen eine dicke Lippe,leider.
    Ich wünsch euch einen supertollen Wochenbeginn,machts gut .
    Liebe Knuddelgrüße von Ulli dem muffin

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