Donnerstag, 21. Februar 2013

Die Fachterrier für Schutz und Sicherheit

Lückenlose Überwachung an Land, zu Wasser und in der Luft


Es gibt nur wenig Aufzeichnungen über die Irish Terrier vergangener Jahrhunderte, da der Adel sich mit anderen Vierbeinern vergnügte. Dort brauchte man keinen Hund mit besonderem Geschick zum Rattentöten. Der Irish Terrier galt als der typische Hund für die kleinen Farmer mit geringem Einkommen. Allerdings ließen sich die Irisch Terrier auch zu weichmäuligen Apportierhunden ausbilden. So hatten sie schon zwei Aufgaben: Rattentöter und Jäger. Auf einigen alten Abbildungen finden sich viele Terrier mit kupierten Ohren, ein sicheres Zeichen dafür, dass sie in Hundekämpfen eingesetzt wurden. So entwickelte sich mit den Jahren eine ziemlich furchtlose Rasse, die den kleinen Mann zum Wildern begleitete, seinen Hof bewachte und frei von Schädlingen hielt, außerdem mit den Kindern spielte, die Schafe hütete und abends in den Ring geschickt wurde, während die Bauern im Pub an der Theke auf den Sieger wetteten.

Wie viel von den einzelnen Veranlagungen heute noch in Polly steckt, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Sie ist erst ein halbes Jahr alt und ihre Persönlichkeit ist noch nicht ganz ausgereift. Bislang scheint ihr Jagdtrieb beherrschbar, Schafe gibt es bei uns nicht und Hundekämpfe erst recht nicht, aber eins ist sicher: Das Hausmeister-Gen hat sie geerbt! Die Bewachung von Haus und Hof hat sie schnellst möglich an sich gerissen.
Hallo Du!
Mit Sicherheit würde sie uns auch von allen Schädlingsplagen befreien, aber wir haben keine. Oder jedenfalls keine, die Karlsson nicht schon beseitigt hätte. Nicht einmal Katzen betreten unser Grundstück mehr. So bleiben für Polly nur noch ein paar vorwitzige Amseln, die sie unter der Eibenhecke hervor scheuchen kann. Das allein füllt einen waschechten Hofhund natürlich nicht aus. Deshalb hat Polly sich auf die Nachbarn spezialisiert. Mit seismographischer Genauigkeit registriert sie alle Bewegungen in den Nachbargärten und meldet sie laut bellend an die Zentrale weiter. Die Zentrale (also ich) muss dann freundlich lächelnd irritierte Nachbarn mit dem Hinweis besänftigen, dass der Hund noch jung und in der Ausbildung befindlich sei. Bislang ist es mir damit gelungen, unseren Verweis aus dem sozialen Gefüge zu verhindern.
Willst du hier rein kommen?
Neulich wollte ein netter Nachbar mir ein Päckchen über den Zaun reichen, das er für mich angenommen hatte. Polly realisierte blitzschnell, dass zumindest des Nachbars Hand dazu in unseren Garten kommen musste und warf sich frenetisch bellend gegen den Zaun, um ein eventuelles Eindringen in unseren Luftraum frühzeitig zu verhindern. Der Nachbar taumelte blass um die Nase drei Schritte zurück und traute sich erst wieder vor, als ich Polly zurück ins Haus geschickt hatte. Seitdem arbeiten wir ernsthaft an der Verbesserung unserer nachbarschaftlichen Beziehungen. Polly darf nicht mehr an den Zaun und alle, die sich unserer Grundstücksbegrenzung nähern, werden von mir begrüßt, während Polly in zweiter Reihe Nachhilfe in nachbarschaftlicher Etikette nehmen muss.
Überleg' dir das lieber noch mal!
Auch wenn wir unseren Garten verlassen, wittert Polly überall Gefahren. Misstrauisch blickt sie um sich und sucht die Umgebung nach eventuellen Feinden ab. Dabei dreht sie jeden Grashalm um und ist damit meistens so beschäftigt, dass sie gar keine Zeit zum Spielen hat. Während Karlsson und ich uns neulich auf unserer Lieblingswiese am See unter der alten Eiche mit dem Dummy vergnügten, konzentrierte Polly sich wieder einmal vollkommen auf unsere Bedrohungs- und Sicherheitslage, als laut flatternd ein Entenschwarm über uns hinweg zog, um auf dem See zu landen. Schnell wie der Blitz rannte Polly zum Wasser, um die feindlichen Angreifer zu vertreiben. Sie brüllte noch: „Euch zeig‘ ich’s!“, als sie auf dem dünnen Eis, das sich während der frostigen Nacht im Uferbereich gebildet hatte, einbrach. Ich überlegte gerade, ob meine Gummistiefel für eine Rettungsaktion geeignet wären, als sie schon laut prustend an Land gepaddelt kam. Empört schnaubend kam sie uns entgegen und guckte mich an, als ob sie die kalte Dusche mir zu verdanken gehabt hätte. Immerhin strafte sie die Enten auf dem See anschließend mit Verachtung. Ihren Einsatzwillen als Sicherheitsbeauftragte hatte sie jedenfalls eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Karlsson und ich fühlten uns hinreichend vor der gemeinen Stockente beschützt.
Ich habe nämlich auch noch einen Bruder!

Mitten in der folgenden Nacht weckte mich eine kalte Hundenase. Karlsson stupste mich energisch wach. Das war doch ungewöhnlich. Er verlangte umgehend, in den Garten gelassen zu werden. Ich dachte an ein dringendes Bedürfnis und öffnete ihm die Haustür. Sofort schoss er zur Gartenpforte und bellte wütend durch die Latten. Nanu? Vorsichtig tapste ich hinterher und sah tatsächlich eine dunkle Gestalt hinter des Nachbars Mülltonnen hervorkommen, die sich schleunigst aus dem Staube machte. Erschreckt rannte ich zurück ins Haus und schlug die Tür hinter mir und Karlsson zu, nicht ohne sicherheitshalber zweimal abzuschließen. Karlsson stiefelte hoch erhobenen Hauptes an mir vorbei in sein Körbchen und sein Blick ließ keinen Zweifel daran aufkommen, wer sich hier um die wirklich wichtigen Dinge kümmert.

Ich weiß bis heute nicht, ob es tatsächlich ein Bösewicht war oder ob vielleicht doch einer der Nachbarn nachts um drei das dringende Bedürfnis verspürt hat, seinen Müll raus zu tragen. Macht aber nichts. Solange ich von meinen zwei Fachterriern für Schutz und Sicherheit umgeben bin, kann mir keiner was. Ganz egal ob Ente oder Einbrecher!

Kommentare:

  1. Ich gebe zu - bei diesem Bericht musste ich mehrfach herzlich lachen ;) Das Bild "Willst Du hier rein kommen" ist wirklich süß.
    Obwohl ich weiß, dass es schon sehr unangenehm sein kann, wenn der Hund versucht den Türsteher zu spielen, sowohl für den Hund als auch für die Menschen auf beiden Seiten der Tür.

    Ich wünsche euch, dass Polly vielleicht doch noch einen anderen Job findet, der entspannter ist.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit damon und Laika

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    1. Wir helfen ihr tatkräftig bei der Jobsuche! Es gibt mehrere Angebote...

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  2. Schnön geschrieben! Ja, das Türstehen eines Hundes kann ziemlich nervenzerreissend sein, doch ist es auch immer gut zu wissen, dass man einen Hund hat, der einen in den richtigen Momenten auch wirklich beschützt. :-)

    Liebe Grüsse
    Ramona und Rudel

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    1. Die Tür gehört mir! Polly weiß es nur noch nicht...

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  3. Wow, ja, das erinnert mich auch an einen jugendlichen Briard, der sein Frauchen auch dringendst vor allen möglichen Gefahren schützen musste. Das hat mein Frauchen gewaltigst genervt. Sie hat es mir aberzogen, indem ich zum Beispiel grundsätzlich auf meine Decke geschickt wurde, wenn es bei uns geklingelt hat. Da lag ich dann schmollend und hatte das Eindringlingsverbellen glatt vergessen ;)
    Mittlerweile hab ich gemerkt, dass Frauchen das gut im Griff hat und ich kümmere mich um die wirklich wichtigen Sachen!
    Grüsse an Karl den Großen, das mit dem Mülltonnenmann hat er grossartig gemacht!
    Schlabberbussi, von Phoebi, der in Sachen Verbrechensbekämpfung mit allen Wassern gewaschen ist

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    1. Das blöde auf-die-Decke-schicken hat mein Frauchen auch schon drauf, aber so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen! Ich stehe auf und belle, wann es mir passt! Liebe Wuffels von Polly

      Wollen wir doch mal sehen, wer hier den längeren Atem hat. Liebe Grüße von Pollys Frauchen

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  4. Hi, hi, aus der Entfernung kann ich grad gut lachen :-) Aber im Ernst: Lucy ist auch die perfekte Türsteherin - in ihren Augen! Wir üben schon seit Jahren das Abwarten in zweiter Reihe, ohne Erfolg. Unsere Nachbarn können ein Lied davon singen! Zur Rechten haben sie jetzt einen kleinen Dackel/Jack Russel-Mix, der macht Lucy ernsthaft Konkurrenz und ich, Sylvie, bin ein wenig schadenfroh ;-) Aber ich verlasse mich total auf mein Dackelchen in der Nacht, denn sie hat eine Stimme wie ein Wehrwolf :-)Sagt mal Bescheid, wenn ihr den Trick raus habt, dass bei "Aus!" auch wirklich "aus" ist ... Eure Lucy mit Sylvie

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    1. Liebe Sylvie,
      Polly geht momentan nur mit Leine in den Garten, damit sie mir gar nicht erst entwischen und jemanden anpöbeln kann. Wehret den Anfängen! Hundeerziehung ist schon eine mühsame Sache, besonders wenn man so kleine Dickköpfe wie wir erwischt hat. Nicht nachlassen!
      Liebe Grüße
      Silke

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    2. Die Leine hilft bei Lucy leider nicht gegen den stimmlichen Einsatz ...Ich glaube nicht wirklich, dass wir das noch hinbekommen :-(

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    3. Nö, gegen den stimmlichen Einsatz hilft die Leine nicht! Aber sie verhindert, dass Polly überhaupt erst an den Zaun gelangt, um jemanden anzupöbeln. Und vor allem zeigt sie Polly, dass ich sie und die Lage im Griff habe und ihre Hilfe nicht brauche. Wir machen Fortschritte!

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  5. Irgendwie erkenne ich gerade ganz stark in Polly unsere Lilly wieder ;) Lilly ist auch ein waschechter Wachhund ... Fremde sollen gefälligst dort hin zurück gehen, wo sie herkommen und wenn sich jemand unserem Haus nähert, muss er auf jeden Fall erfahren, wer genau dort wohnt ;)

    Liebste Grüße

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    1. Liebes Lilly-Frauchen!
      Da gibt es bestimmt Ähnlichkeiten. Genau wie du es in deinem Blog beschreibst, zeigt Polly außerhalb des Grundstücks genau wie Lilly starke Unsicherheiten wie sie typisch für territoriale Hunde sind. Daran müssen wir auch arbeiten.
      Beste Grüße von uns!

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  6. Ach, was für ein herrlicher Bericht. Ich musste so schmunzeln.
    Wir haben hier auch so Postboten, die am Garteneingang wie festgenagelt "kleben". Wahrscheinlich haben sie mit Polly Bekanntschaft gemacht ;-))))) Angus würde nämlich jedem Einbrecher noch seinen Ball vor die Füße werfen. "Wie? Du willst was hier? Keine Chance! Erstmal spielen!"
    Liebe Grüße
    Manou

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    1. Die Postboten haben bei uns alle die Taschen voller Hundekekse. Deshalb werden sie von Polly und Karlsson abgöttisch geliebt. Die beiden rasten schon aus vor Freude, wenn sie nur ein gelbes Fahrrad von weitem sehen. Bestechlich sind sie also auch noch...

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  7. Hallo,

    ich bin mir nicht ganz sicher ob ich nun bei Deinem wirklich sehr amüsanten Schreibstil, Dich bedauern oder beneiden soll.
    Clooney würde wahrscheinlich für ein paar Leckerchen Einbrechern auch zeigen, wo (nicht vorhandene) Wertsachen sind.
    Wenn jeder verbellt wird, ist das natürlich unangenehm, aber wenn wirklich Gefahr droht auch ganz schön, wenn man einen (oder zwei) Wachhund(e) hat.

    Liebe Grüße

    Thomas

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    1. Lieber Thomas,
      meistens weiß ich selber nicht, ob ich mich bedauern oder beneiden soll. Das Zusammenleben mit zwei Terriern ähnelt einer Gratwanderung und kann jederzeit in die eine oder in die andere Richtung kippen. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt liegen da oft ganz dicht beieinander!
      Herzliche Grüße
      Silke

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  8. ...eine dunkle Gestalt hinter des Nachbars Mülltonnen hervorkommen...

    Der Nachbar - pfff - ne,ne!
    Wir Terrier wissen genau was wir zu tun haben, wir denken und handeln in wichtigen Angelegenheiten selbsttätig, sofort, schnell und effizient. Unwissende können unser Handeln nicht sofort verstehen - da wir in Ruhezeiten möglichst reale Übungen einplanen (so wie Polly das getan hat) haben wir auch wenig Kapazitäten für langatmige Erklärungen frei.
    Karlsson, immer wachsam, immer auf Posten - so ist es vorbildlich und
    so wird auch Polly werden.
    Ein Terrier im Haus ersetzt den Schutzmann!
    Zwei Terrier - nun ja - grüße ich erst einmal recht herzlich und wünsche heute eine geruhsame Nacht.

    Versicherte Grüße nach Terrierhausen - Eure Bente

    Eine nachdenkliche Begebenheit so erzählt, dass kein Auge trocken bleibt - Dankeschön - Monika

    "Hallo Du" = unser neues Polly-Lieblingsbild




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    1. Wir arbeiten weiter daran, dass ICH die Übungen einplane und nicht Polly! Wenn sie sich selber ausbildet, möchte ich gar nicht daran denken, was dabei heraus kommt... Geht wohl mehr in die Richtung: Ein Terrier ersetzt die Axt im Haus :)
      Liebe Grüße!

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  9. "Ein Terrier im Haus ersetzt den Schutzmann" (Bente) und die Alarmanlage meint Jule, die mit ihrem Sirenengeheul jedem Einbrecher die Ohren "zerschrillt"

    ...leider unsere auch....beklagt Renate


    Monika beschreibt es genau: "eine nachdenkliche Begebenheit so erzählt, dass kein Auge trocken bleibt"

    Ja da habt ihr einiges zu tun, dass die Wachsamkeit bleibt UND auch die Nachbarn ....

    Ganz entzückende Fotos von den "Wachsamen Zwei"
    Ganz liebe Grüsse Renate

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  10. Hallo Silke, mir ging es genauso wie Thomas, meine Gefühle schwankten hin und her, weil du einfach einen so tollen Schreibstil hast. Man kann sich die Situationen so lebensnah vorstellen, erkennt die Ernsthaftigkeit die dahinter steckt, aber man amüsiert sich herrlich beim Lesen.
    Trotzdem kann ich nur zu gut nachfühlen, dass einen bei so Situationen wie mit den Nachbarn auch nicht mehr zum Lachen ist und ein Wachhund im Dauereinsatz ist auch nicht immer lustig.
    Liebe Grüße
    Sali

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  11. Ich glaub, ich wäre von den beiden viel zu verzaubert um Angst zu haben. ;-)

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  12. Zumindest ist bei Euch immer Leben in der Bude :)

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  13. Sockenhalterin Sabine7. März 2013 um 18:09

    Wooow, was für ein toller Bericht. Vielen Dank dafür. Es hat mir große Freude gemacht hier zu lesen. Es ist wunderbar, wie heiter Du die ernste Situation beschreibst.....Sehr super. Ich bitte um ganz viele solcher Berichte...

    Viele liebe Grüße

    Sabine mit Socke

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