Dienstag, 16. April 2013

Was der Frühling zu bieten hat:

Müll aus dem vergangenen Winter, Keinohrkröten und erfrischende Fußbäder

Dieser Winter war lang und hart, noch im März lag eine geschlossene Schneedecke über dem Land. Selbst zu Ostern hatten wir reichlich Neuschnee und wünschten uns nichts mehr als den Frühling. Jetzt hat sich das Wetter innerhalb weniger Tage grundlegend geändert. Das Thermometer zeigt geradezu frühsommerliche Temperaturen, dabei konnten wir noch vergangene Woche das Haus nicht ohne Mütze, Schal und Handschuhe verlassen. Die letzten Reste der Schneemassen sind dahin geschmolzen und geben die Erde wieder frei. Da liegt sie: Braun, grau, grün mit vereinzelten Farbtupfern der Frühblüher und leider auch dem Müll, der mindestens seit Dezember im Eis konserviert war. Und alles, was der Frühling zum Vorschein bringt, löst bei meinen Hunden nur eine Reaktion aus: „Ui, toll! Kann man das essen?“
Plötzlich ist es so warm, dass man im T-Shirt das Haus verlassen kann. Trunken vom Sonnenschein torkeln wir vor die Haustür. Als wir an der alten Eiche bei Bauer Möckelmann vorbei gehen, hängt Polly die Zunge bereits seitlich aus dem Maul. Dabei sind wir erst fünfzig Meter voran gekommen. Aber Polly hat sich schon eine wilde Jagd mit allen Insekten, die in den Kroken in unserem Garten umherschwirren, geliefert. Sie ist ganz wild auf die fliegenden kleinen Tierchen, so viel Unterhaltung gab es schließlich den ganzen Winter lang nicht im Garten.

In den Kroken summt es.

Die kleinen fliegenden Tierchen schnappe ich mir!
Wir wandern unseren Feldweg entlang, bis zu dem kleinen Abzweig, der durch das Wäldchen führt. An der Ecke steht eine Bank, auf der wir sonst auch gern sitzen und rasten. Heute ist der Müll aus dem Abfallbehälter neben der Bank überall verstreut und man kann genau sehen, dass hier kürzlich erste Frühlingspicknicks stattgefunden haben. Für die Reste haben sich wohl schon die Krähen interessiert. Wir gehen ein Stück in das Wäldchen hinein. Ich verstecke einen Dummy für Karlsson und schicke ihn suchen. Karlsson steuert zielsicher auf seinen Dummy zu, nimmt ihn auf, lässt ihn wieder fallen und rennt seitlich ins Wäldchen hinein, ohne sich noch einmal nach uns umzugucken. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich rufe laut „Stopp!“, doch anstatt stehen zu bleiben und sich nach mir umzudrehen, rennt er einfach weiter. Das geht so nicht. „Stopp“ ist bei uns der Not-Aus-Schalter, der muss immer, überall und unter allen Umständen funktionieren. Heute ist er anscheinend kaputt. Plötzlich sehe ich Karlsson in einiger Entfernung aus dem Wald heraus kommen und zielsicher den Müllhaufen ansteuern. Ich laufe ihm entgegen und sage ihm deutlich, was ich von seinem eigenmächtigen Verhalten halte. Vergehen gegen die Stopp-Verordnung werden normalerweise mit sofortigem Spielabbruch und Nach-Hause-gehen geahndet. Karlsson versichert mir aber, dass es sich bei ihm nur um eine ganz kurzfristige Betriebsstörung gehandelt habe, die ab sofort behoben sei und sieht mich dabei treuherzig mit braunen Knopfaugen an.
Also lasse ich mich erweichen und wir gehen weiter auf die große Wiese mit dem Strommast. Hier liegen durch den Schnee gut konservierte Hinterlassenschaften diverser Wildtiere neben frischen Reh- und Hasenkötteln und außerdem hat der Bauer wohl vor nicht allzu langer Zeit Mist ausgestreut. Polly fängt umgehend an, sich den Bauch vollzuschlagen und zeigt mir damit an, dass dieser Platz heute als Spielwiese nur bedingt geeignet ist. Wir gehen lieber zurück auf den Weg und geraten dort mitten in eine Krötenwanderung zur Hauptverkehrszeit.
Keinohrkröten - als Hundespielzeug ungeeignet
Karlsson hat als junger Hund mehrere Kröten gefressen und weiß, dass die Biester abscheulich schmecken. Deshalb bleibt er desinteressiert. Polly hingegen ist in höchstem Maße fasziniert und tatzt die erstbeste Kröte mit ihren Pfoten an, um zu sehen, was passiert. Der Kröte gefällt das nicht besonders und sie starrt Polly einigermaßen empört an. Polly starrt zurück. Wahrscheinlich sucht sie die Ohren, weil sie die erfahrungsgemäß als erstes von allen Spielzeugtieren entfernt. Pollys Suche bleibt ergebnislos und bevor sie die Gelegenheit ergreift, einige Keinohrkröten wie meinen alten Teddybären in ihre Einzelteile zu zerlegen, lotse ich sie schnell weiter.
So kommen wir, ohne dass Krötenopfer zu beklagen sind, an den Bach. Karlsson fragt sehnsüchtig: „Darf ich baden?“ Das kann ich generös erlauben, schließlich hat er sich nach dem Mülleimerlapsus angesichts von Hasenköttteln und Froschlurchen vorbildlich betragen. Polly will daraufhin natürlich auch ins Wasser, aber ich mag sie nicht allein laufen lassen. Wer weiß, welche Molche sie am Bachufer findet und was sie mit deren Ohren vor hat... Also rutsche ich mit ihr gemeinsam das schlammige Ufer hinunter. Unten stellt sie fest, dass ihr auch dieses Wasser wieder zu nass ist und will umgehend auf den Weg zurück.

Ein kleines Fußbad im Bach erfrischt und kühlt die Gemüter.
Zu dritt eine Schlammspur nach uns ziehend, kommen wir zu Hause an, wo des Nachbars Katze vor unserer Gartenpforte liegt und sich sonnt. Auch das noch! Ich merke schon, dass sich Karlsson neben mir aufpumpt wie ein Maikäfer, während die Katze die Flucht unter die Hecke antritt. „Aber Karlsson“, sage ich, „Nun haben wir so viele Abenteuer überstanden, da wirst du dich doch nicht von einer Katze aus der Ruhe bringen lassen?“ „Pffffffft“, sagt Karlsson neben mir und lässt die Luft wieder entweichen - wahrscheinlich weil ihm eingefallen ist, dass es noch gar nichts zu essen gab. Wir setzen uns selber vor unsere Gartenpforte und machen unser eigenes kleines Frühlingspicknick. Draußen auf dem Land sind wir dazu gar nicht gekommen. Es ist so viel los im Frühling!


Kommentare:

  1. Wiedermal sehr, sehr herrlich geschrieben und mir scheint es, als würdet ihr genauso viel erleben, wie wir ;)

    Liebste Grüße,
    der Tupfenhund und sein Frauchen ;)

    AntwortenLöschen
  2. hallo,
    man was ihr alles erlebt habt. so toll. freu mich schon auf das nächste abenteuer.
    pfotig sandy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir freuen uns auch schon auf das nächste Abenteuer :)

      Löschen
  3. Vielen Dank für den wunderschönen und spannenden Frühlingsspaziergang, den wir mit euch erleben durften. Toll geschrieben!

    Liebe Grüsse
    Ramona und Rudel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für die netten Worte. Liebe Grüße zurück!

      Löschen
  4. Sockenhalterin Sabine16. April 2013 um 20:54

    Was für eine wunderbare Schilderung von Eurem Frühlingsspaziergang mit allen Höhen und Tiefen, die wir auch kennen.

    Viele liebe Grüße

    Sabine mit Socke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die Bilder gleichen sich mitunter... Liebe Grüße zurück!

      Löschen
  5. Der Notaus kann schon mal kaputt gehen, wenn endlich der Frühling mistduftend aus dem Schnee hervorkommt - und so plötzlich - da vergisst man schon mal, vor lauter Aufregung und Frühlingsabenteuer, zu Speisen.
    Liebe Grüße nach Terrierhausen :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also echt, wenn wir schon fast das Essen vergessen - kannste dir ja vorstellen, was hier los ist! Alles Liebe von Karlsson und Polly

      Löschen
  6. Hallo Karlsson und Polly,

    sagt mal, war die eine Kröte blind oder gehbehindert, dass sie sich tragen lassen musste?

    Ein freundliches Wuff
    Clooney

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Fußlahm und hörgeschädigt, ich sach ja, mit den Viechern is nix anzufangen. Grüße von Polly!

      Löschen
    2. Und essen kann man sie auch nicht, das kann ich aus Erfahrung sagen, meint -Wuff!- der Karlsson!

      Löschen
  7. Echt knuffig und absolut zum Liebhaben deine kleinen Wuschel! Bin auch froh das nun endlich der Frühling oder schon fast Sommer da ist ... da macht es doch einfach viel mehr Spaß mit den Hunden draußen runzutollen!

    AntwortenLöschen
  8. oh ich bin spät drag, habe vor lauter Frühling und vor allem wegen unablässigem Trimmen diese schöne Geschichte (fast) verpasst.
    Oh im müllhaufen waren wohl einige Störelemente versteckt, anders kann ich mir die klitzekleine und schnell behobene Notschalter-Störung nicht erklären. Vielleicht haben ja auch die vielen umherziehenden Kröten die Störung verursacht, wer weiss das schon, nur gut, dass Du Karlsson noch eine Chance bekommen hast.
    Liebe Grüsse Renate

    Keinohrkröten fänd ich cooool
    meint Jule mach hin Polly

    AntwortenLöschen
  9. Keine Ohren, keine Beine und keinen Geschmack, diese Kröten! Die würde ich auch links liegen lassen - aber schauen kann man ja mal, Aus-Knopf hin oder her ;-) Gut, dass wenigsten die Katze die Beine in die Hand genommen hatte bei Deinem Anblick, oder? Eure Lucy

    AntwortenLöschen