Dienstag, 25. März 2014

Die Apfelwiese



Wir kaufen ein Haus…oder doch nicht… Teil II

 


Ja, hier wollen wir wohnen!

 Der Makler schickt uns die genaue Adresse der Obstwiese und bittet uns, das Grundstück zunächst mal allein vor Ort zu besichtigen und uns dann gegebenenfalls wieder bei ihm zu melden, wenn wir Kaufabsichten hegen. Klar, so ein viel beschäftigter Makler hat natürlich Wichtigeres zu tun, als mit Interessenten in der Gegend herum zu fahren und alte Apfelbäume anzugucken. ..
Mein Mann kann zur Erstbesichtigung auch nicht mitkommen, da er unter der Woche dringenden Geschäften nachgeht, die den Zweck haben, unseren Lebensunterhalt zu sichern, so dass ich mich allein auf den Weg mache. An der Wiese angekommen, empfängt mich infernalischer Lärm. Auf dem Nachbargrundstück bellen gefühlte 20 Hunde und hinter der Wiese kreischt eine Motorsäge. Ich wende mich zunächst dem alten Herrn an der Motorsäge zu, die er immerhin ausschaltet, als er mich sieht, und frage ihn beim Anblick der ansehnlichen Holzstapel auf seinem Grundstück, ob er eine Holzhandlung betreibe. „I wo“, sagt er. Er mache das nur zum Zeitvertreib und auch nie während der Mittagsruhe, teilt er mir mit. Nun, das finde ich beruhigend.
Ich erfahre auf Nachfrage, dass auf dem Nachbargrundstück drei Schäferhunde leben (also doch keine 20), die tagsüber, wenn sie alleine sind, schon mal ein bisschen bellen. Ich erinnere mich an den Spruch „Wer glaubt, dass es auf dem Land ruhig ist, hat noch nie in einem Dorf gewohnt“ und denke, dass ich mit zwei lebhaften und mitunter auch lautstarken Terriern wohl nicht in der Situation bin, um mich an Hundegebell zu stören. Immerhin brummt gerade kein Trecker über das riesige Feld auf der anderen Straßenseite. Ich unterhalte mich noch ein bisschen mit dem alten Herrn, denn solange er mit mir redet, bleibt die Säge aus. In einiger Entfernung hört man Hühner gackern. Und langsam beginne ich, diesen Platz doch ziemlich idyllisch zu finden.
Sobald mein Mann wieder zu Hause ist, machen wir uns gemeinsam auf den Weg zu unserem Traumgrundstück. Wir gucken uns beide noch mal gründlich um, dann sehen wir uns in die Augen und sagen: „Ja, hier wollen wir wohnen!“
Das teilen wir auch dem Makler mit, der allerdings anderer Ansicht ist, denn er hat das Grundstück zwischenzeitlich einem anderen Interessenten zugesagt. Jovial fügt der Makler seiner Absage hinzu: „Falls der andere noch abspringen sollte, sage ich aber sofort Bescheid. Sie stehen auf Platz zwei meiner Liste.“  „Niemals“, denken wir, „lässt jemand dieses Traumgrundstück wieder sausen“, und sind ziemlich enttäuscht.
Aber das Blatt wendet sich schnell, schon nach zwei Tagen ruft der Makler an und erklärt uns, dass der andere Interessent nun doch abgesprungen sei. „Toll!“, rufen wir, „Wir kaufen!“ Ja, meint der Makler, prinzipiell sei das möglich, aber erst müssten wir uns beim Eigentümer der Wiese, der dann auch unser Nachbar wäre, vorstellen. Der wolle sich nämlich die Menschen, die in Zukunft neben ihm wohnten, lieber selbst aussuchen. Uns schwant, warum der erste Interessent wohl doch nicht zum Zuge kam. Womöglich hat er den Auswahlkriterien nicht stand gehalten? 
Als der Termin, an dem wir als potenzielle Grundstückskäufer auf Herz und Nieren geprüft werden sollen, da ist, ziehen wir uns was Nettes an und steigen ins Auto, um also den dritten Nachbarn nach dem Schäferhundehalter und dem Herrn mit der Motorsäge kennen zu lernen. Wir treffen auf einen sehr netten älteren Herrn, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstehen. Wir erklären ihm, dass wir nur ein ganz kleines Haus bauen wollen, das seine Aussicht kaum beeinträchtigen wird und dass wir außerdem so viele Obstbäume als irgend möglich erhalten wollen und keineswegs beabsichtigen einen Ziergarten anzulegen und geben uns außerdem die größtmögliche Mühe, den Eindruck eines ruhigen, seriösen Paares zu erwecken, das wir schließlich auch sind. Dass wir außerdem Halter von zwei quirligen und bisweilen durchaus lauten Terriern sind, erwähnen wir in diesem Zusammenhang lieber nicht. Wir hoffen einfach darauf, dass unser Grundstücksverkäufer, der gleichzeitig auch der Jagdpächter ist und dessen Wohnzimmer mit den Fotos seiner früheren Hunde gepflastert ist, sich beim ersten Zusammentreffen -wie alle anderen Leute auch- von Polly um die Pfote wickeln lässt. So kommt es dann auch, aber erst viel später.
An diesem Nachmittag kratzen wir alle unsere Kenntnisse über Jagd, Forst- und Landwirtschaft zusammen, um ein anregendes Gespräch mit dem älteren Herrn, der Jäger und Jagdpächter, Gutsverwalter des nahe gelegenen Gutes a.D. und unser Nachbar in spe ist, in Gang zu halten. Aber wir müssen uns nicht sehr anstrengen, denn das Gespräch läuft wie von allein. Am Ende besiegeln wir den Kauf der Apfelwiese mit hanseatischem Handschlag und das gilt genauso viel wie ein Notarsiegel. Wenn nicht mehr.
Beschwingten Schrittes verlassen wir den Ort des Geschehens als frisch gebackene Besitzer einer Streuobstwiese. Obwohl der Kaufpreis nicht gerade ein Schnäppchen war, fühlen wir uns reich und glücklich.

 Das soll unser neuer Garten werden? 

Ich wittere Wühlmäuse!!!

Kommentare:

  1. Ohh, das ist ja ein sehr schöner und äußerst glückseeliger Post. Ich gratuliere ganz herzlich und freu mich schon auf die nächsten Bilder, dann vielleicht schon mit Veränderungen auf dem idyllischen Grundstück. Ach, und Recht habt ihr, auf dem Dörpe ist es nie ruhig, wer das erwartet, der ist falsch gewickelt - aber es ist trotz allem ein viel schöneres Leben :)))
    LG Siggi mit Joy Schnuckenhund

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    1. Danke für die Glückwünsche. Wir freuen uns auch sehr auf das viel schönere Dorfleben :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  2. Wie jetzt - im Garten an der Leine? Das muss aber geändert werden, Polly! Ich hoffe, du hast mit dem Jagdpächter auch schon abgesprochen, dass du und Karlsson ihm gerne bei der Jagd behilflich seid, aber nicht wirklich gejagt werden wollt. Ich finde es jedenfalls super, dass ihr so ein schönes neues Heim bekommt und drücke euch die Pfoten, dass das Haus ganz schnell gebaut werden kann ;-)

    Wuff-Wuff euer Chris

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    1. Glücklicherweise sind wir ja auf die Dummyjagd spezialisiert. Dagegen hat der Jagdpächter nix. :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  3. Wir mussten so herzlich schmunzeln :-)))))))). Was es heutzutage so neben dem eigentlichen Kaufvertrag noch gibt ;-)))
    Der Nachbar bestimmt mit ...
    Auf jeden Fall beglückwünschen wir euch zu diesem Kauf. Die Wiese sieht herrlich aus und das geplante Häuschen wird bestimmt auch der Traum.
    Zur Einweihung mit Kaffee und Kuchen kommen wir gerne ;-))))))))))))))
    Liebe Grüße
    Angus

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    1. Klar seid ihr eingeladen zu Kaffe und Kuchen. Wahrscheinlich gibt's Apfelkuchen.... :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  4. Oh, Oh, Bau ist nix für schwache Nerven! Aber Ihr habt Euch eine wunderschöne Obstwiese für Euer neues Haus ausgesucht und wenn Ihr Euch so richtig ins Zeug legt, dann klappt´s auch mit dem Nachbarn :-) 1001 Dackelgrüße sendet Lucy

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    1. Wir hoffen, dass unsere Nerven für alles ausreichen, den Bau und die Nachbarn....
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  5. ... ganz klein ist ja auch relativ :-)
    jedenfalls ist diese Apfelbaumwiese ganz groß - herzlichen Glückwunsch.
    Der Makler hat üppig Zeit in seine Auftraggeber investiert - zwei Telefonate - boh.

    Viel Glück Spaß beim Planen - Monika

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    1. Ja, so'n Makler hat's auch nicht leicht. Immer das Anheben von diesem schweren Telefonhörer.... :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  6. Um die Pfote wickeln können die Terrier... ;-)

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  7. Was für eine schöne Obstbaumwiese :) Kann man da nicht ein Baumhaus bauen?
    Schlabbergrüße Bonjo

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    1. Baumhaus ginge wohl, aber wir können so schlecht klettern.... :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  8. Mich hätte das alles schon abgeschreckt.
    Leute, die behaupten sie halten die Mittagstruhe ein und ein Eigentümer,
    der einen Makler hat und selbst die neuen Eigentümer bestimmen will.
    Aber das macht meine Erfahrung im Beruf. Als Jurist hat man nur mit den
    Negativbeispielen zu tun, also denjenigen, die sich streiten.
    Insoweit wünsche ich Euch alles erdenklich Gute, hoffe,
    dass Ihr Euch so wie gewünscht verwirklichen könnt und
    wir sind gespannt, wie es weiter geht.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben.... Aber keine Angst, das ist bei uns nicht der Fall. Einer unserer Nachbarn ist obendrein der Schiedsmann des Ortes, da wird jeder Konflikt bereits im Keim gelöst.
      Wie es weiter geht, werden wir berichten.
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  9. Oh, das freut uns natürlich sehr für Euch... ;)

    Dann kann es ja losgehen. Wir sind schon sehr gespannt auf weitere Berichte vom ruhigen Landleben und essen solange einen Apfel...

    LG Andrea und Linda

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  10. Auch im Garten Eden ging´s gelegentlich heiß her *lach*
    Wir sind neugierig auf weitere Berichte aus dem Paradies.
    Liebe Grüße von Renate und Jule

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  11. Paradies - das möge es werden, unseres nämlich :-)
    Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  12. Liebe Silke, ein herrlicher Bericht und ich freue mich sehr darüber, dass wir euch per Blog beim "Umzug" begleiten dürfen.
    Bei deiner lebendigen Art zu schreiben hatte ich wieder einmal das Gefühl direkt dabei zu sein und ich sah die große Apfelbaumwiese direkt vor mir :-).
    Ich finde es unheimlich wichtig, dass man dort lebt wo man sich auch wohl fühlt und das Bauchgefühl einfach stimmt. Was man von den Bildern sehen konnte - ein Traum! Ich freue mich schon darauf euch weiter zu begleiten!
    Liebe Grü0e und herzlichen Glückwunsch zu diesem Traumgrundstück,
    Sali

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  13. Danke liebe Sali! Wir nehmen dich sehr gerne mit beim Umzug auf unsete Apfelwiese, demnächst zur Erntezeiit!
    Liebe Grüße sus Terrierhausen

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