Dienstag, 1. April 2014

Erntezeit


 Solange die Bautätigkeit für das fehlende Haus noch nicht begonnen hat, benutzen wir unsere Apfelwiese als Ausflugsziel für Hundespaziergänge oder Radtouren. Als wir eines Nachmittages im Spätsommer auf die Wiese kommen, liegen vor uns die ersten roten Äpfel im Gras. „Prima, die Erntezeit beginnt“, denke ich und hole sofort meinen Fahrradkorb, um die Äpfel einzusammeln. Der Korb ist schnell gefüllt, die Wiese liegt immer noch voller Äpfel. „Da muss ich wohl noch mal mit einem zweiten Korb wieder kommen“, nehme ich mir vor und radele nach Hause, um Apfelkuchen zu backen.

Ein Korb voller Äpfel - die erste eigene Ernte

Einige Tage später kommen wir wieder auf unsere Wiese. Es liegen noch viel mehr Äpfel am Boden. Ich sammele meinen Korb und Karlssons Fahrradkorb voll. Er schaut skeptisch. „Soll ich jetzt den ganzen Weg nach Hause laufen oder wie?“, fragt er. „Wir haben ja noch den Fahrradanhänger, Karlsson. Da musst du dich jetzt mit Polly abwechseln“, sage ich. Überflüssig zu bemerken, dass bei unserer Abfahrt immer noch jede Menge Äpfel auf dem Boden liegen. Ich werfe schnell noch ein paar besonders schöne Exemplare zu Polly in den Anhänger.


Zu Hause begutachte ich meine Apfelernte. Was mache ich jetzt damit? Schon wieder Apfelkuchen? Na gut, einer geht noch. Aber es bleiben ja immer noch so viele Früchte übrig. Ich fahre in die Buchhandlung und sehe mich bei den Rezeptbüchern um. Tatsächlich finde ich spezielle Apfel-Kochbücher und kaufe eines, das ich besonders schön finde, weil es nicht nur Rezepte enthält, sondern auch Aufschluss über verschiedenen Apfelsorten und ihre Eignung gibt. Ich studiere Rezepte und bin fest entschlossen, hinter das Geheimnis des Einkochens zu kommen. Das habe ich nämlich noch nie gemacht. Also fahre ich in den Supermarkt, um Gelierzucker und andere mir bislang unbekannte Zutaten zu kaufen. Einen Einkochtopf habe ich nicht, aber meine Rezepte sagen, es ginge auch ohne. Nur ohne Gläser geht es nicht. Ich fahre in den Haushaltswarenladen und kaufe Gläser. 

 Apfelkuchen  geht immer.

Die Mengenangaben in den Rezepten beziehen sich meistens auf ein Pfund oder höchstens ein Kilo Äpfel. Nun habe ich schon zwei verschiedene Chutneys gekocht und eine Apfelmarmelade. Meine Körbe sind aber noch gar nicht leer. Mit dem Rest backe ich schnell noch einen Apfelkuchen. Unser Keller füllt sich mit Gläsern.
Die Apfelbäume werfen unverdrossen Äpfel ab. Mit Hilfe unseres Nachbarn, der die Bäume vor vielen Jahren gepflanzt hat, stelle ich fest, dass auf unserer Wiese so wunderbare Sorten wie James Grieve, Goldparmäne, Gravensteiner und roter Boskop wachsen, außerdem Ingrid Marie, Jonathan, Elster und Holsteiner Cox. Nicht zu vergessen, die Bühler Zwetschge, die unter all den Apfelbäumen fast ein bisschen verloren ist. Ich kaufe jede Zeitschrift, die sich dem Thema Apfel und seiner Verarbeitung zu Gelee, Marmelade, Chutney, Mus, Auflauf oder irgendwas widmet. Inzwischen spülen wir eifrig jedes leere Gurken- oder Marmeladenglas ab, um es mit selbst eingekochtem Apfel-was-auch-immer zu füllen. Aber das reicht nicht. Ich statte dem Haushaltswarengeschäft einen weiteren Besuch ab, um mehr Gläser zu kaufen. 

 Der Keller füllt sich mit Gläsern.

 Mit unserer Fahrradkorbmethode können wir der Apfelernte nicht Herr werden. Ich kaufe zusätzlich zu den Eimern, die ich in unserem Schuppen finde, zehn Eimer im Baumarkt und mobilisiere Mann, Tochter und deren Freund zu einem Ernteeinsatz. Es dauert nicht lange und wir haben alle mitgebrachten Behältnisse mit Äpfeln gefüllt. Mein Mann fährt in den Baumarkt und kauft weitere zehn Eimer. Auch die werden voll. Nach getaner Arbeit gibt es für alle –na klar-  Apfelkuchen. 

 Wir ernten mehr Äpfel.

 Wir verschenken anschließend eimerweise Äpfel, an alle die sie haben wollen. Unser Apfelguthaben reduziert sich dadurch auf sieben oder acht Eimer. „Die müssen ja wohl noch klein zu kochen sein“, denke ich. Aber es fehlen wieder einmal Gläser, es wird Zeit für einen neuen Ausflug zum Haushaltswarengeschäft.
Dort kennt man mich inzwischen. „Na, Sie kochen in diesem Jahr aber fleißig Marmelade“, sagt die Frau hinter dem Tresen zur Begrüßung. Es ist ein sehr altes Haushaltswarengeschäft mit einem Tresen und vielen Schubladen an der Wand dahinter, sozusagen ein Tante-Emma-Haushaltswarenladen. Was nicht heißt, das die Bedienung von gestern ist. Als ich nämlich stolz erzähle, dass ich frisch gebackene Besitzerin einer Apfelwiese bin und nur deshalb so viele Gläser brauche, um meine Ernte einzukochen, kommt die Dame wieselflink hinter ihrem Tresen hervor und stellt sich geschickt zwischen mich und die Ausgangstür, um mich anschließend mit sanftem Nachdruck in Richtung der Einkochtöpfe zu dirigieren. „Ach, so einen brauche ich nicht, das geht ja auch ohne“, sage ich und schöpfe dabei aus dem reichen Schatz meiner Einkoch-Erfahrung.
 Rat und Tat in allen Einkochfragen findet man hier: Tante Emmas Haushaltswaren.


„Soll ich Ihnen lieber die Entsafter zeigen?“, fragt sie schnell und versichert mir, dass ein Entsafter mein Leben um so vieles leichter machen würde. Ich bleibe skeptisch. Die Verkäuferin erläutert, dass zwei bis vier Kilo Äpfel einen Liter Saft ergeben. Zugegeben, das ist ein anderer Schnack als 500 Gramm für sechs Gläser Marmelade. Da hat man die Ernte von vierzig Bäumen natürlich im Nu in Flaschen abgefüllt. Der Turbo-Entsafter, den sie mir wärmstens empfiehlt, kostet allerdings um die 500 Euro. Bei Nennung des Preises schiele ich sehnsüchtig nach den Schraubgläsern für 60 Cent das Stück. Sie lässt es sich aber nicht nehmen, mir besonders schöne Schmuckgläser zu verkaufen (natürlich zu einem höheren Preis), weil man darin Selbstgekochtes so prima zu Weihnachten verschenken kann. Das sei derzeit voll im Trend. Und ich bräuchte mir keine Gedanken mehr über passende Geschenke machen. Für mich selber übrigens auch nicht, ich könne mir ja einen Entsafter zu Weihnachten wünschen, meint die patente Verkäuferin. 

 Wartet auf seinen Einsatz unter dem Weihnachtsbaum: Der Elektroeinkochtopf mit Zeitschaltuhr.

Zu Hause werfe ich einen Blick auf die Grundrisszeichnungen für unser zukünftiges Haus und frage mich, ob wir überhaupt genug Stauraum für Marmeladengläser, Saftflaschen, Einkochtöpfe und Entsafter eingeplant haben. Könnte knapp werden.


Kommentare:

  1. Ohje, die Apfelernte wächst euch wohl über den Kopf? Also, wenn ihr mich fragt, ich stehe gerne als Erntehelfer zur Verfügung. Ihr müsst die Äpfel dann aber solange liegen lassen, bis sie faulig, weich und von Maden besetzt sind. Dann schmecken die nämlich erst richtig gut. Und ich bin viel günstiger, als so ein Entsafter (Anm. Frauchen: Aha? Seit wann?) und brauche viel weniger Platz.

    Wuff-Wuff euer Chris, der auch nix gegen ein Stück Apfelkuchen einzuwenden hätte :-)

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    1. Lieber Chris,
      von den vielen, vielen Eimern mit weichen, fauligen und madigen Äpfeln, die wir gesammelt und entsorgt haben, haben wir gar nichts erzählt. Glaube mir, es waren mehr als ein Terrier schaffen kann. Du hättest Bauchweh bekommen. Dann doch lieber ein Stück Kuchen :)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  2. Na da gibt es bestimmt bis zur nächsten Apfelernte jeden Tag Apfelmus und Apfelmarmelade und Apfelgelee und Apfelwasauchimmer. Der Tante-Emma-Haushaltswarenladen ordert schon mal Großbestellungen an Gläsern. Ich bin gespannt ob der Entsafter unterm Weihnachtsbaum stand. Denn dann werden auch noch Flaschen gebraucht. :-)))))
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Ein Entsafter unter dem Weihnachtsbaum wäre sicher ein Scheidungsgrund gewesen... :-)))))
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  3. Also ich liiiebe Äpfel !

    Finden wir auf den Feldwegen Äpfel, so spielen wir erst einmal Fußball damit und dann fresse ich ihn mit Genuss!

    Eure Bente

    Das sind ja gigantisch viele Bäume und die Sorten beeindrucken regelrecht. Ich bin oft auf der Suche nach dem guten alten Apfelgeschmack - suchen müsst ihr nun nicht mehr danach.

    Ich sach ja - das Haus wird nicht kleiner - nur anders :-)

    Liebste Grüße - Monika

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    1. Bente, dann wärest du bei uns genau richtig! Karlsson und Polly sind die Äpfel herzlich egal. Sie spielen weder damit noch fressen sie sie auf. (Was ja eigentlich ganz praktisch wäre.)
      Liebe Grüße von deinen Terrierhausenern
      Liebe Monika,
      geschmacklich sind die Äpel super, das haben wir bislang gar nicht erwähnt. Wir haben selten mit so viel Genuss frische Äpfel gegessen. Das Haus wird auf jeden Fall anders, aber der Anbau eines Apfel-Einkoch-Entsaftungs- und Lagerraums wurde trotzdem nicht genehmigt. :-)
      Liebe Grüße von uns!

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  4. *lach* super, ich lach mich schlapp :) Eine wunderbare Verkäuferin. Aber ihr habt die Apfelflut doch prima gemeistert. Und wirklich tolle Sorten - sind einige nicht sogar lagerfähig? Dann hat man auch im Winter noch einen knackigen Apfel auf Vorrat. Hmm.....irgendwie bekomme ich grade Hunger auf Apfelkuchen.....
    LG Siggi mit der Joy Schnuckenhund

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    1. In der Tat konnten wir einige Äpfel lagern und hatten zu Weihnachten noch hübsche rote Äpfel, nicht nur für die Dekoration. Der rote Boskop eignete sich hier besonders gut, auch als Bratapfel!
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  5. Apfelmus kochen lohnt sich aber auch... *träum* Aber bitte bitte nimm keine Gurkengläser! Meine Oma hat das gern mal gemacht... Das Apfelmus roch nach sauren Gurken. *grusel*
    Hat Polly die Äpfel nicht gefressen? Watson hätte die angekaut.. Der liebt Äpfel!

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    1. Zum Glück hat unser Apfelmus nicht nach Gurke geschmeckt, wahrscheinlich weil es schneller gegessen wurde, als es den Gurkengeschmack annehmen konnte :-)
      Polly und Karlsson fressen Äpfel nur, wenn ich sie ihnen klein geraspelt unter das Futter mische. Aber einfach so, weil sie auf der Wiese liegen? Nein, danke. Da kann gerne Watson vorbei kommen und gemeinsam mit Chris und Bente die Äpfel ankauen, Karlsson und Polly sind die völlig wurscht.
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  6. Oh ja! Ein Terrier-Apfel-Tobetreffen! :-)

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  7. Ich kann mich gerade total gut in eure Apfelernte versetzen - so erging es mir mal mit Pflaumen :) Ein Bekannter hatte mir seine eingezäunte Wiese überlassen zum Toben für die Hunde unter der Bedingung, dass ich mich um die Pflege kümmere. Die vielen kleinen Bäume fand ich hübsch ... bis ich meinen Mann überreden musste, mit dem Anhänger zur Pflaumenernte zu fahren :) Aber wir alle haben dadurch das Einkochen (ohne besonderen Topf) gelernt und kennen gefühlte tausend Rezepte für Pflaumenkuchen, -kompott, -mus, -marmelade und vieles mehr. Allerdings habe ich einen großen Teil dann auch entsaftet - aber in einem geliehenen Entsafter!
    Die Wiese wollte ich im nächsten Jahr übrigens nicht mehr nutzen :)

    Daher von mir verständnisvolle Grüße,
    Isabella mit Damon und Laika

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    1. Ha, ha, dasselbe mit Pflaumen! Nun ja, in diesem Jahr wird es für uns leichter. Wir werden die Wiese zwar weiter nutzen (müssen!), aber es sind ja nur noch halb so viele Bäume da. Auf der anderen Hälfte entsteht ja das Haus. Außerdem haben wir übrig gebliebenen Obstbäumen einen radikalen Verjüngungsschnitt verpassen lassen, so dass die diesjährige Ernte sehr mickerig ausfallen wird.
      Herzliche Grüße aus Terrierhausen

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  8. Auch ich liebe Äpfel….sie werden mir kleingeschnitten verabreicht. Apfel-Pfotenball: das würde mich reizen….ich komme, ich eile….
    verkündet Jule

    Stop, Jule würde jeden Apfel mit Zähnen und Klauen verteidigen…
    Die Vielfalt Eurer Apfelbäume beeindruckt mich total. Merkwürdig dass es nur einen einsamen Zwetschgenbaum unter all den Apfelbäumen gibt…
    Mit Genuss und Grinsen erinnere ich Grimms Märchen vom "Süssen Brei"
    Gebraucht die Zauberworte "(Töpfchen) Äpfelchen steh", dann werden Eure Eimer und Einmachgläser wohl ausreichen…
    lacht Renate

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    1. Jeden Apfel mit Zähnen und Klauen verteidigen.... Hm, bei vierzig Bäumen kommt da sogar ein Terrier an seine Grenzen :-)))

      "Äpfelchen steh" werde ich ausprobieren. Sicherheitshalber habe ich die Bäume aber radikal beschneiden lassen, so dass die diesjährige Ernte um ein vielfaches geringer ausfallen wird :-)

      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  9. Sehr hübsch geschrieben, aber ich glaube die Not ist irgendwann sehr groß. Ich kenne das von Bekannten, die immer so viel Gemüse, haben und uns eindecken wollen. Aber wir mögen auch nicht sooo viel.

    Die vielen Apfelsorten sind aber herrlich. Leider findet man sie auf dem Markt diese alten Sorten nicht mehr. Nur die mit den glänzenden Schalen, die zwar farblich anders sind von rosa bis giftgrün, doch der Geschmack überzeugt mich nicht. Mein Favorit, der rote Boskop…Lecker.

    Nun, ich hoffe, Ihr könnt viele Sorten retten und Euer Übermaßproblem beseitigen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Der halbe Bestand an Obstbäumen ist leider? GsD? der Hausbau zum Opfer gefallen. Wir hatten die Bäume trotz Apfelschwemme schon richtig lieb gewonnen, nun sind sie weg und das Haus entsteht. So war es ja auch gedacht. Und mit der halben Ernte werden wir hoffentlich besser fertig. Wie ich inzwischen heraus gefunden habe, kann man seine Äpfel auch in eine nahe gelegene Mosterei bringen. Vielleicht auch eine ganz gute Möglichkeit.
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  10. HERRLICH!!!! Für mich als Leserin ein echter Traum -eine herrliche Apfelbaumwiese mit ganz, ganz vielen verschiedenen Sorten.
    Würden wir in eurer Nähe wohnen, hättest du eine dankbare Abnehmerin von einigen Eimern.
    Bleibt der Baumbestand in voller Größer bestehen - dann würde ich vielleicht wirklich noch einmal die Kellerplanung kontrollieren :-)!
    Freue mich schon darauf wie es bei euch weitergegangen ist!!!
    LIebe Grüße
    Sali

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    1. Nein, der Baumbestand hat sich um die Hälfte reduziert, um Platz für das Haus zu schaffen, welches übrigens trotz und alledem OHNE Keller gebaut wird :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  11. Apfelschwemme... *lach*. Manchmal ist weniger dann doch mehr...

    LG Andrea und Linda, die mal Kirschen entsteinen durfte, bis der Arzt kommt.

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    1. Einen Kirschbaum haben wir übrigens auch, das vergaß ich ganz zu erwähnen :-)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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