Mittwoch, 5. November 2014

Nachbarschaft mit und ohne Zaun




Wer in ein neues Haus einzieht, bekommt auch neue Nachbarn. Und anfangs ist man noch nicht einmal durch Zäune getrennt. So ist es auch bei uns. Wie die meisten Neubauten, sind auch wir noch nicht komplett eingezäunt. Unser Grundstück grenzt sowohl an eingezäunte als auch an uneingezäunte Nachbargärten und auch von der Straße trennte uns bis vor kurzem noch kein Zaun. Darum fand ich es besonders wichtig, dass Polly und Karlsson mir nicht ungefragt durch die offene Haustür folgen, wenn ich nur mal kurz den Müll raus bringe. 

Ich habe also angeordnet, dass sie brav an der Schwelle sitzen bleiben und sich nicht vom Acker machen, bei uns müsste man sagen ‚über den Acker machen‘, denn direkt vor der Haustür lockt ja das riesige abgeerntete Maisfeld mit zahlreichen Wildspuren. Wenn es blöd läuft, dachte ich, werden sie dabei womöglich noch  vom Postauto überfahren, das ungefähr als einziges Auto täglich einmal in  unsere kleine Sackgasse hinein- und rückwärts wieder herausfährt, wobei der Postbote jeden Tag versucht, seinen Geschwindigkeitsrekord im Rückwärtsfahren vom Vortag zu überbieten.

Außerdem wollte ich nicht, dass die beiden ungefragt in die Nachbargärten eindringen und dort Löcher graben oder anderen Blödsinn machen. Polly und Karlsson wurden bereits von unserer Nachbarin Helga beim Buddeln in ihrem Garten ertappt. Die beiden waren aber kein bisschen schuldbewusst, als Helga aus ihrer Terrassentür kam, sondern begrüßten sie überschwänglich und wischten dabei natürlich ihre schwarzen Gartenpfoten an Helgas Klammotte ab. Helga hingegen wischte meine wortreichen Entschuldigungen mit einer Handbewegung beiseite und kraulte Polly und Karlsson die Ohren. Seit nämlich, so erfuhr ich bei der Gelegenheit, ihr Dackel Erwin vor zwei Jahren verstorben ist, freut sie sich ganz furchtbar über jeden Hundebesuch, auch wenn der Abdrücke auf der Hose und Löcher in den Beeten hinterlässt. Ich dankte Erwin im Stillen, dass er Helga mit so einem großen Herzen für alle Hunde hinterlassen hat. 

Eines Tages aber, als ich schwungvoll die Haustür öffnete, brauste weder das Postauto durch die Straße noch lockten die Rehe auf dem Acker, sondern eine Mutter mit drei kleinen Kindern stand auf der Straße vor unserem Haus. Beim Anblick der Kinder vergaßen Polly und Karlsson sofort das Ausgehverbot und stürzten sich mit lautem Hurra hinaus, um neue Bekanntschaften zu machen. Während Polly dem kleinen Jungen auf dem Dreirad hingebungsvoll das Gesicht abschleckte, versuchte er mir zwischen ihren Ohren hindurch zu erklären, dass er mal wieder nach dem Bagger sehen wollte. Die Kinder hätten die Baustelle so spannend gefunden, erklärte die Mutter, und wollten mal wieder gucken, ob bei uns nicht irgendein tolles Baufahrzeug zu bestaunen wäre. Damit konnten wir nicht mehr dienen, wohl aber mit zwei Terriern, die die Kinder auch sehr spannend fanden. Zum Glück! Ich hatte schon Schlimmeres befürchtet. Aber es gab weder Tränen noch Angstschreie und die Kinder erwiesen sich als erfreulich standfest. Polly gelang es nicht, den Dreijährigen vom Fahrrad zu schubsen  und Karlsson überlegte nur kurz, ob er dem Baby im Kinderwagen den Keks aus der Hand nehmen sollte, ließ es aber sein, obwohl der Kleine ziemlich einladend mit der angesabberten Backware vor seiner Nase rumwedelte. Ich war fast ein bisschen stolz auf meinen Hund. 

Wie sich herausstellte, wohnten Mutter und Kinder nur ein paar Häuser von uns entfernt und ich begann ein nachbarschaftliches Gespräch mit der Mutter, was Polly und Karlsson ausnutzten, um
aus meinem Blickfeld zu verschwinden. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Gespräch zügig zu beenden und nach meinen Hunden Ausschau zu halten. Lange musste ich nicht suchen. „Ich habe Hunde, ich habe Hunde“, rief mein Nachbar zur Linken gut gelaunt. Schnell lief ich in den (uneingezäunten) Nachbargarten, wo der ältere Herr auf der Terrasse saß und die frühherbstlichen Sonnenstrahlen genoss. „Ja, aber wo?“, fragte ich ihn. Er deutete gelassen auf die offene Terrassentür und meinte: „Die sind schon durch gegangen bis in die Küche.“ Ach du lieber Himmel, dachte ich, das wird ja immer besser. Aber mein Nachbar meinte nur, in seiner Küche gäbe es nichts zu holen, weil er die Reste vom Mittagessen schon in den Kühlschrank geräumt hätte. „Na, ich nehme meine beiden Sargnägel doch lieber wieder mit nach Hause“, sagte ich. „Sargnägel sind die beiden wirklich nicht, sagen Sie doch sowas nicht!“, rief er entschieden. Ich meinte, da solle er doch mal die anderen Nachbarn fragen, zum Beispiel Helga, der die Hunde inzwischen schon diverse Male bei ihren stürmischen Gartenbegegnungen und Begrüßungen die Hose eingesaut hätten. „Na und?“, sagte der Nachbar nur, „Meinen Sie vielleicht, die Helga hat keine Waschmaschine?“

Wirklich eine hundefreundliche Nachbarschaft, das muss ich schon sagen. Aber einen Zaun haben wir inzwischen trotzdem bestellt.



Mit oder ohne Zaun - Gärten machen viel Arbeit





 Was meinst du, Papa? Hier soll ich graben?





Na, das ist doch eine meiner leichtesten Übungen!





So, schon fertig. Der neue Busch ist eingepflanzt.


Gartenarbeit macht durstig. Jetzt erstmal eine kleine Erfrischung aus der Gießkanne.




 So ist es richtig, Papa. Mein eingepflanzter Strauch muss gut gegossen werden.




  Soll ich dir mal was sagen, Polly? Ich musste die ganze Arbeit alleine machen.




 Jetzt bin ich aber auch kaputt.




 Ich brauche erstmal eine Pause hier im frischen, grünen Gras.


 Schmutzig? Wer ist hier schmutzig?



Kommentare:

  1. Neuterrierhausen ist wieder auf Sendung - das freut mich aber, wenn auch der Zaun etwas übereilt bestellt ist - bei der netten Nachbarschaft hätte sich bestimmt mal die Gelegenheit zum Futterfassen ergeben ... nun ja, auch Zäune kriegen mal ein Loch oder eine Ratte untertunnelt ...

    Schmutzig ? Nö ! Wer ?

    Eure Bente

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    1. Ratten? In unserem Garten? Sprich lieber nicht darüber, Bente. Uns macht es ja nix aus, aber das Frauchen wird allein beim Gedanken daran leicht hysterisch. Und untertunneln könnten wir ja auch selbst. Ist 'n Gedanken wert...
      Liebe Grüße von Karlsson und Polly

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  2. Schön das ihr wieder da seid. Also einen Zaun braucht ihr nun wirklich nicht. So könnt ihr doch viel besser eure lieben Nachbarn besuchen. Die freuen sich doch immer so doll wenn ihr kommt.
    Schmutzig - ach, nur ein bisschen. Aber wer bleibt denn schon bei der Gartenarbeit sauber?
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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    1. Eben. Diese ganze Sauberkeit wird total überbewertet, findet Karlsson und schickt liebe Grüße!

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  3. Schön, wieder von euch zu hören und noch toller finde ich, dass ihr so eine terrierfreundliche Nachbarschaft habt. Das würden wir uns auch mal wünschen, aber hier wird schon gedroht, dem Hund mit der brennenden Zigarette das Fell zu versengen, wenn er nur angeleint durch die Gegend läuft, ohne Beinchen heben oder Häufchen hinterlassen, wohlgemerkt! Wir sollten wohl auch lieber mal in eure Gegend ziehen... Karlsson, du bist keineswegs schmutzig, du siehst nur wie ein gesunder, fröhlicher Terrier aus. In diesem Look kam ich übrigens mal nach einem kurzen Spaziergang auf eine Ausstellung zurück. Ich schwöre dir, all die gestylten und gebadeten Hunde haben total neidisch nach mir geguckt!

    Wuff-Wuff euer Chris

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    1. Dieser natürliche Look steht uns eben am besten, Chris. Das ist genau mein Reden.
      Und wer genau will dir das Fell versengen? Zeig uns den mal, den beißen wir in die Haxen, jawoll! Oder ein weniger rabiater Vorschlag von Frauchen: Wir schicken euch die Immobilienangebote, falls hier demnächst was frei werden sollte.
      Tssss, Hunde ankokeln wollen, nee, ich glaube, ihr müsst da weg. Das kann ja wohl nicht wahr sein.
      Sehr empörte Grüße von Karlsson und Polly, die euch dringend nettere Nachbarn wünschen!

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  4. In Euerm Wunderland gibt´s einen Grinsehund…
    lacht Renate
    pffft…das ist doch Karlsson aus dem Matsch…
    grinst Jule

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    1. Nachtrag:
      eine hundefreundliche Nachbarschaft ist Gold wert…. Glückwunsch dazu. Wir geniessen das hier auch.
      Liebe Grüße Renate

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    2. Nun, wir wollen die Hundefreundlichkeit der Nachbarn auch nicht überstrapazieren. So ein Zaun ums Grundstück wirkt da manchmal Wunder :)))
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  5. Ich hab Tränen gelacht! Auf Watson wird meist ähnlich reagiert, wenn er Blödsinn bei fremden macht. ;-) Die suchen schon die richtigen Menschen aus. *g* Wie habt ihr Karlsson denn wieder sauber bekommen?

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    1. Hund spülen bis Wasser klar bleibt :)))
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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    2. Ach ja, er ist ja nicht so wasserscheu, wie unser Exemplar. ;-) Der hat übrigens Grad jemand wildfremdes in der Stadt angesprungen... und auch den um die Pfote gewickelt... ;-)

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  6. Hahaha, das ist ja wie im richtigen Leben. Da steigt der eigene Adrenalinspiegel gleich mal mit an... ;)

    Und Karlsson - nun, Ihr habt sicherlich auch eine Waschmaschine...

    LG Andrea und Linda, die sich sehr mit Euch freuen, dass Ihr nun nicht nur ein Traumhäuschen, sondern auch noch Traumnachbarn habt. Wer braucht da schon Zäune...

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    1. Hallo? Andrea?? Soll ich etwa in die Waschmaschine??? Ich finde Dusche schon doof genug!
      Fassungslose Grüße vom Karlsson und liebe Grüße vom Frauchen, das sich freut, dass ihr euch von den Weinbergen herunter und bei uns zu Besuch gekommen seid.

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  7. Wie schön, wieder von euch zu lesen - und dann gleich mit so netten und goldigen Geschichten ... zumindest, wenn es nicht die eigenen Hunde sind, die den Adrenalin-Ausstoß so ankurbeln :) Über so nette Nachbarn kann sich Hund und Frauchen doch nur freuen - ging uns vor etlichen Jahren auch so, als Dingo sich mal auf Wanderschaft begab und im Sommer bei fremden Leuten im Hausflur eine Rast einlegte ;) Die waren aber auch sehr hundefreundlich, haben ihm Wasser und etwas zu futtern angeboten - bevor wir ihn dann fanden!

    Die Gartenarbeit wird bei euch also auch gemeinschaftlich erledigt - dass ist echt prima. Und es ist völlig normal, dass man beim Wühlen in der Erde nicht perfekt gestylt bleiben kann ... und Hund hat nun mal keine Gartenpfotenschuhe, die er überziehen kann ;)
    Total niedliche Bilder, passend zu der schönen Nachbarschaft!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Jetzt kommen wir doch ins Grübeln... Wenn wir die Nachbarn besuchen, haben sie uns noch NIE was zu essen angeboten! Was hat Damon was wir nicht haben???,
      fragen Karlsson und Polly, die lieb grüßen.

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    2. Dingo hatte einen ganz unwiderstehlich Charme, Plüschfell ... und ganz wichtig: damals gab es nur ganz wenige Hunde, die einfach so gehalten wurden :) Ich glaube, unsere Nachbarn haben sich echt über den Besuch gefreut. Ob das heute noch so wäre - ich glaube eher nicht!

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  8. Ja, also mit dem brav an der Türe sitzen bleiben geht bei uns auch nicht sooo gut. Nein eigentlich geht es gar nicht, denn Socke hütet ihre Hütte mit Argusaugen und es wird alles vertrieben, was sich näher. Und wer auch nur vorbeifahren oder gehen möchte, dem wird lautet bellend bei zeitgleicher Verfolgung gezeigt, dass dies der richtige Weg ist. Und Kinder, Kinder werden nicht abgeschleckt, sondern in angsttreibender Weise vertrieben….

    Polly und Karlsson, ihr seid wirklich sehr liebe Hunde und eine wahre Freude für die neue Nachbarschaft…..

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  9. Solche Nachbarn muss man hegen und pflegen, denn sie sind Gold wert.
    Hier ist es eher gemischt. Es gibt Nachbarn, die haben schon alleine für Hundehaltung kein Verständnis und dann haben wir Nachbarn, die mögen Hunde. Diese haben aber auch jahrelang selbst Hunde besessen und haben sich nun aus Altersgründen dagegen entschieden, was ihnen aber anscheinen nicht leicht gefallen ist.
    Ich habe Fotos und Text sehr genossen.

    Liebe Grüße
    Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  10. Oha, so furchteinflößend kennen wir Socke ja gar nicht...
    Liebe Grüße aus Terrierhausen

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