Mittwoch, 10. Dezember 2014

Zurück zur Normalität, bitte!



Seit wir in unserem neuen Haus wohnen, waren wir eigentlich ständig von Handwerkern und Lieferanten umgeben. Dauernd ging einer ein und aus, der noch irgendetwas zu schrauben und zu bohren hatte oder Möbel aufbaute oder Gardinen anhängte. Drinnen wie draußen waren fleißige Menschen am Werke, um es für uns schön zu machen. Natürlich hat es mich gefreut, dass alles gut voran ging. Schließlich hatte ich all diese Leute deshalb bestellt, aber die fortwährende Unruhe begann irgendwann auch an meinen Nerven zu zehren. Von den Hunden ganz zu schweigen. Es mag Hunde geben, die auf dauernde Störungen mit kontemplativer Gelassenheit reagieren. Meine gehören nicht dazu.

Kontemplative Gelassenheit ist nicht gerade unsere Stärke

Karlsson flüchtet sich an den Ort, der ihm maximale Ruhe und Sicherheit zu versprechen scheint: Unter unser Bett. Dort verbringt er den Tag am liebsten und auch in der Nacht schläft er lieber unter unserem als in seinem Bett. Womöglich fürchtet er, dass es uns nachts plötzlich einfallen könnte, das neue Haus fluchtartig zu verlassen und das möchte er auf keinen Fall verpassen. Eigentlich wartet er nämlich immer noch darauf, dass wir mit ihm wieder nach Hause, also in unser altes Haus, gehen. Dass wir jetzt eine neue Adresse haben, ist ihm nicht klar. Er hat die Hoffnung auf eine Rückkehr noch nicht aufgegeben. Aus dem Urlaub sind wir schließlich auch immer wieder nach Hause gefahren. Warum sollte das dieses Mal anders sein?

Karlsson dazu: „Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich hab‘ doch nur so’n kleinen Kopp.“

Während Karlsson sich zurück zieht, tritt Polly die Flucht nach vorn an. Sie wirft sich jedem, der in unser Haus kommt, mit Karacho entgegen. Das macht sie zwar ganz charmant und die Handwerker und Möbellieferanten sind ihr ausnahmslos verfallen, aber Pollys Meinung ist trotzdem klar erkennbar: DU gehörst hier nicht her, mach dich mal schnell wieder vom Acker!  Polly muss ich also regelmäßig aus dem Verkehr ziehen. Wenn Handwerker im Anmarsch sind, muss sie in ihrer Box oder zumindest in einem anderen Zimmer bleiben, weil ich nicht zulassen kann, dass sie darüber bestimmen möchte, wer bei uns ein und aus geht. 

Leider macht Pollys Wachinstinkt nicht mal an unserer Grundstücksgrenze halt. Wer unsere Nachbarn sind, hat sie inzwischen gelernt. Aber als neulich nicht -wie von Polly erwartet- Opa Böhm aus dem Haus kam und den Kofferraumdeckel seines Autos öffnete, sondern sein Enkel, schoss sie wie ein Blitz laut bellend unter der Bettdecke durch, die ich gerade an der geöffneten Terrassentür ausschüttelte, war in Sekundenbruchteilen am Zaun und erschreckte den jungen Mann halb zu Tode. 

Polly dazu: „Ich kannte den doch gar nicht. Und wenn das nun ein Böser gewesen wäre? Und wenn Opa Böhms zerstückelte Leiche schon im Kofferraum gelegen hätte? Und ich nix gesagt hätte? Was dann? Hä?“


Geiselnahme in der Nachbarschaft bemerken wir als erste!

Um Polly im wahrsten Sinne des Wortes ihre Grenzen aufzuzeigen, haben wir einen kleinen Teil unseres Gartens mit einem mobilen Weidezaun abgesteckt. Dort hat Polly jetzt ihren eigenen kleinen Sicherheitsbereich. Nun gibt es keine Begegnungen mit fremden Enkeln mehr und auch kein Zusammentreffen mit Nachbars Schäferhunden am Zaun. 

Polly: „ Na und? Ich finde die trotzdem doof! Die haben mich verkloppt.“
Ich: „Was erwartest du, wenn du dauernd am Zaun stehst und rüber rufst ‚Schäferhunde sind dumm wie Stullen‘?
 Polly: „Stimmt doch.“

Es wird also noch eine Weile dauern, bis Polly die drei Schäferdamen von nebenan als etwas völlig normales ansieht. Damit hat Karlsson nun wieder gar keinen Stress. Die Schäferhunde sind ihm ziemlich egal. Ein Problem weniger.
Bei der Gewöhnung an Hase, Reh, Goldfasan und was hier sonst noch kreucht und fleucht, machen wir hingegen gute Fortschritte. Es gibt hier einfach so viel Wild, das überall Spuren, Losungen und Düfte hinterlässt, dass bei Polly und Karlsson durch die schiere Reizüberflutung tatsächlich eine Art von Gewöhnung einzutreten scheint. Außerdem sind beide immer gut durch andere Beschäftigungsangebote ablenkbar. Und beide reagieren zuverlässig auf das Rückrufsignal mit der Hundepfeife. 

Karlsson: „ Außer bei Eichhörnchen, da komme ich etwas später…“

 
Wenn schon kein Eichhörnchen, dann jage ich meinen Dummy im Wald.


 
Damit wir nicht zu völligen Landeiern werden, habe ich die beiden neulich mal wieder in die kleine Stadt mitgenommen. Während Polly inzwischen tadellos über eine Waldwiese voller Hasenköttel gehen kann, geriet sie in der Stadt an jedem Papierkorb in Ekstase und Karlsson versuchte mich wenig subtil durch heftiges Zerren an der Leine auf den Weg zu unserem altem Haus zu ziehen, den er natürlich sofort erkannt hatte. So musste ich feststellen, dass der vorweihnachtliche Stadtbummel mit zwei Terriern kein reines Vergnügen war. Das konnten wir schon mal besser. 

Diese Woche war nun der letzte Handwerker da. Unser Haus ist jetzt fertig. Richtig fertig ist man natürlich nie, das weiß jeder Hausbesitzer. Aber egal, wir fangen ab jetzt mit dem ganz normalen Wohnen an. Und wahrscheinlich wird es gar nicht lange dauern, bis alles, was eben noch neu und aufregend war, plötzlich ganz normal geworden ist. Geradezu langweilig. Das kann in unserem Fall nur was Gutes bedeuten.

Im Herbstwald habe ich Tarnfarbe.
Also ich finde Dummyjagen normal.
Ich habe alles im Blick.

Kommentare:

  1. Hach, Normalität ist echt schon was Feines, wobei ich Polly durchaus verstehen kann. Ich verbelle auch jeden Handwerker, der meint, er müsse einfach in MEIN Reich kommen. Das geht ja mal sowas von gar überhaupt nicht! Dass Polly auch gleich mit auf die Nachbarn aufpasst, wundert mich aber etwas. Die lass ich links liegen.

    Wuff-Wuff euer Chris

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    1. Doch, doch, lieber Chris, auch verdächtige Elemente auf den Nachbargrundstücken müssen umgehend gemeldet werden!
      Wuff!
      Deine Polly

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  2. Mit den Schäferhunden kann ich dir wenig Hoffnung machen. 😉 Watson findet es auch nach einem Jahr noch total super den Schäfer im Nachbargarten zu nerven.😈
    Karlsson tut mir richtig leid! Hoffentlich kommt er bald richtig an!
    Ich lese so gern von euch!

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    1. Na, dann wollen wir mal hoffen, dass die Schäferhunde bei uns nicht zum Dauerbrenner werden.
      Karlsson wird sich schon eingewöhnen. Letzten Endes bleibt ihm ja nichts anderes übrig ;)
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  3. Der arme Karlsson, wir drücken ihm die Pfötchen das er sich bald an sein neues Zuhause gewöhnt. Polly können wir gut verstehen. Fremde Leute haben nichts im Hundereich verloren. Das ist bei uns auch so. Und die Schäferdamen aus unserer Straße haben wir auch schon aufgemischt. Wenn Hund einmal beim aufpassen ist, kann er auch gleich noch auf die Nachbarn aufpassen. Wir wünschen euch eine schöne Adventszeit.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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    1. Wir wünschen Euch auch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit!
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  4. "Geiselnahme in der Nachbarschaft bemerken wir als erste!"

    Hahaha, bei Polly und Karlsson sitzen sie in der ersten Reihe. Schäferhunde ärgern, Nachbarn erschrecken und Handwerker einer Leibesvisitation unterziehen - Linda wäre dabei. Was für ein langweiliges Leben ohne Haus... hahaha

    LG Andrea

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    1. Liebe Andrea, wir sind uns absolut sicher, dass Linda KEIN langweiliges Leben führt. Deine wunderschönen Bildreportagen von euren spannenden Wanderungen sind ja wohl der beste Beweis!
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  5. Hast Du wirklich die Worte "Gelassenheit" und "Terrier" in einem Satz benutzt ... das sind doch total Gegensätze, das kann nicht gut gehen :) Wobei ich gestehe, ich bin froh, das Damon schon etwas älter ist und mittlerweile etwas ruhiger wird- Er hat gelernt, dass man Handwerker ins Haus lässt - die kann man im Haus auch bewachen und kontrollieren!
    Allerdings ist es doch ein Segen für die Nachbarn, dass sie sicher sein können, niemand packt sie zerstückelt in den Kofferraum - da muss man schon mal einen leichten Schock in Kauf nehmen ... bei solcher Kotrollarbeit kann Hund ja nicht auf die Befindlichkeiten jedes Einzelnen Rücksicht nehmen!
    Was die Schäferdamen angeht - ich finde es sehr wichtig, dass Polly ihnen deutlich klar macht, welcher Terrier der Chef ist ... bevor die noch auf merkwürdige Ideen kommen ;)

    Ich sende euch liebe Grüße und danke für diesen wunderbaren Einblick in eure neue Welt,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Liebe Isabella, vielen Dank für deine herzlichen Worte und dein wunderbares Einfühlungsvermögen in die Belange von kleinen Terriern. Polly fühlt sich von dir gut verstanden ;-) und sendet herzliche Grüße.
      Terrierhausen wünscht Euch eine schöne und entspannte Advents- und Weihnachtszeit!

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  6. Hach, ist das schön, einmal von Anderen zu lesen, die haargenau die selben Probleme haben. *seufz* Mein Charly verbellt auch jeden Eindringling, egal ob Postbote oder entfernte Verwandte von Frauchen. Die haben hier, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis, nichts zu suchen. *punkt*

    Ich hoffe für euch, dass sich alles bald ein wenig beruhigt und wünschen euch eine schöne Adventzeit.
    Sonja und Charly

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    1. Na wenigstens sind wir mit unseren Problemen nicht allein :-)
      Das ist auch eine Form von Trost.
      Terrierhausen wünscht Euch auch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit!

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  7. Also, ich finde es ja eigentlich richtig schön, dass jemand auf mich achtet und mich vor einer Geiselnahme beschützt. Die Leute sollten das mehr zu würdigen wissen. Nachbarn verstehen das in den seltensten Fällen und die sind auch immer so schreckhaft ;).
    Na ja, zuviel Beschützerinstinkt kann dann manchmal schon etwas unangenehm sein, wenn hin und wieder doch jemand ins Haus muss und gerade nicht Geiselnehmer ist. Da hat man als Frauchen alle Hände voll zu tun.
    Ich wünsche Karlsson, dass er sich bald richtig zu Hause fühlt, wo er jetzt zu Hause ist. Auf den Folgebericht bin ich gespannt.

    Liebe Grüße
    Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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    1. Wie wahr, liebe Sylvia, als Frauchen hat man wirklich alle Hände voll zu tun. Ich bin selber gespannt, wie es mit uns weiter geht. Werde auf jeden Fall berichten.
      Liebe Grüße an Euch aus Terrierhausen!

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  8. Also Geiselnehmer sind eine nicht zu unterschätzende Plage, die verschleppen einen wüst und füttern nicht korrekt und lassen einen dann dösige Texte in schlechten Videos vorlesen - voll peinlich - nee.
    Da sollte sich die Familie - ach, was sage ich - das ganze Dorf über zwei Terrier freuen. Jetzt ist zwar erst das Mädel aktiv, aber sobald es bei euch richtig riecht, wird der mit dem lütten Kopp auch seinen Anteil leisten.
    Und wer immer noch nicht überzeugt ist, der soll sich mal vorstellen, dass er gegeiselt wird - und die Familie will nix zahlen - mein Gott wie peinlich - neeeee.
    Liebste Grüße von Terrier zu Terrier - Bente

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    1. Liebe Bente, willkommen im Wach- und Schutzbund deutscher Terrier! Uns zeichnen gute Beobachtungsgabe, schnelles Auffassungsvermögen und beherztes Einschreiten zur Vorbeugung rechtswidriger Taten aus. Nepper, Schlepper, Bauernfänger und andere Schurken haben bei uns keine Chance!
      Darauf einen Knochen mit Sahne,
      meint Wuff! deine Polly.
      Herzliche Grüße aus Terrierhausen

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  9. Ich werde deinen Post als Erfahrungsbericht- und Gebrauchsanweisung verwenden.
    Uns steht im nächsten Jahr ähnliches bevor, wenn wir in unser Haus einziehen werden. Ich denke, unser Terrierzwerg wird die Handwerker auch nicht so leicht "machen lassen". Aber noch schöpfen wir Kraft und Mut aus deinen Berichten :)
    Herzliche Grüße und eine schöne Weihnachtszeit

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    1. Wir wünschen euch viel Glück und unerschrockene Handwerker, die sich von einem Terrier nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen:)))
      Liebe Grüße aus Terrierhausen

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  10. Polly, Polly du bist eben ein echter Terrier ;-) ;-)

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